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Fairness und Freude auch beim gemeinsamen Werten: Reiner Theis, Herbert Schlitt, Peter Lorger, Alexandra Laux (hinten, von links), vorne kniend Erna Schlitt, Philipp Laux und Volker Laux messen die Entfernung der Kugeln bis zum roten Schweinchen.

Hobby für Jedermann

Boule erlebt einen Aufschwung

Über das zurückgekehrte schöne Wetter freuen sich vor allem die Offheimer Bouler. Bei warmen Temperaturen haben die sportlichen Damen und Herren aus dem Limburger Stadtteil sozusagen Hochsaison – und treffen sich schön regelmäßig dienstags abends zum Kugel legen oder schießen.

Wer dienstags abends gegen 18 Uhr auf die Tennisanlage des Offheimer Turnvereins kommt, hört schon von weitem anfeuernde Rufe und fröhliches Gelächter. Hier haben sich die Offheimer Bouler zusammengefunden und kämpfen engagiert um den Sieg. Spaß und Leidenschaft für ihr Hobby ist den Freizeitsportlern beim Spiel gleich anzumerken, trotzdem spürt man beim Zuschauen oft auch die hohe Konzentration, die Motivation und die taktische Selbstsicherheit, mit der die Gruppe ans Werk geht.

Im Schnitt sind es zehn bis 15 Personen, die sich hier seit rund zwei Jahren zum Wettkampf treffen. Sie alle gehören zum Turnverein (TV) Offheim, dessen Vorsitzender, Hermann Weimer, auch gerne mal vorbeischaut – allerdings wörtlich genommen: zum Zusehen. „Chef“ der Abteilung ist Dr. Reiner Theis. Und der leitet seine Schützlinge wahrlich mit Sachverstand an. Immerhin unterrichtet der Professor für Sportwissenschaft an der Universität Koblenz und weiß, welch komplexes Miteinander von Aufmerksamkeit, Willen und motorischer Ausführung erforderlich ist, um solch spektakuläre Würfe hinzulegen, wie sie hier manchmal zu sehen sind.

Ganz wichtig ist die richtige Haltung der Kugel in der Hand. Sie wird von den vier Fingern der Wurfhand umschlossen, der Daumen liegt in Verlängerung des Unterarms und ist am Festhalten der Kugel nicht beteiligt. Hochsaison ist tatsächlich in der schönen Jahreszeit. Sobald es etwas länger hell wird und warm genug ist, stehen die Bouler im Frühjahr auf dem Außenplatz bereit. „Im Winter kann auch in der Halle gespielt werden. Das machen aber die wenigsten. Es macht lange nicht soviel Freude wie draußen“, verrät Bouler Peter Lorger, der trotzdem einer der wenigen ist, die auch im Winter keine ruhige Kugel schieben und regelmäßig trainieren.

Das Grundprinzip des Spiels ist denkbar einfach. Es geht darum, möglichst viele der eigenen Kugeln näher an die Zielkugel (Schweinchen) zu bringen, als der Gegner. Das Spiel geht so lange, bis ein Team 13 Punkte erspielt und die gegnerische Mannschaft keine Kugeln mehr hat. Verbliebene Kugeln in der Gewinner-Mannschaft müssen dann nicht mehr ausgespielt werden. Manchmal kann so ein Spiel ganz schnell gehen. Mindestens drei Aufnahmen der Kugeln müssen sein, maximal 25 Aufnahmen sind möglich – und das Spiel kann dann auch schon mal zwei Stunden oder länger dauern.

Die Offheimer boulen auf einem Tennisplatz. Das ist in Ordnung – grundsätzlich kann auf allen Böden gespielt werden. Trotzdem träumen die Akteure manchmal auch von einer professionellen Boule-Bahn, so wie sie nach und nach in der Region angelegt werden. Boule entwickelt sich in nämlich langsam aber sicher zum aktuellen Trendsport. Warum? Weil hier jeder mitmachen kann, ob klein oder groß, dick oder dünn, jung oder alt, weiblich oder männlich. Jeder kann gewinnen. Das sind natürlich tolle Voraussetzungen. Zudem bewerten die Offheimer die Leistungen der Mitspieler immer sehr positiv und lautstark – das Ergebnis der positiven Rückmeldungen bietet jede Menge Motivation und Gemeinschaft.

Hinzu kommt, dass Boule keine von den Sportarten ist, die ihre Wertigkeit durch ein teures Outfit nach außen transportieren. Gebraucht wird bequeme, sportliche Kleidung, ein Tuch, um die Kugel zu reinigen, und ein Maßband. Praktisch ist natürlich auch ein Behälter für die Kugeln, damit sie im Auto nicht dauernd hin- und herkullern. Beim Boule-Spiel gibt es drei gängige Möglichkeiten, ein Team zu bilden. Entweder werden die Spieler in Triplette- (mit je zwei Kugeln) oder Doublette (drei Kugeln) eingeteilt. Oder jeder kämpft für sich alleine – bis die Runde zu Ende ist. Dann gilt aber wieder die Gemeinschaft – denn meist wird noch fröhlich zusammengesessen.

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