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Zwölf Mönche leben in der Pagode in der Hanauer Landstraße. Buddha ist hier allgegenwärtig.

Mönche sammeln

Buddhisten aus Vietnam helfen Kindern in ihrer Heimat

In der Hanauer Landstraße leben zwölf vietnamesische Mönche über der Pagode Phat Hue. Für ihren Verein „Chance to Grow“ haben sie vegetarisch gekocht, um behinderten Kindern in ihrer Heimat Rollstühle kaufen zu können.

Auf einem langen Tisch unter roten Lampions und zwischen kleinen und großen Buddha-Figuren dampft es aus großen Töpfen und riesigen Schalen. Reis und Tofu, buntes Gemüse, gold-frittierte Gemüseplättchen, Frühlingsrollen und gebratene Nudeln stehen dicht an dicht, während in Gelb gekleidete kahlköpfige buddhistische Mönche die Speisen segnen. Es heißt „Dankesessen“.

Rund 70 Besucher beobachten das Zeremoniell fasziniert. Die Gerichte haben Mönche gekocht und möchten für den gemeinnützigen Verein „Chance to Grow“ Spenden sammeln, um behinderten Kindern in Vietnam Rollstühle kaufen zu können. Viele leiden noch unter den Spätfolgen von Agent-Orange-Chemiebomben-Angriffen im Vietnamkrieg.

Die Pagode Phat Hue wirkt von außen wie ein asiatisches Restaurant. Riesige asiatische Löwenfiguren aus Stein bewachen den kleinen geschwungenen Eingang. „Nein, es ist kein Restaurant“, sagt Philipp Schwab (32), Zen-Schüler und Vorsitzender von Chance to Grow. „Hier leben zwölf Mönche, stehen um 5 Uhr morgens auf, beten, kochen vegetarisch, geben Kurse und beliefern einige Restaurants in Frankfurt.“ Im Rhein-Main-Gebiet sind etwa

4000 Vietnamesen

zu Hause. Laut Schwab sind „die größte asiatische Gemeinde in Deutschland Vietnamesen“. Er selbst ist Christ und arbeitet als Investmentbanker. „Buddhismus und Christentum schließen sich nicht aus. Auch zwei Muslime kommen hierher, um Sinn und eigene Fähigkeiten zu suchen.“

An Wänden und Regalen stehen kleine Jade-Buddhas und Zeichen für das Chinesische Jahr des Hundes. Es riecht nach Weihrauch, Stimmen murmeln. Ein großer Raum ausgelegt mit rotem Teppich, gesegneten Fahnen und roten Lampions, die von der Decke hängen und auf einem hohen Deckensims lauter kleine Buddhas rund um den Raum, lassen den Blick frei auf Menschen in grauen, braunen und gelben Roben, die auf dem Boden an kleinen Holztischchen sitzen und in Richtung riesiger goldener Buddhafiguren blicken.

Asiaten und Deutsche verfolgen das Geschehen. Sianh Nguyen (30) ist seit acht Jahren in Deutschland. Er hat Sozialarbeit studiert und arbeitet als Projektkoordinator für das Deutsche Rote Kreuz (DRK). „Die Gemeinschaft kommt jeden Sonntag hier für die Zeremonie zusammen. Das hat viel mit Integration zu tun. Es gibt Flüchtlinge aus Vietnam, die hier schon 20 bis 30 Jahre leben. Auch frühere Gastarbeiter. Wir sind gut integriert.“ Thay (52) ist seit 19 Jahren Zen-Meister. „15 Jahre Schulung und Prüfungen gehören dazu. Dafür war ich in Vietnam, Indien, Sri-Lanka, Thailand und Taiwan. Der Zuspruch zu buddhistischen Lehren ist groß. Auch in Frankfurt. Es gibt viele suchende Menschen, die sich selbst hinterfragen und wissen wollen, wohin die geistige Reise geht. Es geht um Selbsterfahrung. Buddha sagt, ’Du bist für Dich selbst verantwortlich’. So gibt es Entwicklungsmöglichkeiten. Das hat nichts mit Glauben zu tun oder einer Sekte. Es gibt nur Hinweise für Lösungsmöglichkeiten, umsetzen muss das jeder selbst.“

Thay wird im Oktober nach Vietnam reisen und von den Spendengeldern Rollstühle kaufen. Ein Rollstuhl kostet dort 100 Euro. „Das gibt den Kindern, die nicht laufen können, ein Stück Freiheit zurück. Das Grundproblem können wir nicht rückgängig machen. Aber wir können die Not lindern.“

Neben den Speisen des Dankes-essens liegen kleine Stoffbeutel voller Jasmin- und Naturreis als Pyramide aufgebaut. Gesegnet und nummeriert. „Von diesen 250 Gramm können zwei Kinder einen Tag lang essen“, sagt Schwab. „Das Dankesessen ist für alle, die den Kindern helfen. Und als Dank dafür, dass wir zu essen haben.“ Schwab weiter: „Jeden Tag wird von den Mönchen mittags und abends in der Pagode gekocht. „Gegen eine kleine Spende kann jeder, der will, mitessen. Wer nichts hat, wird von uns auch nicht mit leerem Bauch weggeschickt.“

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