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Kinderjacken und Rucksäcke hängen in einer Kita.

Tagesmütter als Alternative

Betreuungssituation stößt an Grenzen: Nicht nur Kitaplätze sind Mangelware

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In Wallau fehlen Betreuungsplätze für Kinder aller Altersgruppen. Auch Tagesmütter werden deshalb gesucht.

Was in anderen Stadtteilen schon etwas abzuebben scheint, ist in Wallau noch in vollem Gange – es werden in bestehende Quartiere hinein Reihenhäuser gebaut. Reihenhäuser aber werden vor allem von Familien mit kleineren Kindern gekauft oder angemietet. Deshalb werden in dem Stadtteil in Zukunft eher mehr statt weniger Betreuungsplätze gebraucht, und zwar für alle Altersgruppen. Dass das nicht so einfach zu kalkulieren ist, weil man nicht genau weiß, wann wie viele Kinder nach Wallau ziehen, ist dabei für die Stadt kein übergroßes Problem. Denn sie hat ohnehin alle Mühe, den wachsenden Bedarf zu befriedigen.

Das fängt bei den Kleinsten an, den Kindern unter drei Jahren. Rechnerisch werden etwas mehr als 60 Plätze gebraucht. Die tatsächliche Nachfrage ist besonders schwer zu kalkulieren, denn die Einjährigen des Jahres 2020 sind heute noch gar nicht geboren. Und mehr als bei den älteren Kindern entscheiden sich Eltern für eine Betreuung außerhalb des Wohnortes, etwa in der Nähe des Arbeitsplatzes.

Aber die vorhandenen 35 Plätze sind auf jeden Fall zu wenig. Und die stehen noch nicht einmal alle zur Verfügung, weil im evangelischen Kindergarten Plätze an Kinder über drei Jahren vergeben werden müssen – für die gibt es einen

Rechtsanspruch

. Die Stadt will zwar mit den Trägern über zusätzliche Kapazitäten sprechen. Aber im Ortsbeirat appellierte Bianca Sigg, im Rathaus für die Kinderbetreuung zuständig, eine Tätigkeit als Tagesmutter in Betracht zu ziehen.

Nur zwei Tagesmütter mit zusammen sechs Plätzen arbeiten derzeit in Wallau. Zwei sind nach Siggs Informationen gerade in der Ausbildung, aber auch wenn diese tatsächlich arbeiten, fehlen Plätze. Sie wollte auch den Hinweis nicht stehen lassen, die Arbeit als Tagesmütter sei mit einem hohen Aufwand an Qualifizierung verbunden. Immerhin könnten sich zwei Tagesmütter zusammenschließen und zusammen zehn Plätze anbieten. „Das ist schon eine kleine Einrichtung“, sagt sie. Das verlangt allerlei Fachkenntnisse.

Die Gespräche mit bestehenden Einrichtungen beziehen sich auch auf die eigentlichen Kindergartenkinder, das ist die Altersgruppe ab drei Jahren bis zum Wechsel in die Grundschule. Im laufenden Jahr haben rechnerisch 16 Plätze gefehlt – tatsächlich werden alle Kinder betreut, zum Teil in Langenhain, zum Teil in Wiesbaden. Aber das Defizit steigt im nächsten Jahr auf 27 und bleibt dann auch in diesem Bereich. „Wir sind für jede Anregung dankbar“, lässt Sigg erkennen, dass eine Lösung des Problems noch nicht in Sicht ist. Die Gespräche mit den Trägern bestehender Einrichtungen sind nicht einfach, auch weil diese erhebliche Probleme haben, geeignetes Personal zu finden. Zusätzliche Räume ohne Erzieherinnen aber nützen nichts.

Und die Misere setzt sich bei den Schulkindern nahtlos fort. Der zuständige Caritasverband hat sein Betreuungsangebot für Grundschüler erheblich ausgeweitet, stößt inzwischen an Kapazitätsgrenzen. Nach dem aktuellen Kinderbetreuungsplan fehlen etwa 30 Plätze. Theoretisch könnte der Kreis zusätzlich Betreuungsräume an der Taunusblickschule schaffen. Die Linie des Landratsamtes ist aber, dies nur zu machen, wenn die Schule einen Antrag auf Aufnahme ins Ganztagsschulprogramm des Landes stellt. Einen solche Antrag aber hat die Schule, nach Informationen der Stadt jedenfalls, bislang nicht gestellt.

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