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Bei Konzerten und Heimspielen blockieren vor allem Autos von außerhalb die Parkplätze in Niederrad. Das stinkt den Bewohnern.

Wegen der Stadion-Besucher

Bewohner-Parkzeiten in Niederrad sollen ausgeweitet werden

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Sind in der Commerzbank-Arena Großveranstaltungen wie Konzerte oder Heimspiele der Eintracht, sind in Niederrad die Straßen zugeparkt. Das ärgert die Anwohner. Der Magistrat will mit einer simplen Maßnahme reagieren.

Wenn am 20. Juli Helene Fischer oder im August die Böhsen Onkelz in der Commerzbank-Arena auftreten, wird es in Niederrad wieder voll. Gleiches droht am 1. September, wenn die Eintracht ihr erstes Heimspiel der neuen Saison gegen Werder Bremen bestreitet. Nicht nur Busse und Bahnen sind voll, sondern auch am Straßenrand ist kein Durchkommen mehr. Während Großveranstaltungen im Stadion verwandelt sich der Stadtteil in einen großen Parkplatz. Überall werden Autos mit auswärtigem, aber auch Frankfurter Kennzeichen abgestellt – egal, ob das in der Rennbahn-, Schwarzwald-, Flughafen- oder Waldfriedstraße ist. Eigentlich stehen die Fahrzeuge im ganzen Stadtteil verteilt. Denn der Weg zum Stadion ist zu Fuß nicht weit. Zudem kann man sich so die Parkplatzgebühr von sechs Euro sparen.

Doch die Anwohner sind von dieser Verkehrssituation genervt. Immer wieder gibt es darüber Beschwerden beim zuständigen Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen). Deshalb hat das Stadtteilparlament den Magistrat um ein Verkehrskonzept für die Veranstaltungstage in der Arena gebeten. Die Stadt schlägt vor, die Bewohnerpark-Zeiten auszuweiten und an die Veranstaltungszeiten im Stadion anzupassen. Denn seit das Bewohnerparken im April 2009 eingeführt worden sei, hätten sich die Anstoßzeiten in der Bundesliga verändert. Deshalb regt der Magistrat an, einen Teil der Parkplätze montags bis samstags von 7 bis 10 Uhr und von 15 bis 22 Uhr sowie sonntags von 13 bis 19 Uhr für Bewohner zu reservieren. Aktuell dürfen die Stellplätze montags bis freitags von 7 bis 10 Uhr und von 16 bis 20 Uhr sowie samstags von 11 bis 16 Uhr ausschließlich von Bewohner benutzt werden. „Die Anpassung verbessert einerseits die Ahndungsmöglichkeiten und reduziert andererseits die Verkehrsbelastung“, heißt es in der Stellungnahme.

Ansonsten gibt es laut Magistrat für Niederrad ein „vollumfängliches Verkehrskonzept“ für Veranstaltungen, insbesondere während der Eintracht-Spiele. Man würde dabei auf einen Mix der Erreichbarkeit sowohl mit dem öffentlichen Nahverkehr als auch mit dem Auto setzen. So sei das Stadion sowohl mit einer S-Bahn-Station als auch mit einer Straßenbahn- und einer Bushaltestelle ausgestattet. Zusätzliche Fahrten an Veranstaltungstagen sollen es den Besuchern erleichtern, das Stadion gut, schnell und über kurze Fußwege zu erreichen. Dennoch, so muss es sich auch die Stadt eingestehen, würden viele Eintracht-Fans die Anfahrt mit dem eigenen Auto bevorzugen – egal ob zu einem Fußballspiel oder einem Konzert. „Die legalen Parkmöglichkeiten entsprechen in ihrer Anzahl nicht dem realen Parkplatzbedarf“, heißt es in der Stellungnahme.

Rund um das Stadion gibt es 7000 Stellplätze – auf dem Waldparkplatz, am Gleisdreieck, an der Isenburger Schneise sowie in der Tiefgarage unter der Arena und im Parkhaus Sandhofstraße. Darüber hinaus können auf den Straßen 1500 bis 2000 Parkplätze zur Verfügung gestellt werden. Angesichts der 51 500 Menschen, die bei Bundesligaspielen ins Stadion passen, sind die Parkplätze knapp und die Verkehrsbehinderungen im Stadtteil groß.

Deshalb setzt die Verkehrspolizei eine Pendelstreife ein, um das Gebiet rund um die Arena zu überwachen. Zudem werden die Anwohnerparkzonen von zwei Fußstreifen kontrolliert. „Ziel der Verkehrsüberwachung ist es, durch Sanktionierung, die eine abschreckende Wirkung entfalten soll, auf die Regelbefolgung einzuwirken“, begründet der Magistrat die Maßnahme. Allerdings ist das Knöllchen für Parken in der Bewohnerparkzone mit 10 bis 15 Euro relativ günstig. Viele Autofahrer nehmen das billigend in Kauf. Von der Ausweitung des Zeiten für das Anwohnerparken verspricht sich Rainer Michaelis, Leiter der Verkehrspolizei, dass die Kontrolleure mehr Zeit haben, um Parksünder zu entdecken.

Aus Sicht vieler Niederräder werden die veränderten Zeiten des Bewohnerparkens aber nichts bringen. Das hat eine Facebook-Umfrage von Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) in der Gruppe „Wir lieben Niederrad“ ergeben. Die Niederräder würden sich wünschen, dass es an den Nebenstraßen Schranken gibt, an denen kontrolliert wird, damit nur Anwohner hineingelassen werden. So war es vor einigen Jahren noch. Und so wird es auch in anderen Städten wie Köln und Leverkusen gehandhabt. Dort bekommen die Anwohner einen Ausweis, der sie berechtigt auch während der Bundesligaspiele in die Nebenstraßen hineinzufahren, um dort zu parken. In Köln gibt es sogar noch einen Ausweis für etwaigen Besuch, den die Anwohner erwarten.

In Niederrad gab es zwar schon Barrieren, allerdings waren sie nicht effektiv. Es handelte sich bei den Schranken nur um Halbsperren. „Man konnte sich an ihnen vorbeimogeln“, sagt Michaelis. „Sie haben nichts gebracht.“ Deshalb gibt es dort keine Kontrollen mehr. Ansonsten hält die Stadt an ihrem Verkehrskonzept fest.

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