+
Auch wenn Eva Jacobs keinen echten tierischen Begleiter hat, verzichtet sie nicht auf das einstige Markenzeichen der Jacobs Sisters: einen weißen Pudel.

Stadtgeflüster

Diese Sister steckt voller Energie

  • schließen

Sie ist voll bei der Sache. Lebt richtig auf in der Menge. Sie strahlt und ist glücklich. Beim jüngsten Christopher-Street-Day (CSD) in Frankfurt war sie mit von

Sie ist voll bei der Sache. Lebt richtig auf in der Menge. Sie strahlt und ist glücklich. Beim jüngsten Christopher-Street-Day (CSD) in Frankfurt war sie mit von der Partie. Sprang auch für die erkrankte Ingrid Steeger am Tag nach dem CSD-Umzug ein. „Ich brauche meine Fans“, sagt Eva Jacob . Und davon hatten sie und ihre drei Schwestern Hannelore, Rosemarie und Johanna weiß Gott genug.

Doch das ist lange her. In den 60ern erlebten die kleinen Jacob-Schwestern ihre große Zeit. Als „Jacob Sisters“ jetteten sie durch die Welt. Sie trafen die wichtigsten Männer und Frauen aus Gesellschaft, Politik und dem Show-Geschäft. Eva Jacob zeigt einige Bilder. Auf ihnen sind ihre Schwestern und sie mit Schauspieler und Frank-Sinatra-Kumpel Sami Davis Jr., dem Jazz-Trompeter Louis „Satchmo“ Armstrong, dem Magier-Duo Siegfried und Roy oder dem Showmaster Thomas Gottschalk zu sehen. Unvergessen bleibt der „Gartenzwerg-Marsch“ des weiblichen Gesangsquartetts. Doch das ist alles lange, lange her. Hannelore starb vor ziemlich genau zehn Jahren und vor ungefähr drei Jahren folgte ihr Johanna. Außer Eva lebt noch Rosi. „Ich träume viel von ihnen“, sagt Eva Jacob und meint ihre beiden toten Schwestern.

Doch sie steckt voller Energie. Obwohl – oder gerade weil – sie vor Kurzem ihr 75. Wiegenfest feierte. Allerdings ohne viel Rambazamba. Leise. „Die Kinder wollten mich für sich alleine haben“, sagt sie. Zwei hat sie. Und wieder dauert es nicht lange, da holt sie ein Hochzeitsbild hervor. „Das bin ich mit meinem Mann. Aber er ist leider schon lange tot. Nur 32 Jahre ist er alt geworden.“ Der Tod spielt eine wichtige Rolle in ihrem Leben. So scheint’s. Geheiratet habe sie danach nicht mehr. „Ich hatte reihenweise Anfragen“, sagt sie.

Der Richtige aber, der wollte einfach nicht kommen. „Die Kinder gingen immer vor.“ Auch deshalb war sie ganz glücklich über diese ruhigere Geburtstagssause. Nicht so wie bei ihrem runden Geburtstag. An ihrem 70. ließ sie es in Sachsenhausen so richtig krachen. Im Restaurant Hooters, mit vielen Gästen, Tanz und Ständchen.

Aber, nur weil sie leiser feiert, bedeutet das nicht, dass sie ruhiger geworden ist. Steckt noch voller Tatendrang. Wie um das zu unterstreichen zeigt sie eine handbeschriebene CD. „Es ist mein neuer Song“, sagt sie. Und der Titel spricht Bände „Ich möcht’ noch einmal nach New York“. In dieser Metropole habe sie die schönste Zeit ihres Lebens verbracht, sagt sie. Und auch in Paris. Auch in den vergangenen Jahren war sie noch sehr aktiv. So trat sie bei der „Comedy Goes X-Mas“-Show in der Jahrhunderthalle auf und war Dschungelcamperin – um nur einiges zu nennen. Im Jahr 2011 nahm sie an der fünften Staffel der RTL-Show „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ teil.

Gewonnen hat sie nicht. Dschungelkönig wurde damals Peer Kusmagk . Aber immerhin hatte sie ihre Zeit mit „Größen“ wie Playmate Gitta Sax , Schauspielerin, Sängerin, dem ehemaligen Mitglied der Band „Bro’Sis“, Indira Weis , Schauspieler Mathieu Carrière und dem Schriftsteller und Mitglied der Kommune eins, Rainer Langhans . Sie schaut zufrieden auf diese Wochen zurück. „Das Camp damals hat mir gut getan. Ich habe gelernt, mich durchzusetzen und selbstbewusster zu werden.“ Auf die Lage heute angesprochen sagt sie: „Mir geht’s gut.“ Aber sie vermisst etwas. „Ich brauche meine Fans“, wiederholt sie. Dann holt sie einen Brief und Fotos hervor. Es ist ein Fanbrief. Von einem 15-Jährigen, der sich auf die Spuren der „Jacob Sisters“ begeben hat. Er war in ihrer sächsischen Heimat. Hat sich vor allen Orten und Häusern ablichten lassen, die wichtig für das Mädchen-Quartett waren. Er schreibt Eva Jacob in Schönschrift mit blauer Tinte, wie wichtig ihm ihre Musik sei. Dass es heute solche Menschen wie sie nur noch selten gäbe. „Das ist doch so rührend“, freut sich Eva Jacob.

Sie lebt viel von ihren Erinnerungen. Aber Stillstand.... Nein, das sei nichts für sie. „Ich bin nicht mehr so viel unterwegs wie früher. Bin reifer, aber nicht älter geworden“, stellt sie ernst fest. „Ich brauche Action. Einfach, um fit zu bleiben.“ Und sie tut viel. Nicht nur reisen und auftreten. Sondern sie kocht. Sie sammelt Puppen. Sie liebt Pflanzen. Ihre Lieblingsblumen sind Orchideen.

Und doch fehlt ihr noch etwas. Ihr Pudel. Jede der vier hatte einen. Einen weißen. Sie waren so etwas wie ihr „Markenzeichen“. „Wir sind doch mit Tieren groß geworden“, erinnert sich Eva Jacob. „Wir hatten Katzen, Hunde, sogar ein Schwein.“ Doch nachdem der letzte Pudel an Krebs starb, wollte sie keinen mehr. Nur einen aus Stoff hat sie noch. Der kann nicht sterben.

(es)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare