+
Aufbruch zur Rettung der Kinder und des Trainers aus der Tham-Luang-Höhle im Norden Thailands. Gestern endete die Aktion erfolgreich.

"Albtraumhafte Vorstellung"

Eppsteiner Höhlenforscher spricht über die Rettung in Thailand

Frank Wolf aus Ehlhalten ist seit seiner Kindheit von unterirdischen Welten fasziniert. Er gehört inzwischen der Höhlengruppe des Deutschen Alpenvereins (DAV) an und war mit den Experten-Kollegen in den vergangenen Tagen auf Exkursion in den Loferer Steinbergen unterwegs. Zum Höhlendrama um die zwölf Fußball-Jungen und ihren Trainer in Thailand hat Frank Weiner den Fachmann befragt. Gestern wurden die letzten vier Kinder und ihr Coach von den Helfern aus dem Labyrinth unter der Erde gerettet.

Frank Wolf aus Ehlhalten ist seit seiner Kindheit von unterirdischen Welten fasziniert. Er gehört inzwischen der Höhlengruppe des Deutschen Alpenvereins (DAV) an und war mit den Experten-Kollegen in den vergangenen Tagen auf Exkursion in den Loferer Steinbergen unterwegs. Zum Höhlendrama um die zwölf Fußball-Jungen und ihren Trainer in Thailand hat Frank Weiner den Fachmann befragt. Gestern wurden die letzten vier Kinder und ihr Coach von den Helfern aus dem Labyrinth unter der Erde gerettet.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie immer neue Schlagzeilen – gerade zuletzt von der erfolgreichen Rettung in Thailand– lesen?

FRANK WOLF: Natürlich habe ich das gestern mit Erleichterung gelesen. Dass so viele Kinder in einer Höhle eingeschlossen sind und nicht mehr aus eigener Kraft heraus können, ist schon eine alptraumhafte Vorstellung.

Sie sind gerade erst von einer mehrtägigen Höhlenexkursion mit Arbeitsengagement aus Lofer in Österreich zurückkehrt. Mit welchem Gefühl sind Sie dort unter der Erde gewandert, während sich in Thailand zwei Wochen lang ein weltweit beachtetes Drama abspielte?

WOLF: Natürlich erinnert mich dieses Ereignis daran, dass unter Tage immer besondere Vorsichtsmaßnahmen geboten sind. Dazu gehört natürlich auch, den Wetterbericht zu beobachten – denn gerade bei sogenannten aktiv vadosen Höhlen, die regelmäßig von Wasser durchflossen werden, ist das Risiko, von Überflutungen überrascht zu werden, sehr hoch. Wenn ich mich gut vorbereite und das Risiko minimiere, fühle ich mich auch sicherer.

Sie sind als Höhlenforscher in Ihrer Freizeit schon viele Jahre aktiv. Haben Sie die aufregende Geschichte aus Fernost daher mit besonderen Augen, aus einem anderen Blickwinkel verfolgt?

WOLF: Tatsächlich habe ich mich gewundert, dass jemand die Höhle betritt, obwohl es klar war, dass die Regenzeit beginnt und dann auch im Norden von Thailand plötzlich heftige Monsunregenfälle einsetzen können.

Haben Sie selbst etwas Ähnliches erlebt, waren in einer Höhle eingeschlossen oder haben sich verlaufen?

WOLF: Ja, das ist schon sehr lange her. Damals hatte ich wenig Erfahrung mit Höhlen und bin allein und ohne Ersatzlampe – zwei Kardinalfehler – in eine labyrintisch verzweigte Höhle gegangen. Als tief in der Höhle die Lampe versagte, bin ich nur noch mit äußerster Mühe aus der Höhle wieder heraus gekommen.

Was sagen Sie aus Expertensicht zur Art der Rettungsaktion in Thailand und ihrem Ablauf?

WOLF: Ich bin positiv überrascht. Höhlenrettung ist auch in Europa erst seit kurzem in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Seit der Rettungsaktion in der Riesending-Schachthöhle in Berchtesgaden, die fast eine Million Euro gekostet hat, wird verstärkt in Höhlenrettung ausgebildet.

Ein Trainer spaziert mit zwölf Fußballjungs einfach in eine Höhle, sie alle werden eingeschlossen. In Deutschland oder Europa undenkbar?

WOLF: Das ist in Europa unterschiedlich. In Deutschland ist alles für meinen Geschmack manchmal übertrieben gut abgesichert. Droht die geringste Gefahr, wird der Zugang zu Höhlen auch für Spezialisten unterbunden. Frankreich ist da beispielsweise ein bisschen „legerer“.

Gehen Sie nach der Geschichte in Thailand künftig mit anderen Gefühlen unterirdisch forschen?

WOLF: Nein. Als Höhlenforscher bin ich mir der Gefahren bewusst, die dieses Interesse haben kann. Und das ist auch gut so, sonst wird man unvorsichtig.

Sollte ein solcher Fall Konsequenzen haben – etwa eine bessere Sperrung und Sicherung problematischer Höhlen?

WOLF: Eine Sperrung finde ich übertrieben. Wahrscheinlich ist es statistisch gesehen gefährlicher, in Bangkok eine Straße zu überqueren als in eine Höhle zu gehen. Vielleicht kann mit entsprechenden Schildern auf die Gefahren hingewiesen werden.

Sie sind ja auch in der Höhlengruppe des Deutschen Alpenvereins Frankfurt aktiv. Wird das aktuelle Thema dort nachbearbeitet?

WOLF: Mit Sicherheit. Höhlenrettung ist auch in der Höhlengruppe des DAV Frankfurt ein wichtiges Thema. Es gibt Kollegen in unserer Gruppe, die sich darin ausbilden lassen.

Auch Höhlenforscher suchen und brauchen Nachwuchs. Die Thailand-Geschichte trägt vermutlich nicht gerade zur Motivation bei. Was raten Sie jungen Leuten, die Interesse am Thema haben?

WOLF: Was Höhlen betrifft, siegt bei jungen Leuten meist die Faszination an der Sache. Wichtig ist natürlich, Interessenten sicherheitstechnisch gut vorzubereiten, auch für den Ernstfall. Es ist wichtig, sich der möglichen Gefahren bewusst zu sein, um sich in Höhlen vorsichtig zu bewegen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare