Bergbauarbeiten

Cramberger Tunnel wird vergrößert

Vier Jahre dauern die Bergbauarbeiten in und am Cramberger Tunnel: Die Bahn lässt die Röhre zwischen den denkmalgeschützten Portalen vergrößern. Tonnen von Abraum müssen über die Straße abtransportiert werden.

Der Cramberger Tunnel ist mit einer Länge von 732 Metern der längste von den insgesamt 18 Tunnelbauwerken der Lahntalbahn zwischen Nassau und Weilburg. 1862 in Betrieb genommen, ist er in die Jahre gekommen. Eine einfache Sanierung reicht nach Angaben der Deutschen Bahn AG nicht mehr, ganz abgesehen von den aktuellen Vorschriften zu Tunnelquerschnitt, Gleisabstand und Sicherheitseinrichtungen.

Der Tunnelquerschnitt wird vergrößert, um den Abstand zwischen den Gleisen zu vergrößern.

Die Bahn lässt dazu eine Art Röhre (ein „Tunnelvortriebportal“) in den Tunnel schieben. Die Züge können eingleisig weiter fahren, während rechts, links und über ihnen die Bergarbeiter am Felsen „nagen“.

Um den Zugverkehr auf der Lahntalbahn nicht mehr als unbedingt notwendig einzuschränken, soll der eingleisige Abschnitt möglichst kurz gehalten werden, so dass sich die entgegenkommenden Züge weiter stündlich in Balduinstein „kreuzen“ können, wie die Bahner sagen.

Unter Berücksichtigung der sehr beengten Lage im Lahntal sowie der Schutzgebiete stehen nur begrenzte Flächen für die Baustelleneinrichtung und Baulogistik zur Verfügung. Das Ostportal kann über eine Baustraße erreicht werden, das Südportal unterhalb des Gabelsteins nur fußläufig vom angrenzenden Wasserkraftwerk aus. Die Arbeiten können daher ausschließlich von der Balduinsteiner Seite aus erfolgen.

Rettungsplatz und Zufahrt entstehen im Endzustand auf den Flächen der vorherigen Baustelleneinrichtung. Die schwergängigen Drehkreuze am Überweg werden durch Drängelgitter ersetzt, ein zusätzlicher Bahnübergang steht nur Rettungskräften zur Verfügung.

Rund 94 000 Tonnen Felsausbruch und 27 000 Tonnen Bauschutt müssen abtransportiert werden. Die Planungen der DB sehen den Abbruch der unter Denkmalschutz stehenden Portalbauwerke und einen „in der Anmutung vergleichbaren“ Neubau vor. Daher kämen noch die Entsorgungsmassen aus den Portalbauwerken, Erdmassen aus der offenen Bauweise und der Baustelleneinrichtung hinzu.

Pro Tag fallen nach den Planungen der DB bei einer Vortriebsgeschwindigkeit von ca. drei Metern etwa 2000 m³ gelöstes Material an – das entspricht etwa 20 Lkw-Fuhren. Der Abtransport soll kontinuierlich über die Cramberger Straße erfolgen. Für den nötigen Wendekreis muss der Hang abgegraben werden. Da das gesamte Material vor einer Deponierung beprobt werden muss, erfolgt eine Zwischenlagerung auf Bereitstellungsflächen außerhalb der Baustelle.

Die eigentlichen Arbeiten im Tunnel sollen von November 2021 bis Juli 2022 laufen.

Die Eisenbahner waren übrigens nicht die ersten Tunnelbauer. Beim Tunnelbohren vor 160 Jahren durchschnitten sie im südlichen Abschnitt immer wieder Bergwerksstollen und Kammern. Sie sollen nun im einem Radius von zehn Metern um die neue Bahn-Röhre mit Magerbeton verfüllt werden. In Kürze 2018 will DB Netz die Genehmigungsplanung für das Projekt „Erneuerung und Änderung Cramberger Tunnel“ beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) einreichen. Über das EBA werden die Träger öffentlicher Belange am Projekt beteiligt. Für die Genehmigung wurden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, wie der Landschaftspflegerische Begleitplan (LBP), eine FFH-Verträglichkeitsprüfung, die Umweltverträglichkeitsprüfungen und Fachbeiträge zum Artenschutz. Darüber hinaus gab es bereits einen ersten Termin mit Spezialisten für die Fledermauspopulation im Rhein-Lahn-Kreis, da ein Teil der alten Stollen von verschiedenen Fledermausarten als Quartier genutzt werden. Dabei spielen die bei der Tunneldurchfahrt von den Zügen erzeugten Druckwellen eine wichtige Rolle für die Belüftung dieser bislang mit dem Tunnel in Verbindung stehenden Stollen.

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