Bildung

In einem Jahrgang an der Tilemannschule kommt kein Deutsch-LK zustande

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Ein guter Deutsch-Unterricht gehört zu einer guten Allgemeinbildung. Zu einem Gymnasium gehört ein Deutsch-Leistungskurs? Offenbar nicht. An der Tilemannschule gibt es einen Jahrgang ohne Deutsch-LK.

Peter Laux muss nicht lange überlegen, wie die ideale Kombination aussieht: Deutsch und Mathe. „Damit kommt man gut durch die Welt“, sagt er. Die intensive Beschäftigung mit der deutschen Sprache und Literatur sei ein Schlüssel zur Erschließung der Welt. Und Mathe, na klar, fördert das logische Denken. Aber Peter Laux hat sein Abitur auch schon vor vielen Jahren gemacht. Heute ist er Schulleiter an der Fürst-Johann-Ludwig-Schule und weiß, dass die meisten Schüler sich anders entscheiden, wenn es um die Wahl der Leistungskurse geht. Zumindest in Sachen Deutsch.

Mathe und Englisch sind nicht nur an der Fürst-Johann-Ludwig-Schule die beliebtesten Fächer. Was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass in Hessen ein Leistungskurs in Mathe, Bio, Chemie oder Physik oder einer Fremdsprache eh Pflicht ist. Und vielleicht auch damit, dass Mathe, Englisch und Deutsch an den Gymnasien im Landkreis sowieso auch in den Grundkursen mehr als zwei Stunden pro Woche unterrichtet werden, schon weil das dem „Konzept der vertieften Allgemeinbildung“ entspricht. Und da die meisten Oberstufenschüler gut im Rechnen sind, achten sie auch auf ihren Stundenplan – und auf jede Stunde. Aber das gilt offenbar vorzugsweise für Mathe und Englisch.

Nicht unbedingt für Deutsch. Zumindest an der Tilemannschule ist das Interesse an einer intensiveren Beschäftigung mit Deutsch eher gering. So gering, dass in der jetzigen E-Phase (10. Klasse) kein Vor-Leistungskurs Deutsch zustande gekommen ist. Wie viele Schüler sich fünf Stunden mit Goethe, Schiller und anderen Dichtern gewünscht hätten, will Studienleiter Heinz Georg Felden nicht verraten. Nur so viel: Für einen Leistungskurs hätten es mindestens zwölf sein müssen. Es gebe allerdings auch mal Ausnahmen, manchmal reichten zehn Schüler, manchmal würden Grund- und Leistungskurs zusammengelegt.

„Deutsch ist seit einiger Zeit ein Wackelkandidat bei uns“, sagt Heinz Georg Felden. Aber es sei ja noch nicht gesagt, dass dieser Jahrgang im nächsten Jahr, in der Q-Phase, wenn es also wirklich ans Abitur geht, tatsächlich ohne Deutsch-LK auskommen muss. Denn an der Tilemannschule könnten die Schüler ja noch mal neu wählen, wenn die Kurse in der E-Phase nicht das sind, was die Schüler sich erhofft hatten. „Das flexible System hat sich bewährt“, sagt Felden.

Es besteht also noch Hoffnung, dass das Fächer-Spektrum an der Tilemannschule größer wird. Denn wirklich vielfältig ist es in diesem E-Phasen-Jahrgang nicht. In gerade mal sieben Fächern gibt es Leistungskurse. Dafür zwei in Mathe, zwei Englisch, zwei in Sport – Latein, Geschichte, Chemie, Kunst, Musik und eben Deutsch: Fehlanzeige. In der jetzigen Q-Phase sieht es anders aus: Da verteilen sich die Schüler auf zwölf Fächer.

Warum das so ist, kann Heinz Georg Felden nur vermuten. „Vielleicht ist gerade Deutsch nicht so profilbildend.“ Vielleicht hätten sich gerade in diesem Jahr die Schüler ganz besonders nach ihren Freunden gerichtet, vielleicht hätten die Lehrer nicht genug Werbung für ihr Fach gemacht. Dass die Schüler heutzutage nur noch Fächer wählen, die ihnen später einmal nützlich sind, glaube er nicht, sagt Heinz Georg Felden. Aber viele Schüler hätten eben schon eine ziemlich genaue Vorstellung, was sie später einmal studieren wollen. Und Deutsch könnten viele nicht mit einem Fach verbinden. „Dass Grundkenntnisse in Deutsch wichtig sind, ist aber allen klar“, sagt Heinz Georg Felden.

Die Schulen müssten nun mal Kompromisse machen, sagt Dirk Fredl, Sprecher des Schulamtes und stellvertretender Leiter der Marienschule. Die Schule müsse den Pflichtunterricht abdecken, auf die Wünsche der Schüler eingehen, und das Stundenbudget einhalten. „Jeder Kurs, der unter dem Schnitt ist, bedeutet, dass andere Kurse über dem Schnitt liegen.“ An der Marienschule gibt es auch in diesem Jahr wieder einen Leistungskurs Deutsch, aber einige Schüler habe man auch enttäuschen müssen, sagt Dirk Fredl. Musik-, Geschichte- und Französisch-Leistungskurse seien nicht zustande gekommen. Dabei gelten an der Privatschule noch besondere Bedingungen: Hier reichen zehn Schüler für einen Leistungskurs, manchmal auch acht. Aber weniger sollten es auch schon aus pädagogischen Gründen nicht sein. „Mit einer Handvoll Schüler sind moderne Unterrichtsformen ja nicht machbar.“

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