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Für dieses Foto machte Renate Zott die Offenbacher Landstraße zum Laufsteg.

Renate Zott

Wie aus einer Maklerin ein Model wurde - mit über 50

Renate Zott ist Model und Bloggerin. Die 52-Jährige möchte eine Lanze brechen für ältere Frauen in der Mode- und Medienindustrie, aber auch in der gesamten Gesellschaft – und dient selbst als gutes Vorbild.

Sie lächelt, nippt ab und zu an ihrem Wasserglas. Rechts und links fallen Strähnen in die Stirn, sonst hat sie ihre blonden langen Haare hochgesteckt. Dass sich die Frau mit den großen, leuchtend blauen Augen wohlfühlt, sieht man sofort. Denn Renate Zott ist im „top age“, also im „Top Alter“, sagt sie. Und sie modelt, mit 52 Jahren, und ist Bloggerin.

„Ich habe mich schon immer für Mode interessiert“, erklärt sie. Ihre ersten Modeljobs hatte sie für Maritim-Prospekte. „Da wurde ich zum Beispiel in einer Yoga-Pose oder mit heißen Steinen auf dem Rücken fotografiert.“ Heute wird die Oberräderin für Laufstegjobs und Fotokampagnen gebucht. „Ich laufe auf Modenschauen von Frankfurter Boutiquen und stand vor kurzem auch für das Mannheimer Label ,Lassal‘ auf dem Laufsteg.“ Aktuell arbeitet Zott zudem mit der Modemarke „Gerry Weber“ zusammen.

Zott ist gelernte Versicherungsmaklerin, war viele Jahre selbstständig. „Das Unternehmen habe ich aber vor etwa vier Jahren verkauft.“ Sie habe viel zu viel gearbeitet. „Mein Mann hat gesagt, wenn Du so weitermachst, liegst Du in drei, vier Jahren tot unter dem Schreibtisch“, erinnert sich Zott. Nach dem Verkauf ist sie in das Unternehmen ihres Mannes eingestiegen. Nebenher modelt sie und schreibt für ihren Blog. Nicht selten dauert ihr Arbeitstag 12 oder sogar 14 Stunden. „Aber es macht mir Spaß“, sagt sie. Auch Sport gehört zum Alltag des Models. „Zweimal in der Woche trainiere ich“, sagt sie. Von Botox und anderen Mittelchen hält Zott nichts. Dafür schwört sie auf Pflegeprodukte. „Ich benutze ein spezielles Serum für die Haut rund um die Augen und Feuchtigkeits-Cremes für das Gesicht.“

Ihr Blog hat pro Monat über 10 000 Besucher, vor allem Frauen im Alter von 40 bis 55, aber auch ein paar Männer. „Ich bekomme viel positives Feedback. Meine Leser finden es gut, was ich mache.“ Über den Blog stellt sie auch den Kontakt für ihre Modeljobs her. „Viele Auftraggeber kontaktieren mich über die Seite.“ Gemeinsam mit ihrer Co-Autorin Petra veröffentlicht Zott regelmäßig Beiträge zu Mode, Lifestyle und Fitness. „Die Ideen bekomme ich im Alltag“, sagt sie. Dabei muss es nicht immer um Mode gehen. So hat die Mutter eines eigenen und eines Stiefsohns einen Beitrag über Zahnpflege verfasst, oder Rezeptvorschläge für sommerliche Gerichte. „Ich schreibe schon immer gerne“, sagt sie. „Ich kann dabei richtig abschalten, vergesse alles um mich herum. Ich würde fast sagen, es gesundet mich.“

Mit ihrem Blog kann Zott ihre Liebe zu Mode und zum Schreiben vereinen. Und doch ist es so viel mehr als nur ein Ratgeber für Frauen jenseits der 40. „Mein großes Ziel ist es, eine große Modemarke davon zu überzeugen, dass Frauen wie ich auch auf die großen Plakate und in die Magazine gehören“, sagt sie. Doch in den Köpfen sei immer noch das Bild von dem jungen, unverbrauchten Size-Zero-Model verankert. Deshalb möchte Zott das Altersbild in der medialen Welt ändern. „Es kann doch nicht sein, dass Werbung für eine Anti-Age-Creme mit einem 30-jährigen Model gemacht wird“, sagt sie. „Und dass Frauen jenseits der 40 weg vom Fenster sind. Denn diese Frauen haben oft eine ganz besondere Ausstrahlung, eine ganz eigene Schönheit.“

Auch gesellschaftlich sieht sie Handlungsbedarf. „Es ist nicht richtig, dass Frauen von Altersarmut bedroht sind, obwohl sie jahrelang die Familie organisiert, Kinder großgezogen und ihrem Mann den Rücken freigehalten haben.“ Dafür setzt sich Zott auch als Botschafterin des Bundesverbands Initiative 50plus ein, der Lobbyarbeit für die Generation über 50 leistet.

Draußen sind es 32 Grad. Doch in dem Loft in Oberrad ist es angenehm kühl. Seit 2007 lebt Zott mit ihrem Mann in dem Stadtteil im Frankfurter Süden. „Besonders schätze ich hier die Nähe zum Mainufer“, sagt sie.

Dass Zott etwas von Stil und Mode versteht, spiegelt sich auch in ihrem Zuhause wider. Dort treffen Elemente aus der Industrie auf Holz und auf Kunst. An den Decken hängen große Scheinwerfer, die Backsteinwände haben Zott und ihr Mann mit Sandstrahlern freigelegt. Vieles hat das Paar selbst gemacht – vom Küchenpapier-Halter bis zum Bett.

An einer Wand, versteckt hinter dunklen Vorhängen, befindet sich der Kleiderschrank. Vom Boden bis zu den Decken sind Regale und Kleiderstangen vollgepackt mit Hosen, Röcken, Pullovern, Abendkleidern und Jacken. Vieles ist extravagant, einiges farbenfroh. „Ich habe viele Basics. Die kombiniere ich gerne mit neuen Accessoires, und schon sieht es aus, als wäre es ein komplett neues Outfit“, sagt die Bloggerin.

„Mein Lieblingsteil ist eine zerrissene Jeans. Auch wenn die Leute vielleicht sagen, dass man so etwas mit über 50 nicht mehr trägt.“ Auch den Stil von Marlene Dietrich mag sie. „Sie war eine starke Frau, die aus Konventionen ausgebrochen ist.“ Ein Vorbild also, für Zott und alle anderen Frauen.

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