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Die Burg Kransberg besitzt eine bewegte Geschichte. Vom Burgsitz der Herren von Cransberg wurde es zum Schloss umgebaut. Die Nazis bezogen es in das Führerhauptquartier ?Adlerhorst? ein und später hatte hier der Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes seinen Sitz. Archivfoto: Pieren

Historische Einblicke und schöne Ausblicke

Eine Wanderung von Usingen über Kransberg und die Kapersburg nach Köppern

Sie sind fasziniert von der Schönheit der Natur, haben eine Leidenschaft fürs Wandern und lieben die Geselligkeit: Die Mitglieder des Taunusklubs, die sich auf 24 Zweigvereine verteilen, kennen den Taunus wie kaum eine andere Gruppe. Vor 150 Jahren gründete sich der Verein – passend dazu präsentieren die passionierten Wanderer den TZ-Lesern in ihrem Jubiläumsjahr ihre 15 schönsten Touren. Im heutigen zwölften Serienteil geht es ins Usinger Land.

Heute geht’s weg vom doch recht überlaufenen Vordertaunus in das beschauliche, aber nicht weniger reizvolle Hintertaunusgebiet. Dabei gilt auch hier das Bestreben, Natur- und Wanderlebnisse mit geschichtlichen und kulturellen Gegebenheiten zu verbinden. So berührt diese Wanderung fast zwei Jahrtausende.

Los geht’s am Usinger Bahnhof, der mit der Taunusbahn bequem von Bad Homburg aus erreicht werden kann. Die Stadt kann auf eine lange Geschichte zurückblicken und wurde 802 n. Chr. erstmals in Aufzeichnungen des Klosters Fulda erwähnt. Das Stadtbild wurde vor allem von Graf Walrad geprägt, der das Usinger Land ab 1659 nicht weniger als 43 Jahre lang regierte. Unter seiner Regentschaft wurden unter anderem die Hugenotten angesiedelt und die Neustadt gebaut. Wahrzeichen der Stadt ist die bereits um das Jahr 1300 herum erwähnte Laurentiuskirche. Außerdem sehenswert sind die um 1700 errichtete Hugenottenkirche, die heute als Stadtbibliothek dient, und der Schlosspark mit dem ältesten Eibenbestand Deutschlands – die rund 30 Bäume wurden im Jahre 1716 gepflanzt. Im Museum im Rathauskeller befindet sich eine interessante archäologische Sammlung, die sonntags von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden kann. In jedem Falle ist die Stadt eine eigene Tour wert.

Aus Usingen stammen etliche bekannte Persönlichkeiten, von denen hier stellvertretend der 1845 geborene Geigenvirtuose August Wilhelmj und einer der Gründungsväter des Taunusklubs und Initiator des 1844 ins Leben gerufenen Feldbergturnfests, Fritz Emminghaus, aufgeführt werden. Aus jüngerer Zeit ist noch die Sängerin Ulla Meinecke zu nennen. Und nicht zu vergessen: Der örtliche Zweigverein des Taunusklub kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Er wurde im März 1885 gegründet.

Doch zunächst gilt es, die (Wander-)Disziplin zu wahren; denn schließlich müssen noch rund 16 Kilometer zu Fuß bewältigt werden. Los geht’s also vom oberhalb der Stadt gelegenen Bahnhof mit der Markierung „Schwarzer Punkt“ auf einfach zu findendem Weg durch die barocke Residenzstadt bis zur Hugenottenkirche, dort ostwärts abbiegend bis zur B 456. Den terrassenförmig angelegten Schlossgarten lassen wir am Wegesrand liegen. Sobald der Ortsrand erreicht ist, geht es leicht bergab mit einem fantastischen Blick ins Usinger Land zur B 275.

Nach der Überquerung der Bundesstraße geht es zur Schlappmühle und weiter der Markierung „Schwarzer Punkt“ folgend, leicht aufwärts zur Taunuskluballee. Hier wurden auf Initiative von Arnold Krause, dem ehemaligen Leiter des Forstamtes Usingen und Naturschutzwart des Taunusklubs Usingen, in den Jahren 1998 bis 2001 insgesamt 70 Kastanienbäume und ein Gingko gepflanzt. Das 900 Meter lange Wegstück ist nicht eigens gekennzeichnet. Man kann sich aber nicht verlaufen.

Nach dem Ende der Allee weiter mit dem Zeichen „Grüner Balken“ bis zur auf 340 Meter Höhe gelegenen Kreuzkapelle auf Kransberger Gemarkungsgebiet. Es ist unklar, ob sie 1695, 1697 oder 1699 errichtet wurde. Dennoch: Der gerade mal 50 Meter lange Umweg zur Kapelle lohnt sich. Auf einer wunderschönen Hainbuchenallee führt die Wanderstrecke abwärts ins im Wiesbachtal gelegene Kransberg. Vor Jahren wurde hier ein „Tatort“-Krimi gedreht. Bekannt ist der Ortsteil außerdem durch sein Schloss, das im exklusiven Rahmen unter anderem für Hochzeiten und Tagungen gemietet werden kann. Für Wanderer ist allerdings nur eine Außenbesichtigung möglich.

Das Schloss wurde um 1300 als Burg der Landesherren, der „Craniche“, gebaut und später mit oft wechselnden Besitzern 1875 zum jetzigen Schloss umgestaltet. Von 1939 an war es im Komplex „Adlerhorst“ Stabsstelle der Luftwaffe. Nach Kriegsende errichteten die Alliierten hier das Vernehmungszentrum „Camp Dustbin“. So wohnten im Schloss für einige Wochen die ehemaligen Nazigrößen Hermann Göring, Albert Speer und Wernher von Braun. Anschließend war das Schloss Zentrale der „Organisation Gehlen“, der Vorgängerin des Bundesnachrichtendiensts.

Die Vergangenheit und den Ort hinter uns lassend führt die Wanderstrecke auf der Haingasse vorbei an der Schlosskapelle. Nach der Überquerung der K 728 geht es weiter in Richtung Pfaffenwiesbach. Noch bevor der Ort erreicht wird, lädt ein ansehnlicher Picknickplatz zur Rast ein. Sehenswert im Ort sind das in einer alten Schule untergebrachte Heimatmuseum sowie die 1861 errichtete katholische Kirche mit spätgotischem Taufstein aus dem 14. oder 15. Jahrhundert.

Danach muss zunächst bergauf gewandert werden, bis das Wasserwerk erreicht ist. Hier wird man mit schönen Blicken ins Kransberger Tal belohnt. Weiter geht es leicht bergan bis zum Zaun des Munitionsdepots Köppern. Diesem folgt man, bis man zu den Ruinen des Kastells Kapersburg gelangt.

Auf dem Weg dorthin zeigt sich links der über die Wetterau aufragende Kamm aus Steinkopf (518 Meter, mit Fernmeldeturm) und Winterstein (482 Meter mit Turm). Am Eingang zum Kastellgelände liegt das Waldheim der Vereinigten Wandervereine Friedberg-Bad Nauheim, das auf Voranmeldung hin angemietet und genutzt werden kann. Im Zusammenhang mit der Aufnahme des nur in 60 Meter Entfernung vom Kastell verlaufenden Limes als Unesco-Weltkulturerbe im Jahre 2005 wurde das Kastell ab 2006 restauriert und das Areal in einen Park umgewandelt. Der perfekte Ort für eine Rast unter lauschigen Bäumen.

Die bis heute wichtigsten Ausgrabungen in der Kapersburg unternahm der Gründer des Saalburgmuseums und Wiedererbauer der Saalburg, Louis Jacobi, in den Jahren 1896/97, 1901 und 1905. Das ehemalige Römerkastell wurdet um 98 nach Christus, möglicherweise aber auch erst 130 nach Christus, errichtet und beherbergte etwa 200 Mann als Besatzung. Aufgegeben wurde das Kastell mit dem Limesfall Mitte des 3. Jahrhunderts. In jedem Falle ist die Kapersburg einen eigenen Ausflug wert.

Doch die Wanderung ist noch nicht zu Ende: Jetzt geht es der Markierung „Schwarzer Keil“ folgend parallel zum Limes auf angenehmem Weg noch etwa 6 Kilometer hinunter bis nach Köppern. Hier hinauf zum oberhalb des Ortes gelegenen Bahnhof und mit einer hoffentlich bald kommenden Taunusbahn zurück nach Bad Homburg.

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