Unglaubliches Glücksgefühl

Christoph Oldenburg erfüllt sich beim Ironman auf Hawaii seinen Traum

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Die Brille wurde ihm beim Start aus dem Gesicht geschlagen, der Schwimmanzug scheuerte seine Haut wund, der Lauf in sengender Sonne erwies sich als brutale Strapaze. Doch selbst solche Widrigkeiten konnten den Egelsbacher Christoph Oldenburg nicht von der Ziellinie des 40. Ironman auf Hawaii trennen. Und auch die Dreieichenhainerin Anna Wächtershäuser hat das härteste Rennen der Welt gemeistert.

Das Wichtigste zuerst: Waldseehai Christoph Oldenburg war auf der Schwimmstrecke beim Ironman der einzige Hai im Wasser. Zumindest begegnete er keinem der gefürchteten Meeresräuber – „glücklicherweise – dafür sah ich Delfine beim Training“, berichtet der Egelsbacher. Er hat jetzt besonders gut Lachen: Sein Traum, das härteste Rennen der Welt zu bestehen, erfüllte sich am Wochenende. Auch mit seiner Zeit von 12:52:31 Stunden kann er prima leben, denn anzukommen war sein Ziel. Beim abschließenden Lauf in sengender Sonne schwächelte er zwar leicht. Dafür gelang ihm mit 1:17 Stunden beim Schwimmen eine passable Zeit. Und auf der 180 Kilometer langen Radstrecke fuhr er mit 5:21 Stunden persönlichen Rekord.

„Hawaii war der Hammer“, fasst Oldenburg sein Abenteuer zusammen, immer noch vom Zieleinlauf, der „unglaublich professionellen Organisation“ und der großen Pastaparty mit hawaiianischer Folklore schwärmend. Dabei waren in den Tagen vor dem großen Rennen seine Nervosität, Angst und Zweifel extrem gestiegen, wie er verrät: „Beim Frühstück am frühen Morgen bekam ich vor Aufregung keinen Bissen herunter“. Auch, weil dem 54-jährigen IT-Techniker, der sich über das Hintertürchen des „Kona Legacy Program“ einen begehrten Startplatz gesichert hatte, bewusst war, „dass die Chance, an so einem Rennen teilzunehmen, so schnell nicht wiederkommt.“

Zur Übelkeit gesellte sich noch mehr Pech: Erst vergaß Oldenburg seine Badekappe im Hotel und musste sich eine neue organisieren. Kurz nach dem Startschuss mit 2000 anderen Athleten in der Bucht von Kailua-Kona „bekam ich einen Schlag ab, der mir die Schwimmbrille von der Nase kickte.“ Eine heikle Situation für den Kontaktlinsenträger. Dann wurde jeder Armzug im Pazifik zur Qual, denn sein Schwimmanzug „scheuerte total unter den Achseln“.

Dennoch erreichte er mit achtbarer Zeit die Wechselzone – die anschließende Radfahr-Disziplin geriet ihm zum persönlichen Triumph. Beim Training hatten ihm die vielen kleinen Lavasteine auf der Strecke noch Sorgen gemacht, doch zum Renntag zeigte sich der Parcours perfekt aufgeräumt. Ein Zuckerschlecken war es bei 33 Grad, hoher Luftfeuchtigkeit und gnadenlos brennender Sonne dennoch nicht. Auf dem Highway über den berüchtigten Queen Ka’ahumanu Highway in Richtung Hawi sah Oldenburg links und rechts mit Pannen liegengebliebene Sportler und freute sich über kurzzeitige Abkühlung dank eines Regenschauers auf der Rückfahrt der Radstrecke.

Beim abschließenden Laufen war Oldenburgs Euphorie indes rasch verflogen. Denn schon nach wenigen Kilometern musste er die erste Gehpause einlegen und dachte sich: „Gut, dass Du so schnell Rad gefahren bist. Finishen kannst Du auf jeden Fall.“ Immerhin: Am Ende hatte er in seiner Altersklasse noch 40 andere Athleten hinter sich gelassen, die sich im Gegensatz zu ihm über Rennen qualifiziert hatten. Den Zieleinlauf genoss Oldenburg denn auch mit allen Sinnen: „Jeder will Dich abklatschen, der Sprecher begrüßte mich persönlich, wir alle bekamen Muschelketten umgehängt,“ erzählt er und schwärmt „Das war ein unglaubliches Glücksgefühl“. Nun, gesteht er, sei er angefixt – und träumt bereits vom nächsten Ironman auf der Insel.

Eine gelungene Premiere feierte auch die Dreieichenhainerin Anna Wächtershäuser mit einer starken Zeit von 11:02:27 Stunden. Trotz Krämpfen nach nur fünf Kilometern auf der Laufstrecke, „an Stellen, von denen ich gar nicht wusste, dass ich dort Muskeln habe“, wie sie augenzwinkernd berichtet, machte die 39-Jährige ihren Traum wahr. Sie hatte sich für ihren Sport eigens eine berufliche Auszeit genommen und bilanziert: „Das war wirklich eine harte Nummer. Ich glaube, ich war noch nie so aufgeregt.“ Wer denkt, Wächtershäuser legt jetzt für längere Zeit erstmal die Beine hoch, liegt falsch: Nach einem Kurzurlaub auf den hawaiianischen Inseln reist sie weiter nach Mexiko – um dort in Cozumel beim nächsten Ironman zu starten.

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