Karriere

Dieses Seminar fördert begabte multi-ehtnische Schüler

Nicht nur die Pubertät, auch die anstehende Berufswahl beschäftigt junge Leute ab 15 Jahren. Eine Stiftung des Bundes hilft ihnen dabei. Das Seminar zeigt, dass die kommende Generation deutscher Leistungsträger hellwach, motiviert und multiethnisch ist.

Junge Leute wuseln seit dem vorigen Samstag durch das große Tagungshaus neben der Ilbenstädter Basilika. Die hohen Räume hallen wider vom Getrappel in den Fluren, von lebhaften Gesprächen in den Pausen zwischen Rhetorik-Kurs, Lerntechnik-Workshop und Kamingespräch. 43 Jungen und Mädchen aus neunten und zehnten Klassen in neun Bundesländern sind eine Woche lang beisammen, um die eigenen Fähigkeiten und ihre Optionen für die Zukunft zu erkunden. Ihre Familien stammen aus Syrien, Bulgarien, Somalia, Vietnam und anderen Ländern.

Auf die Frage, wie sich die Jugendlichen fühlen, ruft ein Mädchen: „Wir sind Ausländer“. Einige lachen. Denn sie sind auch Deutsche. Nur Ashraf (15) ist anzuhören, dass er nicht seit dem Kindergarten Deutsch spricht. Seine Familie floh erst vor zwei Jahren aus dem Irak nach Düsseldorf.

„Ich kann Deutsch, Arabisch, ein bisschen Türkisch und Kurdisch“, sagt der lebhafte Junge. Er nimmt die weiße Kappe ab und zeigt auf seine kurzen krausen Haare. „Jeder kann sehen, dass ich Ausländer bin. Die Deutschen gucken immer“, erzählt er. Mehrere andere Jugendliche in der Gruppe nicken. Ashraf sagt: „Bei uns gibt es viele Nazis. Mit denen kommt man nicht zusammen.“

Die anderen Jugendlichen haben auch in Deutschland geborene Freunde. In den Cliquen gibt es Menschen verschiedenster Herkunft. Das ist man ja selbst, sagt Mina (17): „Ich bin irgendwie alles – Deutsche, Jezidin, Kurdin und Syrerin.“ Minas Eltern kamen schon vor 20 Jahren aus Syrien. Seit dem vorigen Jahr hat die junge Frau einen deutschen Pass.

Berchem (17)aus Frankfurt hat türkisch-kurdische Eltern. „Ich bin eher mit Deutschen als mit Ausländern befreundet“, sagt sie. Daheim spricht sie die

Sprache der Heimat

. Aber wenn sie zur weiteren Familie in die Türkei fährt, können alle sie sofort als Deutsche erkennen.

So ergeht es auch Nihal, deren Vater aus Marokko und Mutter aus dem Libanon stammt. Nach dem Kindergarten zog Nihal mit den Eltern für sechs Jahre in den Libanon. „Als wir wieder hier waren, musste ich erst mal wieder Deutsch lernen.“ Sie fühlt sich hier heimisch, während die Mutter gern wieder in den Libanon ziehen würde, wenn sie eine Chance dazu hätte. „Ich würde auch zurückgehen“, meint Rozhina, die vor zwei Jahren mit ihrer Familie aus dem Iran nach Deutschland kam. Dabei müsste die 17-Jährige ihre engen Jeans und die schulterfreie Bluse sicher mit Kopftuch und zurückhaltenderer Kleidung tauschen.

Aber: „Wenn ich im Iran wäre, könne ich mehr erreichen, als wenn ich hier bliebe“, meint sie. Es sei auch nicht leicht, als Ausländerin in Deutschland zu leben, sagt Rozhina unter dem Nicken der anderen: „Wir müssen zehnmal so gut sein wie die Deutschen, um anerkannt zu werden.“

Wer sich darauf einlassen will, kann mit Talent, Flexibilität und Ehrgeiz eine Menge erreichen. Das wollen die jungen Seminarleiter des Veranstalters „Bildung & Begabung“ den Teenagern klar machen. Mit einer Uni-Besichtigung, Workshops über Rhetorik, mit Informationen über die für Deutschlands Volkswirtschaft wichtigen Studiengänge und Ausbildungen.

Es gibt Vorbilder, die den jungen Leuten im Haus Gottfried erzählen können, was geht. Aisosa (21) kommt aus Fulda, doch ihre Eltern stammen aus Nigeria. Sie sind nicht reich. Aisosa finanziert ihr Studium mit einem Stipendium. Es gibt für talentierte Jugendliche 13 Studienwerke, weiß Aisosa. Kerstin (28) hat Eltern aus Rumänien. Sie spricht mit fränkischem Einschlag und studierte Physik und molekulare Medizin. Momentan forsche sie an der Entwicklung künstlicher Zellen, berichtet sie den Jugendlichen im Weißen Saal. Und wird dann von ihren Fragen bombardiert.

So geht es eine ganze Woche lang. Am heutigen Samstag reisen die 43 jungen Leute heim – und können im Rest der Sommerferien ihre Eindrücke verarbeiten.

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