+
Die Albrecht-Dürer-Schule in der Sossenheimer Riedstraße hat engagierte Lehrer, die eine schier unmögliche Aufgabe zu meistern versuchen.

Personalrat fordert Hilfe

Dürer-Lehrer stellen Überlastungsanzeige

  • schließen

Das Kollegium der Albrecht-Dürer-Schule hat bei Kultusminister Alexander Lorz Überlastungsanzeige gestellt. Wegen Überlastung sei der Krankheitsstand gestiegen; sie bekämen nicht genügend Unterstützung für ihre Arbeit.

95 Prozent aller Schüler der Albrecht-Dürer-Schule haben Migrationshintergrund, die Kinder wachsen meist zweisprachig auf, und nicht immer unter den besten sozialen Bedingungen. Zurzeit besuchen mehr als 400 Schüler die Grundschule mit Vorklasse und sogenanntem „Pakt für den Nachmittag“, dafür gibt es knapp unter 30 Lehrer. Der Personalrat der Albrecht-Dürer-Schule hat jetzt die Reißleine gezogen und bei Kultusminister Alexander Lorz (CDU) Überlastungsanzeige gestellt. Die Forderungen: proportionale Ausweitung der Inklusionsstunden, qualifizierte Unterstützung für verhaltensauffällige Kinder, eine Stundenentlastung für zusätzliche Verwaltungsaufgaben, die Reduzierung der Klassengrößen und die Reduzierung der Pflichtstundenzahl.

Nach dem bundesweit geltenden Arbeitsschutzgesetz (ASchG) sind Beschäftigte verpflichtet, ihrem Arbeitgeber unmittelbare erhebliche Gefahren anzuzeigen, die die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten gefährden: Die Überlastungsanzeige ist ein Begriff, der dem deutschen

Arbeitsschutzrecht

zuzurechnen ist. „Die Arbeitsbelastung ist so stark in den letzten Jahren gewachsen, dass die Gesundheit vieler Kolleginnen und Kollegen gefährdet ist. Der Krankenstand ist dementsprechend in den letzten Jahren gestiegen“, schreiben die Personalräte Renate Grell, Julia Zillien und Vera Haußmann an den Kulturminister.

Sie sind nicht allein: Hunderte von Schulen aus ganz Hessen haben in den vergangenen drei Jahren Überlastungsanzeigen gestellt. Voriges Jahr haben zwei Drittel aller Frankfurter Grundschulleitungen einen gemeinsamen Brandbrief an Lorz geschrieben. Darin hieß es, die Lage sei dramatisch: Von 25 Kindern in einer Klasse seien mitunter 20 ohne ausreichende Deutschkenntnisse eingeschult worden.

Die Familien der Kinder kämen aus verschiedenen Kulturkreisen, ihre Elternhäuser seien extrem heterogen. Viele würden elterliche Aufgaben wie die Erziehung zu Umgangsformen, die medizinische Versorgung und die Ernährung an die Schulen abtreten. Daraus erwachse für die Lehrer „eine kaum zu bewältigende Arbeitsbelastung sowohl in zeitlicher als auch in psychischer Dimension“, schrieben die Schulleiter. Gewerkschafter sehen Überlastungsanzeigen als „verzweifelten Hilferuf“. Zusätzliches Personal kann nur das Kultusministerium beschließen; das Stadtschulamt hat wenig Möglichkeiten zu helfen.

Stefan Leicher, Schulleiter der Dürer-Schule, ist nun aufgefordert, seine Stellungnahme gegenüber dem Schulamt abzugeben. Der Personalrat der Dürer-Schule hat seine Anzeige auch dem Elternbeirat, dem Sossenheimer Landtagsabgeordneten Uwe Serke (CDU) und Thomas Schwarze zukommen lassen, dem Schulleiter der Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule in Biebrich, der von der SPD für ein mögliches Regierungsteam benannt wurde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare