Atmosphäre vom Hessencenter. Borsigallee 40, Bergen, Enkheim, Frankfurt/M. Aufgenommen am 19.04.2017.
+
Atmosphäre vom Hessencenter. Borsigallee 40, Bergen, Enkheim, Frankfurt/M. Aufgenommen am 19.04.2017.

Nach Entscheidung

Aus für Erweiterung des Hessen-Centers sorgt für gemischte Reaktionen

Dass das Hessen-Center nicht erweitert wird (wir berichteten), führt zu gemischten Reaktionen: Während die Bergen-Enkheimer entsetzt sind, hält der Sprecher des Frankfurter Einzelhandels die Entscheidung für klug. Die Stadt hatte zwar städtebauliche Hoffnungen, kann mit der Entscheidung aber leben.

Die umliegenden Kommunen feiern, doch in Bergen-Enkheim ist die Stimmung im Keller: „Ich bedaure die Entscheidung, das Hessen-Center nicht zu erweitern sehr“, sagt Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU). „Das waren tolle Pläne, es hätte Bergen-Enkheim gut getan, wenn sich das Center mehr für den Stadtteil geöffnet hätte.“

Ursprünglich hätte das Einkaufszentrum von 39 000 auf knapp 53 000 Quadratmeter vergrößert werden und so näher an die U-Bahn rücken sollen. Die Stadtteilbibliothek wäre aus den zu kleinen Räumen in den Neubau gezogen, ein Platz mit kleinem Park hätte Center und Stadtteil enger zusammengeführt.

Bereits im Vorfeld waren das Centermanagement und die umliegenden Einzelhändler aufeinander zugegangen: „Zum ersten Mal in unserer Historie durften wir beim letzten Triebstraßenfest einen Stand aufbauen. Das fand ich gut“, sagt Centermanager Olaf Kindt. „Der Gewerbeverein Bergen-Enkheim freut sich schon auf die nächste gemeinsame Aktion zum diesjährigen Weihnachtsmarkt“, richtet dessen Sprecher Frank Weil über eine Pressemitteilung aus und wünscht einen „reibungslosen Umbau“.

Zu viel Diskussion

Doch bereits die notwendige Offenlegung im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens hatte gezeigt: Es gibt Widerstände. Denn im regionalen Entwicklungskonzept ist das Hessen-Center als Bestand eingetragen – eine Erweiterung ist dort nicht vorgesehen. Darauf pochten die Nachbarkommunen Hanau und Bad Vilbel. Und hätten im Zweifel Recht bekommen. Also wurden andere Varianten diskutiert.

„Unendlich viele“, sagt Centermanager Kindt. Noch Anfang dieses Jahres etwa sei eine kleinere Erweiterung im Gespräch gewesen, die zwar keine zusätzliche Verkaufsfläche, dafür aber Büros, mehr Gastronomie und den gemeinsam genutzten Platz möglich gemacht hätte. „Die Erfolgsaussichten wären größer gewesen“, sagt Marcus Gwechenberger vom Planungsdezernat. „Aber ganz sicher war auch das nicht.“ Damit war für die Hamburger Betreibergesellschaft ECE das Maß voll. Bis Mitte des Jahres habe man den Beteiligten Zeit gegeben, doch noch eine Lösung zu finden.

„Jetzt ist die Mitte des Jahres gekommen“, sagt Kindt. Schließlich feiere das Center in drei Jahren 50-jähriges Bestehen, „da müssen wir neu aufgestellt sein“. Nun sehen die Pläne ein neues Parkdeck und eine neue Außenfassade vor, auch innen soll die Mall saniert werden. Insgesamt will ECE rund 45 Millionen Euro investieren.

Das Problem: Wo große Handelsketten eine Filiale eröffnen, hängt unter anderem von der zu erwartenden Kundenzahl ab. Und die wiederum von der Größe des Einkaufszentrums. Für Marken wie Zara und Massimo Dutti, die zur Inditex-Gruppe gehören, ist das Hessen-Center in seiner jetzigen Form zu klein. „Ich mache mir deshalb Sorgen, wie es weitergeht“, sagt Ortssprecherin Müller-Friese. „Ich hoffe, dass das Center zumindest schön gemacht wird.“ Frank Weil vom Bergen-Enkheimer Gewerbeverein und Joachim Stoll, Sprecher des Frankfurter Einzelhandels, sehen die Sache ähnlich.

Damit enden die Gemeinsamkeiten zwischen Stoll und den beiden Bergen-Enkheimern aber auch schon. Denn Stoll sagt weiter: „Gleichzeitig ist es gut für die Innenstadt und das Umland, dass die Erweiterung gestoppt wurde.“ Zwar wisse man nicht, was die Zukunft bringe, tendenziell aber eher eine Zunahme des Onlinehandels und damit weniger Besucher im Einzelhandel. „Es sieht so aus, als würden wir relativ wenig zusätzliche Flächen brauchen.“

„Nicht noch eine Streitfront“

Doch selbst, wenn dieser Fall nicht einträte, wäre die Erweiterung ein großer Fehler gewesen, sagt Stoll: „Die Frankfurter Unternehmen benötigen dringend neuen Wohnraum für ihre Mitarbeiter. Da brauchen wir die Unterstützung des Umlands und nicht noch eine Streitfront.“ Die es im Falle einer Erweiterung mit Hanau „auf jeden Fall“ gegeben hätte. Auch Gwechenberger vom Planungsdezernat sagt: „Wir können mit der Entscheidung leben, dass das Hessen-Center ertüchtigt wird.“

Beginnen sollen die Arbeiten mit dem Abriss des bisherigen Parkdecks. Die Abrissgenehmigung hat die Stadt bereits erteilt, jetzt müssten nur noch die Bauunternehmer Zeit haben, sagt Centermanager Kindt. „Wir warten täglich auf den Starttermin.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare