Ilbenstädter Basilika

Das ist die einzige erhaltene Orgel von Johann Onimus

Nur in Ilbenstadt steht noch ein Instrument des Mainzer Orgelbaumeisters Johann Onimus (1689-1759). Doch manche der taubenblau und golden gefassten Pfeifen scheppern. Sie können nicht mehr gestimmt werden. Manche Tasten klemmen immer wieder. Pfarrer Bernd Richardt hat jetzt fast eine halbe Million Euro für die Restaurierung beisammen.

Die große Orgel über dem Eingang der Peter und Paul-Basilika ist verstummt. Spezialisten der Licher Firma Förster und Nikolaus beginnen in den nächsten Wochen mit dem Abbau aller Pfeifen, Züge und Register. Nur der hölzerne Rahmen bleibt vor Ort. Die Gottesdienste in der 1159 geweihten Kirche begleitet in den nächsten zwei Jahren eine mobile Kleinorgel. Erst zum Gottfrieds-Fest im Oktober 2020 wird die 1734 erbaute Onimus-Orgel wieder Gottes Lob pfeifen. Und zwar anders als bisher.

Die Pedale, der Windladen und etwa die Hälfte der gut 2000 Pfeifen stammt noch vom Baumeister Onimus, sagt Pfarrer Bernd Richardt. Die letzte Reparatur liegt gut 50 Jahre zurück. Der Staub der Jahrzehnte hat sich in und auf dem riesigen Musikinstrument abgelagert. Das kann man leider hören. An manchen Pfeifen aus Zinn oder Bronze sind Lötnähte ausgerissen. Die Orgel kann nicht mehr sauber gestimmt werden. Und manche Tasten klemmen immer wieder, berichtet der Pfarrer bei einem Besuch auf der Orgel-Empore. Der Organist Rainer Walter habe seine Mühe, diesen störenden Defekt bei Gottesdiensten und Konzerten sozusagen zu überspielen.

Nun wird alles anders. Die Spezialfirma in Lich wird defekte Pfeifen durch neue, teils auch durch neue alte ersetzen, manche auch neu löten und verlängern. Die Register werden neu abgestimmt. Eins kommt vielleicht weg, sagt Pfarrer Richardt: „Die Quinte klingt ein bisschen schepp.“ Außerdem wird das Leder des Blasebalgs ausgetauscht. Und der Blasebalg mit dem Elektromotor, der ihn mit Luft befüllt, wird aus dem Orgelgehäuse verbannt. Denn diese Teile haben den Klangkörper seit 1960 eingeengt, sagt Richardt.

Der 59-jährige katholische Seelsorger, der vor zwei Jahren aus Schotten nach Ilbenstadt kam, hat sich inzwischen zu einem Orgel-Experten entwickelt. Beim Ortstermin führt er seine Gäste dorthin, wo künftig die Luft für das gewaltige Gotteslob in die Pfeifen der Onimus-Orgel gedrückt wird. Es ist die über eine Wendeltreppe erreichbare Michaelskapelle hinter der Orgel, über dem Portal der alten Basilika. In früheren Jahrhunderten verfolgten von hier aus die im Kloster Nieder-Ilbenstadt lebenden Nonnen die Gottesdienste durch vier schmale und ein großes Bogenfenster. Vor knapp 300 Jahren ließ Abt Jakob Münsch die barocke Orgel-Empore einbauen, die den Ausblick versperrte.

In der Kapelle schuftete fortan der Kalkant, um im Tretwerk den Blasebalg mit Luft zu versorgen. 1960 löste ihn der in die Orgel verlegte Elektromotor ab – doch künftig soll die Orgel auch wieder durch einen menschlichen Lufttreter beatmet werden können. Er wird gemeinsam mit dem wohl meistens an seiner statt arbeitenden Elektromotor in einem drei mal fünf Meter großen Gehäuse hinter die jetzt noch zugemauerten Bögen in der Michaelskirche platziert.

Der hintere Teil dieser fürs Publikum verschlossenen Anlage bleibt unverändert – eine Zeitkapsel, in der eine Spinnen-Dynastie, ein knappes Dutzend lebensgroßer Heiligenfiguren und zwei mit Grünspan überzogene Wetterhähne die Jahrhunderte überdauern. Die Figuren kamen wohl 1803 hierher, vermutet Pfarrer Richardt. Damals ließ Napoleon das Kloster Ilbenstadt schließen. Die überflüssig gewordenen Heiligen aus bemaltem Holz kamen in die Rumpelkammer über dem Basilika-Eingang.

Mit vergeistigten Gesichtern, so scheint es, ertragen sie diese lange Verbannung in großer Gleichmut. Bald wird sich in ihrer Nachbarschaft allerdings einiges tun. Und ab Herbst 2020 können sie, wenn sie es denn hören, die göttlichen Klänge von Bach, Händel und Vivaldi aus der runderneuerten Onimus-Orgel vernehmen. All das kostet eine Menge. Schon seit 2001 sammelt der zur Orgel-Restaurierung gegründete Verein Geld. Rund 200 000 Euro brachte die 1600 Katholiken aus Ilbenstadt, Bruchenbrücken und Assenheim zählende Gemeinde selbst auf.

150 000 Euro stiftete das Bundesamt für Denkmalschutz, weitere 50 000 die hessische Denkmalbehörde. Den gleichen Betrag überwies das Bistum Mainz. Zuletzt sagte die aus Lotterie-Mitteln gespeiste Deutsche Stiftung Denkmalschutz 45 000 Euro zu. Nun fehlen noch 20 000 Euro, berichtet Pfarrer Richardt.

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