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Annette Ernst guckt gar nicht ernst, denn sie hat derzeit gut lachen, weil viel zu tun ist. Wir trafen die Filmemacherin in Bornheim.

Stadtgeflüster

Zum Dreh geht’s nach Bordeaux

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Am Sonntag wird sie in ein Flugzeug steigen und dann für die nächsten neun Wochen weg sein. Es ist zwar kein Urlaub, aber die Frankfurter Filmemacherin

Am Sonntag wird sie in ein Flugzeug steigen und dann für die nächsten neun Wochen weg sein. Es ist zwar kein Urlaub, aber die Frankfurter Filmemacherin Annette Ernst ist trotzdem zu beneiden, verbringt sie diese Zeit doch in der französischen Stadt Bordeaux. „Ich habe dort ein super schönes Projekt“, sagt die gebürtige Bad Homburgerin. „Ich drehe eine deutsch-französische Serie für Bavaria Fiction, die Deutsche Telekom und Amazon France“, sagt die Frau, die für ihren Fernsehfilm „Kiss and Run“ (2004) den Adolf-Grimme-Preis eingeheimste, und für ihr Werk „Mein erster Freund, Mutter und ich“ (2003) dafür nominiert war. „Das neue Projekt, das den Titel ,Germanized’ trägt, ist wahnsinnig spannend, denn in den vergangenen Jahren war es bei uns ein wenig behäbig geworden, was das Fernsehen angeht.“

Aber durch die vielen Produktionen und Sendungen auf allen möglichen Plattformen – Netflix, Sky oder Amazon –, deren Verantwortliche investieren, neugierig sind und etwas wagen, „entsteht endlich wieder etwas und es gibt auf einmal wieder Macht für die Kreativen. Das ist mein Eindruck“, sagt die Regisseurin. Und das ist genau ihr Ding. Vor allem freut sie sich auf die Produktion von „Germanized“, weil sie mit „enorm vielen sehr guten Leuten“ zusammenarbeitet. Geplant sind zehn Folgen à 25 Minuten, wovon sie fünf dreht.

„Wir haben einen ziemlich engen Zeitplan, denn im November soll die Serie schon zu sehen sein“, sagt Ernst. „Von französischer Seite sind die Autoren von ,Willkommen bei den , Sch’tis Alexandre Charlot und Franck Magnier dabei. Von deutscher Seite ist es Peter Güde, der bei der ,Stromberg’-Serie mitgeschrieben hat“, zählt sie auf. Verpflichtet wurde auch Thomas Rogel von der „Heute Show“.

Doch damit nicht genug, denn die Liste der Schauspieler, die bei dieser Serie mitspielen, kann sich ebenfalls lesen lassen. „Christoph Maria Herbst ist dabei, so wie drei französische Superstars: Sylvie Testud , die bei ,Jenseits der Stille’ mitgemacht hat, und Marie-Anne Chazel sowie Roxane Duran , die aus ,Das weiße Band’ bekannt ist“, nennt Annette Ernst weitere illustre Schauspieler. Chazel ist übrigens mit dem Film „Brust oder Keule“ vor etwas mehr als vier Jahrzehnten in Frankreich – und nicht nur dort – berühmt geworden.

Getroffen hat Annette Ernst die Schauspieler in der Zwischenzeit sämtlich und sagt: „Ich glaube, wir werden gut miteinander auskommen“. Verheiratet ist die Filmemacherin übrigens mit dem Grünen-Stadtverordneten Sebastian Popp . Er wird sie wohl auch das ein oder andere Mal in Frankreich besuchen.

Ernst lobt ihr „hochkarätiges Ensemble“. Dies agiert nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera, bei „Germanized“ war es etwa Philipp Haberlandt , der Bruder der bekannten Schauspielerin Fritzi Haberlandt . Er hat viel Serien-Erfahrung, weil er unter anderem bei „Berlin-Babylon“ und „Deutschland ’83“ mitgemacht hat.

Zu ihrem Job bei dieser Serie – die übrigens in deutscher und französischer Sprache produziert wird – kam Annette Ernst, weil sie eine Zeitlang in Amerika und in Frankreich gelebt hat. „Daher beherrsche ich auch diese Sprachen sehr gut“, erklärt die Regisseurin. Und erzählt weiter: „Die Voraussetzungen für die Regie, welche die Serienmacher erfüllt sehen wollten, waren vielfältig: Komödie, Serienerfahrung, Dreisprachigkeit und eine Frau – das muss man erstmal finden!“ Auch auf die Zeit nach dem Dreh freut sie sich schon, denn „ich werde die Serie in Paris schneiden“.

Seit einiger Zeit schon läuft es für Annette Ernst ziemlich gut. „Ich habe wahnsinnig viele Angebote bekommen, möchte mir aber auch Zeit zum Schreiben freihalten“, erklärt sie. Worüber sie schreibt, damit möchte sie noch nicht wirklich an die Öffentlichkeit gehen. Aber es geht wohl um ihren Zweiteiler über die 80er Jahre.

(es)

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