+
Mann mit Näschen: Pilz-Experte Dieter Gewalt.

Interview

Dieter Gewalt über trockene Böden und andere „traurige Zustände“

Dieter Gewalt ist offizieller Pilzberater der Stadt Frankfurt. Seit vielen Jahren interessiert er sich schon für das Pilzesammeln und kennt die Wälder in und um Frankfurt wie kein anderer. Durch Kurse und Seminare ließ er sich zum Pilzsachverständigen ausbilden und bietet mittlerweile eigene Führungen und Kurse an. Reporterin Lisa Winter fragte ihn nach den Aussichten für Pilzsammler in diesem Jahr.

Die Trockenheit wegen der starken Sonneneinstrahlung macht Mensch und Tier zu schaffen. Und auch die Pilze leiden sehr unter dem heißen Sommer. Wo kann ich dennoch Pilze sammeln gehen?

DIETER GEWALT: Pilze finden sie nur noch in der Gemüseabteilung im Supermarkt. Nein, im Ernst. Für Pilzsammler sieht es ganz schlecht aus. Besonders im Rhein-Main-Gebiet ist das Sammeln momentan sinnlos. Nur in Regionen, wo es reichlich geregnet hat, können Pilze wachsen. Nur an Totholz wachsen noch Pilze, doch die meisten der sogenannten Baumschwämme sind tatsächlich hart wie Holz und machen den Hobby-Pilzsammler nicht glücklich.

Wie viel muss es denn regnen, damit die Böden sich wieder erholen und Pilze wachsen können?

GEWALT: Aus einer zuverlässigen Quelle weiß ich, dass die Waldböden momentan bis zu 23 Zentimeter tief ausgetrocknet sind. Die Böden sind staubig und mit Laub bedeckt. Das ist für die Pilze ein sehr trauriger Zustand. Es muss unbedingt reichlich regnen. Da reichen auch nicht fünf Liter pro Quadratmeter, das ist so gut wie nichts. Zudem bleibt das bisschen Regen auf den Laubblättern liegen oder verdunstet durch die Hitze sofort wieder. Damit Pilze wachsen können, müsste also mal ein ordentlicher Regen herunterkommen, mindestens 15 Zentimeter, das sind etwa 15 Liter pro Quadratmeter.

Wie viel Hoffnung können sich Sammler denn auf eine späte Pilzsaison machen?

GEWALT: Wenn es endlich regnet, kann es durchaus noch einen schönen Pilzspätherbst geben. Normalerweise ist vom Spätsommer bis Spätherbst die beste Zeit zum Sammeln. Aber es kam auch schon vor, dass noch im Dezember Steinpilze und Pfifferlinge gewachsen sind. Wenn die Böden wieder ausreichend Feuchtigkeit abbekommen haben, dauert es auch nur drei bis fünf Tage, bis wieder Pilze wachsen können. Dann kann das Pilzesammeln auch endlich wieder losgehen. Doch wann das sein wird, weiß leider niemand so genau. Ich musste meine Führungen auch bis auf weiteres absagen oder auf unbestimmte Zeit verschieben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare