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Geburtstagsrunde im Verlegerheim: Michel Friedman, Bodo Kirchhoff, Hannelore Elsner und Joachim Unseld (von links).

Stadtgeflüster

Ein etwas anderer Geburtstag

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Wenn ein Star-Autor wie Bodo Kirchhoff 70 Jahre alt wird, ist es mit einer „normalen“ Geburtstagsfeier nicht getan.

Wenn ein Star-Autor wie Bodo Kirchhoff 70 Jahre alt wird, ist es mit einer „normalen“ Geburtstagsfeier nicht getan. Das Geburtstagskind bekommt zum Wiegenfest nicht nur Glückwünsche und Geschenke.

Dafür sorgt schon sein Verleger und Freund Joachim Unseld . Wobei inzwischen der Freund vor dem Verleger stehen sollte. Schon etliche Jahrzehnte schreiten die beiden gemeinsam durch das schriftstellerische Leben des Wahlfrankfurters Kirchhoff. So holte das Duo vor zwei Jahren den Oscar der Buchbranche in der Bundesrepublik: den Deutschen Buchpreis. Damals mit dem Titel „Widerfahrnis“.

Nun legt der in Hamburg Geborene sein nächstes Werk vor. „Dämmer und Aufruhr. Roman der frühen Jahre“ hat er das Buch betitelt, in dem er auf seine Kindheit und Jugend eingeht. Beides galt es zu feiern. Klar, dass sich sein Freund Joachim nicht lumpen ließ und eine Party für ihn schmiss – und für sein Buch. Darin greift der zu den Mitteln und Freiheiten des Romans, um der Geschichte seiner Sexualität, die zugleich die Geschichte seines beginnenden Schreibens ist, einen Rahmen zu geben. Es ist eine Lebenslegende, die nah an der eigenen schmerzlichen Wahrheit bleibt, zu der auch die gescheiterte Ehe seiner Eltern gehört. Besonders das Verhältnis zur Mutter, der Schauspielerin und Krimiautorin Evelyn Peters , durchleuchtet er. Auch, dass er mit zwölf Jahren im Internat missbraucht wurde, spart er nicht aus.

Einen Monat vor dem runden Geburtstag und einige Wochen vor Erscheinen des neuen Bandes stieg das Festchen. Ins Verlegerheim wurde geladen. Und ein erlesener Kreis von Gästen gab sich an diesem heißen Vormittag ein Stelldichein zum literarischen Brunch im Hause Unseld. „Mit Kaffee und reichhaltigem und großteils vegetarischem Essen und gutem Wein“, wie Unseld die Veranstaltung appetitlich machte. Bei so einem exklusiven Angebot an Literatur und Leckereien – ohne Götterspeise, die es sonst bei der Unseld-Buchmesseparty immer gibt – war klar, dass nur wenige absagen. Zu denen, die kamen, zählte Jurist, Journalist und Moderator Michel Friedman . Je später der Vormittag, desto schöner die Gäste. Dies bewahrheitete sich bei Unseld wieder, als die Grande Dame des deutschen Films, Hannelore Elsner , ins unseldsche Wohnzimmer schwebte, das fast schon parlamentarisch bestuhlt war.

Natürlich gab es für den Schriftsteller, der wohl zu den wichtigsten zeitgenössischen deutschen Autoren zählt, auch ein Präsent. Sein Buch. Das erste gedruckte Exemplar der ersten Ausgabe. „Sein, wie ich es sehe, bislang wichtigstes Buch“, so Unseld zur Einstimmung auf die Lesung seines Autoren, der wohl zu den wichtigsten seines Hauses, der Frankfurter Verlagsanstalt, zählt. Kirchhoff setzte sich auf den ihm zugewiesenen Stuhl und trug Teile seines Romans vor. Auch das Stück, in dem seine Eltern in Italien in Alassio in einem Hotel wohnen und bei einem Abendessen 68 000 Lire in einem Restaurant ausgeben. Für den Vater eine Unsumme. Für die Mutter eine Wonne.

(es)

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