Traditionsgeschäft

Brunhilde Langhammer gibt nach 18 Jahren ihr Teehaus in der Hauptstraße auf

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Die Volljährigkeit schafft das Teehaus Trebur gerade noch so: Am 31. Januar 2019 wird es 18 Jahre alt, dann schließt es für immer seine Tür. Inhaberin Brunhilde Langhammer blickt auf eine schöne Zeit zurück.

Ein Geheimnis ist es schon fast nicht mehr, im Ort hat es sich bereits herumgesprochen. Kein Wunder eigentlich: „Das ,50 Prozent‘-Schild im Schaufenster macht die Leute schon stutzig“, erklärt Brunhilde Langhammer. Zum 31. Januar 2019 gibt die Inhaberin des Teehauses Trebur ihr Geschäft auf.

Damit erreicht der Laden an der Hauptstraße gerade so die Volljährigkeit. „Am 31. Januar 2001 haben wir damals eröffnet“, erinnert sich Langhammer. Im Leben vor dem Teehaus leitete die Maschinenbauerin ein Konstruktionsbüro, aber der Traum vom eigenen Laden sei immer präsent gewesen.

„Ich habe schon immer Tee getrunken. Früher war mir nur nie so bewusst gewesen, was für Qualitätsunterschiede es gibt“, erzählt sie. Dass sie in ihrem Teehaus mit hochwertigen Tees handeln will, sei nach einer Blindverkostung von sortengleichen Tees verschiedener Hersteller klar gewesen. Was man beim Geschmack gemerkt hat, wurde dann auch sichtbar: Die Qualität habe man direkt an den Teeblättern gesehen.

Ausgezahlt hat sich das in all den Jahren allemal. „Viele Kunden kommen von weiter her, einer nimmt sich sogar manchmal einen Tag Urlaub, um hier Tee zu holen“, erzählt Brunhilde Langhammer. Rund 800 Sorten hat sie vorrätig – lose wie abgepackte Tees, dazu noch Öle, Gewürze, Schokolade, Tee-Zubehör und Deko-Artikel.

Dass die Stammkunden wehmütig sind, hört die Einzelhändlerin deshalb im Geschäftsalltag oft. „Manche haben sogar Tränen in den Augen“, erzählt sie und seufzt.

Natürlich tue ihr das auch leid, aber es rentiere sich einfach nicht mehr. „Der Einzelhandel wird sterben. Da bin ich sicher“, sagt sie nachdrücklich. In Zeiten, in denen die Menschen ihren Gesamteinkauf im Großsupermarkt tätigten und den Fachhandel nur als letzte Möglichkeit aufsuchten, sei es schwierig, sich zu halten.

Einen Nachfolger zu finden, sei dementsprechend auch erfolglos gewesen. Dass man als Einzelhändler mit vielen Reglementierungen zu kämpfen hat, mache es nicht leichter. „Die laufenden Kosten, die Zeiten, und vor allem der Verwaltungsaufwand – der macht den Einzelhandel kaputt“, sagt sie kopfschüttelnd. Außerdem könne sie aufgrund der viel kleineren Kapazitäten nicht so große Mengen einkaufen wie die Supermärkte, die dann natürlich günstiger seien.

Trotz allem blickt sie auf eine erfolgreiche Zeit zurück. Zwei Mitarbeiterinnen hat sie ausgebildet, zu ihren Kunden hat sie ein gutes Verhältnis. „Es ist ein kommunikativer Job, man kennt sich – von einigen, die bei der Eröffnung hochschwanger waren, sehe ich die Kinder jetzt Auto fahren“, sagt Langhammer und schmunzelt.

Beratung ist – wie das bei guten Einzelhändlern sein sollte – ihre Stärke. Systematisch fragt sie sich durch die Vorlieben der Kunden; wenn Stammkunden den Laden betreten, zieht sie auch oft schon die passende Dose aus dem Regal. Einmal sei von ihrem persönlichen Lieblingstee nur noch wenig da gewesen, erzählt Langhammer. Eine Kundin, die den Rest kaufen wollte, habe aber von ihrer Vorliebe gewusst. „Jeder nimmt einfach die Hälfte!“, habe die Kundin vorgeschlagen, erzählt die Geschäftsfrau lächelnd.

Solche Erlebnisse seien toll. „Klar war es oft auch stressig, aber es hat vor allem Spaß gemacht.“ Mit der Ladenaufgabe habe sie sich schon seit einer Weile beschäftigt, deshalb sehe sie dem Termin zuversichtlich entgegen. „Ich bin jemand, der immer nach vorne guckt“, erzählt sie. „Außerdem habe ich tausend Ideen, was ich danach machen will!“, sagt Brunhilde Langhammer und strahlt.

In der „Meister-Eder-Werkstatt“ ihres Vaters will sie drechseln, mit Holz arbeiten. „Da freue ich mich jetzt schon drauf. Außerdem koche ich für mein Leben gern!“, verrät sie.

Und ein gutes Tässchen vom Lieblingstee, das ist sicher, gehört nach wie vor zu Brunhilde Langhammers Alltag dazu.

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