Guter Zweck

Extremlauf für Mädchenrechte: Jörn Theissig wirbt um Spenden

Um Geld für eine Geburtshilfeklinik in Äthiopien zu sammeln, die gegen weibliche Genitalverstümmelung kämpft, will der Kriminalbeamte Jörn Theissig mit seinem Team eine Salzwüste in Bolivien durchqueren.

Es geht um eine ernste Sache: der archaische, oft tödliche Brauch der Genitalverstümmelung, der in 35 Ländern praktiziert wird und dem jeden Tag 8000 Mädchen zum Opfer fallen. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, etwas gegen diese grausame Praxis zu unternehmen,“ sagt der Sachsenhäuser Jörn Theissig.

Mit Rasierklingen oder Glasscherben werden Mädchen vor allem in Afrika die äußeren Geschlechtsteile entfernt, die Wunden mit Akaziendornen vernäht. Unzählige Mädchen verbluten, die Wunden entzünden sich, und jede Schwangerschaft wird zum tödlichen Risiko für Frau und Kind.

Die Organisation Target von Rüdiger Nehberg betreibt eine Geburtshilfeklinik in Äthiopien, wo Opfer der Genitalverstümmelung behandelt werden. Damit mehr Frauen und Kinder gerettet werden können, braucht die Klinik dringend einen Krankenwagen: Diesen möchte Theissig mit dem Spendenlauf „Übers Salz für Mädchenrechte“ finanzieren. 38 000 Euro sollen zusammenkommen, um einen medizinisch voll ausgestatteten Ambulanzwagen zu kaufen.

„Um etwas zu erreichen, muss man aus seiner Komfortzone heraustreten,“ sagt Theissig. „Die Belohnung ist umso größer, wenn man es geschafft hat, sich aufzuraffen.“ Der Extremsportler weiß, wovon er spricht: Er hat schon 300 Kilometer weit auf Eis und Schnee den Yukon durchquert, vergangenes Jahr wanderte er auf dem zugefrorenen Baikalsee in Sibirien. Beide Male war sein Tourpartner Wolfgang Kulow dabei, auch in Bolivien ist der 67-Jährige mit von der Partie. Außerdem läuft Irene Burow, Redakteurin der Lübecker Nachrichten, mit, die sich von der Begeisterung der beiden anstecken ließ und täglich über den Lauf berichten wird.

Los geht es am 15. Oktober. Nach der Ankunft in La Paz geht es mit dem Bus zum Ausgangspunkt in Uyuni. Nach drei Tagen in 3600 Metern Höhe zur Akklimatisierung beginnt der sieben Tage währende Lauf durch den „Salar de Uyuni“, den höchstgelegenen und größten ausgetrockneten Salzsee der Welt, der eine Fläche von 10 000 Quadratkilometern hat.

Der Lauf wird alles andere als ein Spaziergang: In Tagesetappen von höchstens 30 Kilometern wollen die drei vorankommen – insgesamt 160 Kilometer weit, mit schwerem Gepäck. Jörn Theissig und Irene Burow laufen zu Fuß, Wolfgang Kulow fährt auf dem Fatbike. Kulow radelt voran, bereitet das Nachtlager vor und kocht abends. „Wir müssen 90 Liter Wasser transportieren, das meiste davon zieht Wolfgang im Anhänger hinter sich her.“ Gegen das Salz, den starken Wind und die Sonne müssen sich die Abenteurer möglichst verhüllen, Mundschutz und Gesichtsmaske sind obligatorisch.

Eine weitere Herausforderung ist die Orientierung im weiten weißen Nichts. „Brauchbares Kartenmaterial gibt es nicht, wir werden uns auf die GPS-Geräte verlassen müssen“, erklärt Theissig. Ein Sportarzt ist per Satellitentelefon ständig für das Team erreichbar.

Der 47-Jährige macht die Extremtouren auch, weil sie ihm persönlich sehr viel geben – nicht nur, weil er über sie auf ein wichtiges Thema aufmerksam machen kann, sondern vor allem wegen der eindrücklichen Begegnung mit der Natur. „Die Natur lehrt einen, dass man auch mit wenig auskommen kann. Das ist eine sehr erdende Erfahrung,“ sagt Theissig. In der Salzwüste erhofft er sich spektakuläre Aussichten: Auf der glatten Ebene spiegle sich stellenweise der Himmel und erzeuge optische Eindrücke wie aus einer unwirklichen Welt.

Informationen zum Spendenlauf gibt es auf Facebook unter . Dort ist auch ein Live-Tracking-System geschaltet, mit dem jederzeit die aktuelle Position und Hintergrundinfos zur Expedition einsehbar sind. Infos zum Verein Target gibt es unter .

Jeder Cent, der gespendet wird, fließt in die Finanzierung des Krankenwagens, versichert Theissig. Die Reise und die Tour finanzieren die Teilnehmer selbst. Gespendet werden kann im Internet – Spendenquittungen werden ausgestellt – auf der Spendenplattform Betterplace.org, der Link lautet bit.ly/2OtzD6P (oder bei Google die Stichworte „Betterplace übers Salz Theissig“ eingeben).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare