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Rund 23 Meter misst der Ahorn direkt neben dem Gartenpavillon des Neuen Frankfurt. Demnach stand der Baum ? 148Jahre alt ? dort schon seit Jahrzehnten, als der Rundbau entstand. Jetzt endet diese harmonische Nachbarschaft. Schuld ist ein Pilz.

Moderfäule

Im Brentanopark muss ein 150 Jahre altes Naturdenkmal gefällt werden

Rund 23 Meter misst der Baum direkt neben dem Gartenpavillon. Fast 150 Jahre stand er im Brentanopark, der Spitzahorn - jetzt muss er fallen. Schuld ist ein Pilz.

Es wäre Mumpitz zu behaupten, er habe im Schatten gestanden. Die Unwahrheit wäre das, grotesk angesichts der Größenverhältnisse und auch der Entfernung. Aber eines ist wahr: An Berühmtheit wurde der Spitzahorn im Brentanopark übertroffen vom sogenannten Goethe-Ginkgo, und an Jahren. Nicht jedoch an Höhe. Also nicht überschattet.

Jetzt ist seine Zeit gekommen. „Aus Gründen der Verkehrssicherheit wurde bei einem Baumgutachten eine Fällung empfohlen“, teilt das Grünflächenamt mit. So liest sich das Todesurteil für ein Gehölz. Es trifft in diesem Fall Acer platanoides, Spitzahorn, im Baumkataster der Stadt Frankfurt mit der 142 nummeriert und auf das Pflanzjahr 1870 datiert.

„Die Messungen belegen eine weit ausgedehnte intensive Holzzersetzung im Stamm durch den Brandkrustenpilz – ein Pilz, der unmittelbar den Wurzel und Stamm befällt und im Endstadium eine Moderfäule verursacht.“ Standsicherheit nicht gewährleistet. Baum muss gefällt werden. Moderfäule. Mörderfäule.

Wer in Rödelheim verkehrt, kennt diesen Spitzahorn. Er steht unter Denkmalschutz, er prägt den Brentanopark im Duett mit dem Pavillon, den er wahrhaftig beschattet. Die Sammlung „Monumentale Bäume“ zeigt die beiden gemeinsam, den Baum und den Pavillon, einst Unterrichtsgebäude des damaligen Schulgartens, dann Tagungsort des Rödelheimer Geschichtsvereins. Fotografiert für die monumentale Internetseite von Rainer Lippert, der zudem die Höhe ermittelte: 23 Meter ergab seine Messung im Oktober 2013 nach der Methode „Laser mit Zwei-Punkt-Messung“.

Auch Henner Drescher wählte für sein Porträt das Gespann aus Baum und Haus aus – und würdigte es mit einem Foto in seinem Band „Bäume – Träume – Räume“ aus dem Jahr 2014. Im Pavillon, schrieb er dazu, habe er sein Buch vorstellen dürfen „und fand ein geneigtes Publikum, das am Ende applaudierte“.

So möge es auch dem Spitzahorn ergehen. 148 ehrliche Jahre mit graurissiger Borke, rotbraunen Knospen, „fünflappigen Blättern mit langbuchtig gezähnten Abschnitten, die Blüten grünlich-gelb in aufrechten Trugdolden vor dem Blattaustrieb im Erstfrühling“, wie Drescher dichtete. Während der entfernte Nachbar Goethe-Ginkgo, drüben am Petrihaus, weder so hoch, noch so alt, noch so literarisch ist, wie immer behauptet wird. Schein und Sein.

Eine Nachpflanzung ist geplant. Ob es wieder ein Ahorn wird? Unwahrscheinlich – der Klimawandel setzt ihm zu.

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