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Viele Balken des 800 Jahre alten Dachstuhls sind marode. Damit Sie trotzdem erhalten bleiben, bekommen sie einen stützenden Unterbau.

Morsche Balken

Bistum lässt eine der ältesten deutschen Kirchen sanieren

Dach, Fenster und Außenmauern der mittelalterlichen Kirche in Lahr werden zurzeit grundhaft saniert. Die Maßnahmen wurden mit 1,1 Mio. Euro veranschlagt und stellen neben den bauhistorisch versierten Fachbetrieben auch Archäologen, Restauratoren und Biologen vor Herausforderungen. Trotzdem liegen die Arbeiten gut in der Zeit.

Die Dachstühle von Kirche und Turm gehören mit zu den ältesten in Deutschland. Nach Auflagen des Diözesankonservators soll das historische Holz aus dem 13./14. Jahrhundert so weit wie möglich erhalten bleiben. „Was nicht mit dem Staubsauger ausgebaut werden kann, bleibt drin“, zitiert Christof Martin, der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrats, den Konservator.

Über die Jahrhunderte hinweg habe das Kirchendach immer mal wieder offen gestanden – ob nun Unwetter die Ursache waren oder Bauarbeiten, bei denen zwischendurch das Geld ausging. Doch klar ist, dass Witterungseinflüsse dem Dachstuhl an vielen Stellen Schaden zugefügt haben, erklärt Martin und zerbröselt mit der Hand den Stumpf eines der uralten Eichenbalken. Um die historische Substanz trotzdem im Kirchendach belassen zu können, ist als Unterbau ein komplett neuer Dachstuhl errichtet worden, der die alten Balken trägt.

Auch im Kirchturm stehen Sanierungsarbeiten an. Der Turmdachstuhl stammt ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert. Nach dendrochronologischen Untersuchungen wurden die ältesten Balken auf das Jahr 1215 datiert. „Hier wurden im 19. Jahrhundert bereits Stützstreben eingezogen, doch sind jetzt noch einmal etliche Balken zu verstärken. Und wie es in der Spitze aussieht, bleibt spannend“, so Martin. Derzeit würden noch Mauersegler in Nischen des Turmgemäuers brüten, sodass in Absprache mit der Naturschutzbehörde die Arbeiten an der Fassade dort erst im August beginnen können.

Nahezu abgeschlossen hingegen sind die Erdarbeiten im Chorbereich. „Weil das Erdreich an der Chorwand bis zu einer Höhe von ca. 1,50 m aufgeschüttet war und die gesamte Fassade zudem in den 1980er Jahren mit einem wenig atmungsaktiven Zementgemisch verputzt wurde, haben wir große Probleme mit aufsteigender Feuchtigkeit“, erklärte Martin. Deutlich zeigt sich das im Inneren der Kirche, wo Putz und Farbe abblättern.

Beim Ausheben des Erdreichs im Chorbereich stießen die Arbeiter auf die Gebeine von etwa 60 Personen. „Das war durchaus zu erwarten“, sagte der Verwaltungsrat-Vize. Denn früher wurden Bestattungen immer in unmittelbarer Nähe der Kirche vorgenommen und über die Jahrhunderte hätten sich die Gräber überlagert. Die Skelette wurden archäologisch gesichtet, doch außer ein paar Knöpfen seien keine Hinweise auf das tatsächliche Alter gefunden worden. Da die Gebeine jedoch teilweise unterhalb der Chormauern lagen, sind die Archäologen der Auffassung, dass die Bestattungen bereits vor dem Bau der heutigen Kirche erfolgten. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten werden die Gebeine an anderer Stelle auf dem Kirchhof erneut beigesetzt.

Bei den Erdarbeiten wurden zudem Reste einer Grundmauer der historischen Sakristei gefunden. Nach Angaben des Bauleiters Stefan Zeyen sei noch offen, wie letztendlich damit verfahren wird. „Es wäre aber schön, wenn man zumindest andeuteten könnte, was hier früher mal war“, findet Bärbel Lang vom Verwaltungsrat.

Sie freut sich schon heute darauf, wenn die farbigen Bleiverglasungen der Fenster wieder an Ort und Stelle sind. Derzeit befinden sie sich zur Aufarbeitung in einer Trierer Spezialwerkstatt, doch sind die neuen stoßfesten Schutzverglasungen bereits eingebaut. Damit die Motive der bunten Fenster gut zur Geltung kommen, finden sich die Konturen der Bleiruten auch in dem vorgesetzten Schutzglas wieder.

Nach Abschluss der Fassadensanierung – wobei als kleineres Übel der ungünstige Zementputz bleiben muss, weil das Entfernen nur noch mehr Schaden anrichten würde – erhält die ganze Kirche einen neuen Anstrich. Leider sind keine historischen Befunde über die ursprüngliche Farbgebung erhalten, deshalb bleibt es wahrscheinlich bei einem ähnlichen Ton, wie er aktuell zu sehen ist.

Mit dem Abschluss der Arbeiten wird im März 2019 gerechnet. 90 Prozent der Kosten übernimmt das Bistum.

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