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Lena Landrock und Amanda Bruchmann vom Nachbarschaftsbüro im Gutleutviertel.

Gute Nachbarschaft

Was den Bewohnern im Gutleutviertel fehlt

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Eine Umfrage des Nachbarschaftsbüros Gutleutviertel zeigt, dass viele Bewohner gute Nachbarschaften im Quartier zu schätzen wissen. Doch es fehlt an attraktiven Plätzen, Einkaufsmöglichkeiten, Verkehrsanschlüssen und sonstiger Infrastruktur.

Die Nähe zum Main und durch Straßenfeste belebte Plätze wie den Rottweiler Platz wissen die Bewohner des Gutleutviertels besonders zu schätzen. Doch in der Umfrage des Nachbarschaftsbüros der AWO kritisieren sie, dass der Baseler Platz vorrangig dem Autoverkehr dient, während es gleichzeitig an Radwegen und ÖPNV-Verbindungen von der Wurzelsiedlung zu den Einkaufsmöglichkeiten der Innenstadt ebenso fehlt wie an einem eigenen Wochenmarkt.

Abhilfe verspricht nun die Genossenschaft „Die Kooperative in Frankfurt und Offenbach. Stadt.Land.Wirtschaft.“ Für einen einmaligen Genossenschaftsbeitrag von 200 Euro stellt sie jede Woche ab zehn Euro einen Korb mit frischem Obst und Gemüse als Ernteanteil zur Verfügung. „Wir wollen ab September das Nachbarschaftsbüro als Depot nutzen, damit sich die Bewohner im Gutleutviertel versorgen können“, sagt Christoph Graul von der Genossenschaft.

Vor einem Jahr führte das Nachbarschaftsbüro eine Umfrage mit 215 Fragebögen bei Menschen durch, die im Gutleutviertel wohnen oder arbeiten. Wobei sich gezeigt hat, dass 45,1 Prozent der Befragten auch ihre Freizeit im Gutleutviertel verbringen und mehr als 60 Prozent ihre Wege entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen.

„Das alltägliche Zusammenleben, die Nachbarschaft und die gefühlte Sicherheit werden tendenziell als positiv bewertet“, unterstreicht die Quartiersmanagerin Amanda Bruchmann. Doch es fehlt an Treffpunkten für alle Stadtteile, wie ihre Kollegin Lena Landrock feststellt: „Es gibt die Teestube, kirchliche Treffpunkte für ganz ,unten’, es gibt eine echt gute Szene für ,oben’ – aber leider nichts, wo sich beides mischt und bereichert.“

Die Umfrage erreichte alle Altersgruppen, wobei die Gruppe der 30- bis 39-jährigen mit 25,6 Prozent noch vor den über 70-jährigen mit 18, 1 Prozent lag. Hier hat sich nach der Beobachtung von Bewohnerin Marion Kalsang, die nach 15 Jahren Unterbrechung wieder ins Gutleutviertel zurückgekehrt ist, ein Wandel ergeben: „Damals haben hier bestimmt mehr ältere Menschen gewohnt“, erinnert sie sich. In der Umfrage wurden auch Noten umgekehrter Reihenfolge vergeben, wobei das nachbarschaftliche Miteinander, die Sicherheit, das Kennen der Nachbarn und das Zusammenleben jeweils mit 4.48, 4.65, 4.56 und 4.14 bewertet wurden.

Was die Erhaltung der Straßen, Häuser und Grundstücke betrifft, wurden mit 3.90 und 3.68 schon etwas mittelmäßigere Noten vergeben. Bei einer Gesamtnote von 2.95 sind die Befragten mit Einkaufsmöglichkeiten, Bildungs-, Betreuungs- und kulturellen Angeboten sowie der medizinischen Versorgung schon etwas unterdurchschnittlich zufrieden. Als Mankos werden genannt, dass es nicht nur am Wochenmarkt und an Geschäften, sondern auch an einer Grundschule und EC-Automaten fehlt.

Was Peter Metz (SPD), langjähriges Mitglied im Ortsbeirat 1 (Innenstadt, Bahnhofsviertel, Gallus, Gutleut), nicht wundert: „Wir haben zu diesen Punkten viele erfolglose Anträge gestellt.“ Als Ablehnungsgründe wurden damals fehlende Zufahrtsmöglichkeiten, das zu geringe Interesse der angrenzenden Stadtteile an einem Markt im eher kleinen Gutleutviertel sowie die Grundschulsituation im Bahnhofsviertel genannt. „Die Zahlen geben eine neue und eigenständige Grundschule für das Gutleutviertel noch nicht her, die von Schuldezernentin Sylvia Weber veranlasste jährliche Fortschreibung des Schulentwicklungsplans hat aber die Situation der Familien im Gutleutviertel besonders im Blick“, sagt die Leiterin des Dezernatsbüros Jetta Lüdecke.

Der Sprecher der HFM Managementgesellschaft Peter Lorenz stellt fest, dass der Magistrat die vom Ortsbeirat vorgeschlagenen Standorte in der Gutleutstraße 168, im Behördenzentrum Gallus und in der Hirtenstraße wegen mangelnder Erschließbarkeit und Rentabilität durch ausreichende Besucher für nicht geeignet hält.

Neben der Versorgung durch die Kooperative will das Nachbarschaftsbüro auch ein Seniorentaxi für Einkaufsfahrten ins Gallus anbieten. Und da ehrenamtliches Engagement die Sicherheit und Nachbarschaft fördert, will sich Marion Kahlsarg künftig für Geflüchtete engagieren.

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