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Merck will Versum um jeden Preis.

Bestätigt

Feindliche Übernahme: Merck zahlt 6,5 Milliaren Euro für Halbleiterzulieferer Versum

Nach Wochen des Tauziehens übernimmt Merck den Halbleiterzulieferer Versum. Das Darmstädter Unternehmen zahlt 6,5 Milliarden Euro für den US-Konzern. 

Update, 12. April, 15.29 Uhr:Der Pharma- und Chemiekonzern Merck ist bei der geplanten Übernahme des US-Halbleiterzulieferers Versum am Ziel. Das Management der beiden Konzerne habe sich auf die Übernahme für 53 Dollar je Versum-Aktie geeinigt und einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet, teilte Merck am Freitag in Darmstadt mit.

Der Dax-Konzern zahlt damit nach Wochen des Tauziehens rund 6,5 Milliarden Dollar für den Hersteller von Spezialgasen und -chemikalien mit Sitz in Tempe (Arizona). Der Deal soll laut Merck in der zweiten Jahreshälfte in trockenen Tüchern sein und die Profitabilität unmittelbar steigern. Bis zum dritten vollen Jahr nach Abschluss des Deals würden 75 Millionen Dollar an jährlichen Einsparungen erwartet.

Merck hatte sich vergangene Woche im Bieterrennen um Versum durchgesetzt. Nachdem die Darmstädter ihre Offerte um 545 Millionen Dollar aufgestockt hatten, lenkten die Amerikaner ein und gaben den Deutschen den Vorzug vor dem konkurrierenden Angebot des US-Konzerns Entegris. Dieser verzichtete seinerseits auf ein Nachlegen. Merck will sein Spezialchemie-Geschäft mit der Übernahme stärker auf die Halbleiterindustrie ausrichten.

Update, 8. April, 13.22 Uhr: Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck legt im Tauziehen um den US-Halbleiterzulieferer Versum nach. Der Dax-Konzern habe sein Angebot von zunächst 48 Dollar je Aktie auf nun 53 Dollar je Papier erhöht, teilte Versum am Montag in Tempe (Arizona) mit. Die Chancen auf eine erfolgreiche Milliarden-Übernahme der Deutschen steigen: Nach Gesprächen mit Rechtsberatern habe die Versum-Führung entschieden, dass die Merck-Offerte dem konkurrierenden Angebot des US-Spezialchemiekonzerns Entegris überlegen sei, hieß es weiter.

Die Versum-Spitze wolle nun den mit Entegris ausgehandelten Fusionsvertrag kündigen und sich zu einer Übernahme durch Merck verpflichten. Entegris bekommt aber noch die Chance, seinerseits nachzubessern. Die Frist für mögliche Änderungen am bisherigen Angebot ende für Entegris am 11. April, hieß es von Versum. Sollte Versum die Vereinbarung mit dem Spezialchemiekonzern beenden, würde den Angaben zufolge eine Gebühr von 140 Millionen Dollar fällig.

Versum hatte sich im Januar mit Entegris auf eine Übernahme in einem Aktiendeal geeinigt und zunächst das Angebot von Merck abgelehnt. Der Dax-Konzern hatte sich daraufhin zu einem feindlichen Übernahmeversuch entschlossen und die Versum-Aktionäre zur Ablehnung der Entegris-Offerte aufgerufen. Zuletzt hatte das Versum-Management eingelenkt. Merck bestätigte die Aufstockung der Offerte, war aber für eine weitere Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Mega-Angebot von Merck ist Versum zu niedrig

Update, 29. März, 15:10 Uhr: Die Amerikaner teilten am Freitag in Tempe (Arizona) mit, Gespräche mit dem Dax-Konzern aufnehmen zu wollen. Die Offerte des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns von 48 Dollar je Aktie in bar wies Versum aber erneut zurück. "Das Angebot ist nicht im besten Interesse von Versum oder seinen Aktionären", hieß es.

Merck hatte am Dienstag offiziell 6 Milliarden Dollar (5,3 Milliarden Euro) für Versum auf den Tisch gelegt und damit Ernst gemacht mit seinen Plänen für eine feindliche Übernahme. Finanzierungszusagen für den Deal mit Banken lägen schon vor. Das Management der Amerikaner hatte sich allerdings schon im Januar mit dem US-Konzern Entegris auf eine rund vier Milliarden Dollar schwere Übernahme geeinigt und deshalb zunächst die Avancen aus Deutschland abgeblockt.

Versum: ersten Kontakt zwischen Merck und Versum

Versum empfahl nun seinen Aktionären, ihre Papiere Merck nicht anzudienen. Auch bleibe es bei der Empfehlung an die Investoren, dem Entegris-Deal zuzustimmen. Die Versum-Anteilseigner sollen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 26. April über den Zusammenschluss mit dem US-Spezialchemiekonzern abstimmen.

Zugleich gab Versum bekannt, dass das Management und seine Berater beauftragt wurden, weitere Gespräche mit Merck zu führen. Dabei sollen Merck auch nicht-öffentliche Informationen zur Verfügung gestellt werden. Die Prüfung der Bücher ist ein üblicher Schritt in Übernahmeverhandlungen. Einen ersten Kontakt zwischen den beiden Unternehmen hat es laut der Angaben schon gegeben.

Versum vollzieht Wende im Bieterringen

Mit dem Schritt vollzieht Versum eine Wende im Bieterringen. Bislang hatten die Amerikaner Gespräche mit Merck abgelehnt, was die Deutschen zum Angebot gegen den Willen des Versum-Managements veranlasste. "Wir begrüßen die Ankündigung von Versum, mit uns in Gespräche zu treten", erklärte Merck am Freitag.

Die Darmstädter wollen mit der Versum-Übernahme ihr schwächelndes Geschäft mit Spezialchemie stärken und mehr auf die Elektronik-Industrie ausrichten. Versum hat 2300 Mitarbeiter und stellt Spezialgase und -chemikalien für Halbleiter her.

Aussicht auf teureren Deal drückt Merck-Aktien

Nun dürfte der Poker um den Übernahmepreis beginnen. Die Aussicht auf einen womöglich teureren Deal drückte Merck-Aktien am Freitag leicht auf 101 Euro. Investoren setzen schon auf einen Nachschlag beim Angebot: Versum-Papiere stiegen leicht auf 50 Dollar und notierten damit über dem Kaufangebot von Merck von 48 Dollar.

Merck hofft auf die Unterstützung der Versum-Aktionäre. Der Konzern hat die Investoren der Amerikaner aufgefordert, gegen den Deal mit Entegris zu stimmen. Ein Statement dazu hat Merck bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Chef Stefan Oschmann hatte sich auf der Bilanzvorlage Anfang März entschlossen für die Übernahme gezeigt und von positiven Reaktionen am Kapitalmarkt gesprochen.

Die Deutschen setzen darauf, dass die Versum-Aktionäre dem Bar-Angebot aus Darmstadt nicht widerstehen können und Unwägbarkeiten bei dem Deal mit Entegris vorziehen. Dabei ist ein Zusammenschluss "unter Gleichen" in Aktien vorgesehen. Das Angebot von Merck sei klar überlegen, schrieb der Dax-Konzern in einem offenen Brief an die Versum-Aktionäre: "Sagen Sie dem Versum-Vorstand, dass er seine Arbeit machen und ihre Interesse an erster Stelle setzen soll."

Feindliche Übernahme: Merck legt Milliarden-Angebot für Versum vor

Erstmeldung vom 26. März: Darmstadt - Der Pharma- und Chemiekonzern Merck macht Ernst mit seinen Plänen für eine Übernahme des US-Konzerns Versum. Die Darmstädter haben nun offiziell ein feindliches Kauf-Angebot für den Halbleiterzulieferer vorgelegt. Mit 48 Dollar je Versum-Aktie in bar entspreche die Offerte einem Unternehmenswert von sechs Milliarden Dollar (rund 5,3 Milliarden Euro), teilte Merck am Dienstag mit. Das Angebot laufe bis 7. Juni und könne verlängert werden.

Mit dem Schritt steigt Merck endgültig in das Bieterrennen um Versum ein. Die Darmstädter grätschen mitten in einen schon vereinbarten Zusammenschluss: Das Versum-Management hatte sich schon im Januar mit dem US-Spezialchemiekonzern Entegris auf eine rund vier Milliarden Dollar schwere Übernahme geeinigt. Das spätere Kaufangebot von Merck hatte Versum zunächst abgewiesen.

Merck stellt sich gegen Willen des Versum-Managements

Die Deutschen lassen aber nicht locker und schrecken auch vor einer feindlichen Übernahme gegen den Willen des Versum-Managements nicht zurück. "Wir sind fest entschlossen, die Übernahme von Versum abzuschließen", erklärte Merck abermals. "Das nun vorliegende Übernahmeangebot ist ein eindeutiger Schritt in diese Richtung."

Der Konzern forderte die Versum-Aktionäre erneut dazu auf, gegen den Zusammenschluss mit Entegris zu stimmen. Ein endgültiges Statement dazu sei bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht worden. Zum Kauf von Versum stehe Merck in den Startlöchern: Finanzierungszusagen für die Übernahme von Versum habe Merck bereits von Geldhäusern eingeholt, darunter die Deutsche Bank.

Merck-Offerte entspricht Aufschlag von fast 52 Prozent

Gemessen am letzten Versum-Aktienkurs vor Bekanntwerden der Pläne mit Entegris entspreche die Merck-Offerte einem Aufschlag von fast 52 Prozent, betonte der Dax-Konzern abermals. Dabei hofft Merck weiter auf die Unterstützung durch die Versum-Aktionäre, die auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 26. April den Zusammenschluss mit Entegris von den Investoren absegnen sollen.

Merck will mit der Versum-Übernahme das schwächelnde Geschäft mit Spezialchemie stärken und mehr auf die Elektronik-Industrie ausrichten. Allerdings hat Versum einer eventuellen Übernahme durch die Deutschen bereits vor einigen Wochen Steine in den Weg gelegt.

Übernahme soll erschwert werden

Das Management hatte hierfür einen Aktienoptionsplan auf den Weg gebracht. Dieser tritt in Kraft, wenn ein Käufer die Schwelle von 12,5 Prozent aller Aktien überschreitet. In diesem Fall dürfen alle anderen Aktionäre außer dem Käufer neu ausgegebene Versum-Papiere zum halben Marktwert erwerben. Der Plan soll damit eine Übernahme erschweren, da der Aktienanteil des Käufers auf diese Weise sinkt. (dpa)

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