Wettkampf auf hawaii

Egelsbacher erfüllt sich mit der Teilnahme an der Ironman-WM einen Traum

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Seine Knie sind kaputt und seine Wettkampfzeiten nicht gut genug. Eigentlich hätte der Egelsbacher Christoph Oldenburg (54) keine Chance, beim legendären Gipfeltreffen der weltbesten Eisenmänner am 13. Oktober dabei zu sein. Doch manchmal geht das Glück auch in die Warteschleife – und das Schicksal nimmt einen kleinen Umweg.

Wer den schlanken, topfitten Christoph Oldenburg mit seinem wehenden Zopf über die Waldwege vor den Toren Langens flitzen sieht, mag es kaum glauben: „Im Jahr 1999 bin ich richtig in die Breite gegangen“, erinnert sich der Egelsbacher an die Zeit vor seiner Sportkarriere. „Ich hatte gerade mit dem Rauchen aufgehört – und Süßigkeiten waren zu meiner Ersatzdroge geworden“.

Da er sich selber in der „XXL-Version“ nicht mochte, entdeckte der IT-Techniker den Sport als gesunde Alternative: Erst war es nur das Radfahren, dann gesellten sich Schwimmen und das Laufen hinzu. Ein Freund habe ihm von seinem Vater vorgeschwärmt, der Halbmarathon lief. „Ich sagte ihm: Wo ist das Problem? Das schaffe ich auch!“

Geprahlt, getan: 2005 debütierte er auf der Halbdistanz beim Koberstädter Waldmarathon. Und merkte: Da geht noch was in Sachen sportlicher Ambition. Die hörte bald auf den Namen „Triathlon“. Der ersten Langdistanz stellt er sich 2008 beim „Cologne 226“, der erste Ironman folgt ein Jahr später in Frankfurt. Besonderen Biss beweist er 2012 auf Lanzarote, wo er sich nach einem Trainingssturz vom Rad mit angebrochener Hüfte über die 226 Kilometer quält,

Da hatte er längst Blut geleckt. Und wie bei jedem Eisenmann war der Traum von Hawaii – der Wettkampf auf der Kanaren-Insel ähnelt der Weltmeisterschaft vom Anforderungsprofil her – schon im Hinterkopf gepflanzt. „Dabei war mir klar“, fügt Oldenburg hinzu, „wie unrealistisch das ist“. Denn: „Eine Zielzeit um die zehn Stunden musste man damals schon für Hawai mitbringen“, sagt er. „Schon damals lag ich mit meinen 11 Stunden und 24 Minuten deutlich drüber. Heute ist die Anforderung nochmal verschärft – und ich bin langsamer geworden“. Hinzu kommt: „Meine Knie sind kaputt. Ich habe einen Knorpelschaden in einem und in beiden Arthrose.“ Doch zum Glück bieten die Veranstalter der Weltmeisterschaft eine Hintertür namens „Kona Legacy Program“ an. Mitmachen kann dabei jeder, der zwölf Ironman-Distanzen absolviert hat, je eine davon in den vergangenen zwei Jahren. Aus den Registrierten werden jedes Jahr 100 Athleten ausgelost, die starten dürfen. Für Oldenburg war klar: „Das muss ich einfach versuchen.“

2017 war ihm das Losglück noch nicht hold. Doch im Februar dieses Jahres erhielt Oldenburg Post aus Hawaii. „Es war ein ziemlich kryptischer Text,“ erinnert er sich. „Ich brauchte erstmal, um herauszulesen, dass ich tatsächlich für das Rennen qualifiziert bin.“ Das Timing könnte besser nicht sein, denn er wird die 40. Jubiläumsausgabe des legendären Wettkampfes erleben.

„Hawaii ist die Geburtsstätte des Ironman“, beschreibt der Sportler seine Faszination. „Da trifft sich alles aus der Triathlon-Szene, was Rang und Namen hat“, schwärmt er. „Das ist einer der wenigen Veranstaltungen, wo Du als Freizeitsportler bei einem großen Rennen Seite an Seite mit den Topstars starten darfst.“ Das sei so, als würde man als begeisterter Hobby-Radler bei der Tour de France gegen Radprofis wie Alejandro Valverde und Geraint Thomas antreten.

Dass er als IT-Techniker bei einem Frankfurter Bankinstitut mit Gleitzeit arbeitet, spielt Christoph Oldenburg bei der zeitintensiven Vorbereitung auf seinen Traum in die Karten – pro Woche seien es etwa 20 Trainingsstunden. Einige Kilometer reiße er schon durch die täglichen Radfahrten vom und zum Arbeitsplatz ab. „Ein Riesenvorteil,“ sei zudem, „dass mich meine Frau so toll unterstützt.

Seine Martina wird ihn auch anfeuern, wenn er am 13. Oktober frühmorgens mit 2 000 anderen Sportlern aus aller Welt in der Bucht von Kailua-Kona in den Pazifik steigt. Jede Aufregung, jede Angst und Nervosität, weiß Oldenburg aus Erfahrung, wird dann vergessen sein. Was bleibt? Zwei Wünsche: „Dass ich es ins Ziel schaffe. Und dass ich als Waldseehai im Wasser der einzige Hai sein werde.“

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