Nachwuchs-Jurorin

Für Constanze (12) gab es jeden Morgen Kino statt Schule

Das „Internationale Festival für junge Filmfans“ wird unter anderem von der Stadt Eschborn gefördert. Bei der Preisverleihung sprach eine Kleist-Schülerin ein gehöriges Wörtchen mit!

Im prall gefüllten Regal hinter ihr reihen sich DVDs mit Kinofilmen aneinander. Eine Zeichentrick-Version von „Robin Hood“ steht in der Nachbarschaft von „The Greatest Showman“ mit Hugh Jackman. Auch die Frontseite von „Arielle, die Meerjungfrau“, ebenfalls ein Zeichentrickfilm, sticht hervor.

Vor dem Regal sitzt Constanze Groß, eine Jugendliche mit langem blonden Haar, und lächelt. Wenn der Eindruck, der sich im Wohnzimmer aufdrängt, nicht täuscht, ist die Zwölfjährige eine eingefleischte Cineastin. Er stimmt!

Die Siebtklässlerin der Heinrich-von-Kleist-Schule liebt Disney-Filme wie Arielle oder Cinderella, aber auch die Kult-Reihe „Star Wars“ und Liebesfilme. Generell mag sie Werke, in denen gesungen wird; nicht zuletzt ihr aktueller Favorit „The Greatest Showman“. Dass Constanze sich auch gerne mit den Film-Inhalten auseinandersetzt, wusste auch ihr Englischlehrer, Schulleiter Adnan Shaikh. Er schlug seiner Schülerin vor, sich als Film-Jurorin zu bewerben.

Shaikh ist das „Lucas – Internationale Festival für junge Filmfans“ in Frankfurt, Wiesbaden und Offenbach bekannt. Es endet stets mit der Preisverleihung, auf die auch junge Kinogänger Einfluss haben. Constanze war eine von sechs neuen Jury-Mitgliedern zwischen 10 und 17, die über eine Woche hinweg morgens Filme anschauten und bewerteten.

Gleich der erste Beitrag gefiel Constanze aber nicht: „Der wurde von uns allen nicht so gut bewertet, denn es gab ständig Zeitsprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit, und da ist man kaum in den Film reingekommen.“ Eher schlecht schnitt auch ein Werk ab, das erst durch ein nachträgliches Gespräch mit der Regisseurin verständlich wurde.

Nach jedem Film besprachen sich die Juroren. „Wir haben die Schulnoten 1 bis 6 vergeben, außerdem konnten wir mit einem ausgemalten Herz signalisieren, dass wir uns den Film noch mal ansehen oder weiterempfehlen würden“, erzählt die Tochter einer Harfenistin.

Extrem positive Eindrücke hinterließ der spätere Siegerfilm aus Dänemark („Ich bin William“, 2017), der fast durchweg die Bestnote erzielte, obwohl es um Aspekte wie Einsamkeit, Außenseitertum, Mobbing sowie psychische Krankheit geht. „Diese eigentlich harten Themen werden hier aber in eine ziemlich witzige Geschichte gepackt, daher fanden wir den alle ziemlich cool“, erzählt Constanze. „Sowieso mochte ich den; gerade weil es um – bei einem Kinderfilm – relativ untypische Dinge ging.“

Auch zwei Filme, die sich um Krankheit und Tod drehten, verursachten keine Albträume: „Die waren ja gut gemacht, und da wir immer ausführliche Nachbesprechungen hatten, sind keine belastenden Eindrücke hängengeblieben.“

Constanze behält die Festivalwoche in guter Erinnerung, auch wenn sie jetzt in den Ferien den versäumten Schulstoff nachholen muss: „Alle waren super nett, und es hat gemeinsam sehr viel Spaß gemacht. Das war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung und eigentlich Belohnung genug.“ Denn außer einem Jury-T-Shirt und einem Rucksack hat sie nichts dafür bekommen. Immerhin nimmt sie nun auch die Überlegung mit, beruflich vielleicht mal in Richtung Schauspielerei zu gehen. Wie war das Bewerbungsverfahren für die Jury? „Ich musste unter anderem eine Kritik über einen beliebigen Film schreiben“, schildert die Zwölfjährige, „dann wurden 25 Schüler zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, in dem wir über den Siegerfilm von 2017 diskutierten.“ Ihr glückte schließlich der Sprung in jene Jury, die 8 Lang- und 11 Kurzfilme in der Altersgruppe „8 Jahre +“ bewerten sollte. Das Gremium bestand aus jeweils drei in der Filmbranche tätigen Erwachsenen und drei Jugendlichen. „Lucas“ präsentierte beim gerade abgelaufenen Festival, der 41. Ausgabe, mehr als 60 Filme aus 32 Ländern.

(skr)

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