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Treffpunkt Klärwerk: Die Mitglieder des Eppsteiner Magistrats schauten sich die Anlage am Ortseingang von Ehlhalten einmal genauer an ? und erfuhren allerlei interessante Details.

Gut in Schuss

Erweiterung der Kläranlage in Ehlhalden nur noch eine Frage der Zeit

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Abwasser aus vier Orten reinigt die Kläranlage Ehlhalten. Eine Erweiterung ist nur eine Frage der Zeit.

Der angenehmste Platz auf dem gesamten Gelände der Kläranlage ist dort, wo das gereinigte Wasser in den Dattenbach fließt. Dort nämlich ist nichts von dem Geruch zu bemerken, der sonst über dem Klärwerk wabert. „Nach einer Weile merkt man das kaum noch“, versichert Frank Goebel, technischer Geschäftsführer des Abwasserverbandes Main-Taunus. Der Eppsteiner Magistrat verspürte gestern bei einer Besichtigung der Kläranlage unterhalb von Ehlhalten nicht die Neigung, dies auszuprobieren.

Neun solcher Anlagen hat der Verband, die in Ehlhalten gehört zu den mittelgroßen. Hier kommt das Schmutzwasser aus Glashütten, Schloßborn, Eppenhain und Ehlhalten an. Durchschnittlich sind das

20 Liter pro Sekunde

, aber die Spannbreite ist enorm. In einer trockenen Phase bleibt es auch einmal bei 7 Litern, aber bei einem Starkregen könnenes auch mehrere 100 Liter werden. Die Anlage kommt mit solchen Schwankungen zurecht. Die Schraube etwa, die das Wasser in die erste Reinigungsstufe befördert, dreht sich umso schneller, je höher der Wasserstand ist. Wenn es zu viel wird, schaltet sich die zweite Schraube ein. Beide Bauteile sind seit 15 Jahren in Betrieb und müssen, eine nach der anderen, demnächst ausgetauscht werden. Goebel hofft, dass die Anlage während der Woche, die das dauert, mit einer Schraube auskommt, sonst läuft das Wasser ungeklärt in den Bach. Dafür gibt es eine Ausnahmegenehmigung, aber die soll möglichst nicht genutzt werden.

In der ersten Reinigungsstufe setzt sich der Sand unten ab und das Fett oben, allerlei Feststoffe bleiben in einem Rechen hängen. Dieses Material wird kompostiert, auch der Sand wird wiederverwertet. Das Fett wird in einen Faulturm zur Kläranlage Lorsbach gebracht, dort entsteht Gas, das zur Energieerzeugung genutzt wird.

In der zweiten Reinigungsstufe wird Phosphat aus dem Wasser geholt, zu diesem Zweck wird ein Stoff zugesetzt, der dazu führt, dass es sich am Boden absetzt. Und dann geht es zur dritten, der biologischen Reinigung, in die typischen kreisrunden Becken. Dort fressen Millionen von Einzellern und anderen Kleinstlebewesen alle möglichen Schmutzstoffe. Um das zu fördern, wird Luft in das Becken gepumpt, und das ist der größte Stromverbraucher auf der Anlage. 300 000 Kilowattstunden sind es jährlich, so viel wie 74 Vier-Personen-Haushalte verbrauchen.

Das lässt schon ahnen, dass ein Stromausfall zum Problem werden könnte. Der Abwasserverband plant aber, im nächsten Jahr ein Notstromaggregat anzuschaffen, wie es in größeren Anlagen schon vorhanden ist. Dies und die neuen Schnecken sind üblicher Unterhaltungsaufwand, größere Investitionen stehen hier vorerst nicht an. Wobei die Betonung auf dem Wort vorerst liegt. Goebel rechnet durchaus damit, dass eine vierte Reinigungsstufe vorgeschrieben wird, wie bei neuen Anlagen schon üblich. Wobei nicht überall das gleiche gemeint ist. Denkbar ist, Rückstände von Arzneimitteln oder andere Chemikalien aus dem Wasser zu holen; möglich wäre auch, das gerade im Blickpunkt stehende Mikroplastik auszufiltern. „Sollte man da nicht besser beim Verursacher anfangen?“, fragt Goebel. Mikroplastik befindet sich in Zahnpasta, in Sonnenmilch, in allerlei Kosmetikprodukten. Gezeigt hat sich, dass sich das Material in den Meeresfischen anreichert und wieder auf den Tisch der Verbraucher kommt. Zwangsläufig ist das nicht – es gibt auch Produkte ohne Mikroplastik.

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