+
Der Römer (im Hintergrund) war 23 Jahre sein Zuhause: Berthold Hambach.

Service- und Barmeister

Berthold Hambach kennt die Großen der Welt

Er stand 47 Jahre lang im Arbeitsleben. Gut die Hälfte davon, nämlich 23 Jahre, war er bei der Stadt beschäftigt.

Er stand 47 Jahre lang im Arbeitsleben. Gut die Hälfte davon, nämlich 23 Jahre, war er bei der Stadt beschäftigt. Nun verabschiedete sich der Service- und Barmeister Berthold Hambach in den Ruhestand. „Ob ich das alles vermissen werde, das weiß ich noch nicht“, sagt der 63-Jährige. Er habe einfach noch keine Zeit dazu gehabt, sich darüber Gedanken zu machen. „Ich wollte heute morgen schon um 7 Uhr aufstehen, aber dann habe ich mir gesagt, dass ich doch noch etwas länger liegen bleiben kann“, erzählt er von den ersten Erfahrungen.

Was er aber weiß ist, was er mit seiner Zeit anfangen möchte: „Ich gehe segeln.“ Das ist Hambachs große Leidenschaft. „Ich habe alle notwendigen Scheine und könnte, wenn ich denn wollte, sogar ausbilden“, sagt Berthold Hambach, der als 15-Jähriger mit seiner Lehre am Mainzer Hof in Mainz begann. Danach führten ihn seine Wanderjahre an den Hessischen Hof, später nach England und schließlich auf die MS Vistafjord. „Das war das erste Traumschiff“, weiß Hambach, der nach seiner Erfahrung auf hoher See zum Ramada-Hotel ging, bei dem er 13 Jahre lang blieb, und dann vor mehr als zwei Jahrzehnten zur Stadt wechselte.

An seinen ersten Tag in den Diensten der Mainmetropole kann er sich noch bestens erinnern. Kein Wunder. „Ich kam rein und das Erste, was ich hörte, war, dass wir den japanischen Kaiser und sein Frau empfangen würden“, erinnert sich Hambach, der in Nierstein das Licht der Welt erblickte.

Seitdem ist die Liste der Prominenten, Staatsmänner und -frauen, mit denen er in seiner Arbeitszeit zu tun hatte, schier endlos gewachsen. „Ich habe alle deutschen Präsidenten und auch alle Bundeskanzler kennengelernt“, beginnt er mit seiner Aufzählung, zu der auch Jassir Arafat , der ehemaliger Vorsitzende der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO, aber auch Queen Elizabeth II. gehören. Nicht zu vergessen: die drei Frankfurter Oberbürgermeister Andreas von Schoeler , Petra Roth und Peter Feldmann .

Gern denkt er an den Schauspieler Sir Peter Ustinov und auch an den Altbundeskanzler Helmut Kohl zurück. „Ich habe mir nicht wirklich alle Reden aller Menschen angehört, die bei uns gesprochen haben, aber wenn einer dieser beiden eine Ansprache hielt, dann habe ich zugehört“, so Hambach.

Zu den schönsten Momenten seiner Karriere habe ein Besuch der Spanischen Königin Sophia von Griechenland vor einigen Jahren in der Paulskirche gehört. „Sie war schon fast wieder weg – und mit ihr ihre Body-Guards –, da kam sie noch einmal zurück und verabschiedete sich persönlich von mir. Da mussten auch alle Leibwächter wieder mit ihr hinein. So ein Aufwand, um mir die Hand zu geben.“ Das hat er nie vergessen.

Allerdings sucht man Fotos mit ihm und prominenten Gästen vergebens. „Ich war immer der Mann im Hintergrund.“

Momente, die unter die Kategorie „so richtig peinlich“ fallen, gibt es bei ihm nicht. Es gelte eben, gut vorbereitet zu sein. „Aber man muss auch improvisieren und vorausschauend arbeiten können.“ Damit lasse sich jede Situation meistern.

Berthold Hambach blickt zufrieden und gelassen auf die fast fünf Jahrzehnte in der Arbeitswelt zurück. „Es war mein Traumberuf. Von Anfang an.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare