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Nach dem Bahnausbau auf vier Gleise entfällt der Berkersheimer Bahnübergang.

Kompromiss

Brücke muss endlich geplant werden

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Eine kleinere, einspurige Omegabrücke soll den Bahnübergang ersetzen. So soll der Durchgangsverkehr aus den Stadtteilen und dem Niddatal herausbleiben.

Dass es nicht vorangeht in der Frage, wie der heutige Bahnübergang am S-Bahn-Halt Berkersheim ersetzt wird, schob Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) gerne darauf, die betroffenen Ortsbeiräte für Harheim (Ortsbeirat 14) und Berkersheim (10) würden sich ja nicht auf eine Variante einigen. Lagen doch eine sogenannte Omegabrücke an der Berkersheimer Bahnstraße und eine Brücke nur für Landwirte, die östlich von Berkersheim in den Feldern endet, als Vorschläge vor. Auf Vorstoß seines Stadtteilparlaments sprach nun der Vorsteher des Ortsbezirks 10, Robert Lange, mit seinem Harheimer Kollegen, Frank Immel (beide CDU). Heraus kam eine Lösung, die sie nun ihren Ortsbeiräten vorschlagen werden.

Um Durchgangsverkehr durch das Niddateil zu verhindern, soll die von Lange und dem Ortsbeirat 10 mehrheitlich favorisierte Omegabrücke entstehen. Die Rampen zweigen von der Berkersheimer Bahnstraße nach Osten ab, die Brücke führt in einem 180-Grad-Bogen über die Gleise. Landwirte sollen sie mit schwerem Gerät nutzen können. Neu ist, dass sie nur einspurig wird. Ampeln sollen regeln, dass Autos stets nur in einer Richtung fahren dürfen.

„Unser Ortsbeirat ist sich einig, dass wir keinen Durchgangsverkehr bekommen wollen“, erklärt Immel die Situation in Harheim. Die Sorge sei, dass, wenn ein großes und teures Brückenbauwerk entstehe, irgendwann der Wunsch aufkomme, sie für den allgemeinen Verkehr freizugeben. „Dann könnte eine dauerhafte Verkehrsverbindung mitten durchs Niddatal entstehen.“ Das wolle aber niemand in beiden Stadtteilen.

Nötig wird der Brückenbau, weil der Bahnübergang beim schon begonnenen Ausbau der Bahntrasse von zwei auf vier Gleise entfällt: Laut DB Netz wäre er künftig fast immer geschlossen. Planfestgestellt ist an dieser Stelle eine neue Unterführung. Doch wegen des hohen Grundwasserspiegels explodierten die Kosten auf 30 Millionen Euro – zu teuer, erklärte die Bahn im Dezember 2014. Seitdem wird diskutiert, wie die Brücke aussehen soll. Denn der Vorschlag, als Alternative die Unterführung Am Wiesengarten – im Westen von Berkersheim – für Landwirte und Rettungskräfte zu vergrößern, scheiterte bereits 2004 im Planfeststellungsverfahren.

In der vergangenen Sitzung des Ortsbeirats 10 hatte Robert Lange den Kompromiss bereits kurz vorgestellt und von anderen Fraktion vorsichtige Zustimmung erfahren. Aber vor allem die SPD-Fraktion lehnt diese Lösung ab, so ihr Fraktionsvorsitzender Michael Bartram-Sitzius: Sie bevorzugt auch jetzt noch eine Brücke, die auf Berkersheimer Seite an einem Feldweg endet. Die sei kleiner und reiche den Landwirten, sagt Bartram-Sitzius. „Sie ist auch einfacher zu sperren, um wenn nötig Durchgangsverkehr zu verhindern.“

Eine Idee, die Lange ablehnt, denn ohne zusätzliche Fördermittel des Bundes könne Frankfurt den Bau der Brücke nicht finanzieren. Das setze aber eine öffentliche Nutzung voraus – etwa eine Buslinie, wie sie sich viele Nieder-Erlenbacher und Harheimer wünschen, die über die Brücke nach Preungesheim zur U 5 fährt. Die SPD hingegen ist sicher, ihre Brücke sei auch ohne Fördermittel bezahlbar. Da sie in den Feldern endet, könnten Linienbusse sie allerdings nicht nutzen.

Lange hat für die nächste Ortsbeiratssitzung einen Antrag entworfen, den er aber noch mit seiner Fraktion und Immel abstimmen muss. Im Tenor fordert er, der Magistrat solle eine einspurige Omegabrücke als „Vorzugsvariante“ planen, die Anwohner, Landwirte und Rettungskräfte sowie Radfahrer und Fußgänger nutzen können. Geeignete Maßnahmen sollen Durchgangsverkehr verhindern. Die Gleise des S-Bahn-Halts sollen über eine separate Brücke barrierefrei zugänglich sein.

Immel kritisiert unterdessen Verkehrsdezernent Oesterling: Seit 2014 habe er sich nicht um die Brückenplanung gekümmert, selbst an alte Brückenbauvorschläge sei der Ortsbeirat nur schwer gekommen. „Dabei wird die Zeit knapp. Um eine Brücke statt der Unterführung zu bauen, ist ein aufwendiges Planänderungsverfahren nötig. Längst ist klar, dass der Übergang geschlossen wird und wir anschließend mehrere Jahre lang ohne Querung auskommen müssen. Wir wollen, dass die Brücke endlich mit Priorität geplant wird.“

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