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Sylvia Allwinn auf ihrem Spieleteppich im Frankfurt-Design. Kinder lieben das Teil.

Geschäftsidee

Eine Mutter hat einen Spielteppich im Frankfurter Design entworfen

Mit dem Spielzeugauto an Frankfurts Hochhäusern vorbeikurven – das können Jungen und Mädchen jetzt auch im eigenen Kinderzimmer dank Sylvia Allwinn. Die 46-Jährige hat nämlich einen Spielteppich im Frankfurter Design entworfen und sich mit dieser Geschäftsidee selbstständig gemacht. Und dabei viel gelernt.

Woran denken Kinder zuerst, wenn das Stichwort „Frankfurt“ fällt? Bei dieser Frage muss Sylvia Allwinn nicht lange überlegen. Sondern nur auf den Boden blicken, wo ein 1,80 mal 1,30 Meter großer Spielteppich liegt. Statt irgendwelcher Fantasiegebäude und -straßen zeigt er Details aus dem Frankfurter Stadtbild: den Römer, das Senckenberg-Naturmuseum, den Messeturm, den Zoo, den Palmengarten, die Europäische Zentralbank, die Dippemess’. Aber auch das Polizeipräsidium, die große Feuerwache am Marbachweg und der Hauptbahnhof sind darauf zu finden – Bauten also, die gerade für kleine Chauffeure wichtig sind.

Dass es dieses bunte Stück Lokalpatriotismus seit gut einem halben Jahr zu kaufen gibt, ist der Idee und vor allem der Hartnäckigkeit von Sylvia Allwinn zu verdanken, die im Frankfurter Nordend lebt.

Vor zehn Jahren – ihr Sohn war damals drei, ihre Tochter gerade geboren – suchte sie nach einem kindgerechten Bodendecker. Doch was sie dabei fand, wirkte auf sie eher abschreckend. „Viele Spielteppiche haben so grelle Farben und die Straßen sind so dunkel“, erinnert sie sich. Das könnte man doch auch selbst machen, mit einem Stadtplan von Frankfurt, überlegt sie damals. Der Gedanke lässt sie nicht los – auch als sie schon längst wieder in ihren Job im Marketing eines großen Pharmaunternehmens zurückgekehrt ist.

Vor knapp zwei Jahren wagt die gebürtige Rheinländerin, die seit 2001 in Frankfurt lebt, den großen Schritt: Sie kündigt ihre Stelle und macht sich selbstständig, um ihre Teppich-Idee in die Tat umzusetzen. Dabei kommen ihr die Erfahrungen aus ihrem vorherigen Berufsleben zugute.

Um herauszufinden, wie sich Kinder und Eltern den idealen Spielteppich vorstellen, betreibt sie nämlich erst einmal Marktforschung. Im Freundeskreis, aber auch in der eigenen Familie. Und gewinnt dabei etliche Erkenntnisse. Dass zum Beispiel eine Tankstelle dazugehört – „mein Sohn hat gesagt, man muss unbedingt tanken können“. Dass die Straßen mindestens sechs Zentimeter breit sein müssen, damit zwei kleine Spielzeugautos problemlos aneinander vorbeifahren können. Und dass die Fahrbahnen komplett frei sein müssen – ohne hineinragende Gebäude. Denn das stört viele Kinder, weiß die 46-Jährige inzwischen.

Mit Hilfe von Illustratoren entstehen drei verschiedene Entwürfe, die sie bei einer Online-Befragung präsentiert. Rund 80 Internet-Nutzer machen dabei mit. Die meisten von ihnen entscheiden sich für eine Art 3-D-Optik, bei der die Gebäude weniger verspielt wirken, als es Sylvia Allwinn ursprünglich im Sinn hatte. Einen Hersteller hat sie mittlerweile ebenfalls gefunden: eine Firma in Belgien, die den Polyester-Teppich im Transferdruck produziert. „Vereinfacht gesagt, wird die Vorlage erst auf Papier gedruckt und dann daraufgepresst, mit Hitze“, erklärt die Unternehmerin.

Das Ergebnis in hellen, aber dezenten Farben, das es nach gut einem Jahr Entwicklungszeit zu kaufen gibt, kommt gut an. Nicht nur deshalb, weil es bei 30 Grad in der Maschine gewaschen werden kann. Sondern vor allem deshalb, weil der Flor zwar kurz genug ist, dass Spielfiguren ohne Probleme aufgestellt werden können, aber deutlich weicher als bei vielen anderen Kinderteppichen. „Ein Vater war vor Kurzem ganz begeistert, weil es an den Knien nicht mehr so rau ist“, sagt Sylvia Allwinn.

Er ist nicht der einzige Kunde, den sie überzeugt hat. Die ersten 80 Frankfurt-Teppiche waren innerhalb von wenigen Wochen ausverkauft. Inzwischen läuft das Geschäft zwar ruhiger – „im Sommer ist eher Outdoor angesagt“ –, doch die Unternehmerin ist trotzdem optimistisch.

Schließlich kann sie jetzt auch Versionen für Köln und München vorweisen. Die Variante für Hamburg wird auch demnächst fertig, und dann kommt die Hauptstadt Berlin an die Reihe.

Auch die eigentliche Zielgruppe, die Kinder kann der „Bodendecker“ offenbar begeistern. Gern erzählt die 46-Jährige vom Erlebnis mit jenem etwa dreijährigen Jungen, der während einer Messe derart hingebungsvoll mit Autos darauf gespielt habe, dass sich seine Mutter schließlich einen Stuhl holte und sich eine längere Pause gönnte. „Und irgendwann hat sie dann gesagt, ,den Teppich muss ich unbedingt kaufen’“, erinnert sich Sylvia Allwinn und lacht.

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