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Die PKW-Parkplätze, die vorher hier waren, wären Ladeninhaberin Claudia Gramlich lieber gewesen als die leeren Fahrradständer.

Nicht alle begeistert

Fahrradständer statt Parkplätze auf der Schweizer Straße

Auf der Schweizer Straße vor der Kreuzung zur Textorstraße hat das Straßenbauamt anstelle von vier Quer-Parkplätzen mehrere Fahrradbügel und drei Längsparkplätze eingerichtet. Dem Feinkostgeschäft „Il Gusto“ gehen wertvolle Kundenparkplätze verloren.

19 Fahrradbügel statt vier Parkplätze – der Anblick wirkt seltsam, zumal die alten Markierungen noch deutlich auf dem Bürgersteig unter den neuen Ständern sichtbar sind. Nur ein einziges Rad ist gestern Nachmittag dort festgemacht. Absurd, findet Claudia Gramlich, die Inhaberin des Feinkostladens Il Gusto, vor dessen Tür sich die Halteplätze befinden. Niemand wolle hier sein Fahrrad abstellen, aber ihre Kunden seien jetzt auf Parkplatzsuche. Sie befürchtet, dass viele Stammkunden deshalb bald gar nicht mehr kommen.

„Unser Geschäft lebt davon, dass Kunden mit dem Auto kommen, auch von weiter weg. Wir bieten einen schnellen Mittagstisch, für den viele auch herfahren. Wir haben Kunden aus anderen Frankfurter Stadtteilen, aus Bad Homburg und sogar Aschaffenburg, die gezielt bei uns einkaufen,“ berichtet Gramlich. „Und wir leben natürlich vor allem von den Kunden, die größere Dinge bei uns erwerben, wie Geschenkkörbe, Wein, Olivenöl und Geschirr. Das nimmt man nicht in die Hand oder auf dem Fahrrad mit nach Hause.“

Das Ungewöhnliche an der Situation ist, dass die Umgestaltung auf einen Antrag des Ortsbeirats 5 (Sachsenhausen, Niederrad, Oberrad) zurückgeht, dem wiederum die Bitte einer Ladeninhaberin aus der Kaulbachstraße zugrunde liegt, die ebenfalls befürchtete, Kunden zu verlieren. Das Geschehen ist so lange her, dass sich manch ein Ortsbeiratsmitglied gar nicht erinnert, weil der Antrag noch aus der vorigen Legislaturperiode stammt: September 2014.

Florian Reineking (FDP) war da noch gar nicht Mitglied des Ortsbeirats, hat aber den Vorgang nachverfolgt: „Weil auf dem Bürgersteig auf der Schweizer Straße zwischen Hedderich- und Textorstraße die Autos quer zur Fahrbahn parkten, blieb kaum Platz für die Fußgänger,“ erklärt Reineking. Die Gewerbetreibende meinte, dass deshalb Laufkundschaft fernbleibt.

Daraufhin wurde beantragt, dass entweder Längsparkplätze eingerichtet werden oder Schrägparkplätze, die auf die Fahrbahn ragen. Gut zwei Jahre später teilte die Stadt mit, dass Längsparkplätze markiert werden sollen. Und wiederum zwei Jahre später, nämlich vor etwa vier Wochen, geschah dies auch. Die Fahrradparkplätze kamen noch obendrauf, „um weiteren Nutzen aus der Maßnahme zu ziehen“, erklärt Michaela Kraft, Leiterin des Straßenbauamts.

Mit dem Ergebnis, dass es nun dem Einzelhandel eher schadet als nutzt. Von sieben Parkplätzen sind drei übrig, die jetzt längs zur Straße liegen. „Oft parkt jemand so ungünstig, dass keine weiteren Fahrzeuge Platz haben“, berichtet Claudia Gramlich. Es sei für inhabergeführte Geschäfte schon schwierig genug, zu überleben. „Gerade die Schweizer Straße zeichnet sich doch durch diese besonderen Geschäfte aus. Wir machen das hier mit viel Herzblut. Wenn nun die Kundschaft wegbleibt, gibt es uns bald auch nicht mehr,“ so Gramlich.

Die Wirtschaftsförderung habe versprochen, sich um das Problem zu kümmern. „Man sollte prüfen, ob im Umkreis Ersatzparkplätze geschaffen werden können,“ sagt auch FDP-Fraktionsmitglied Reineking. Aber das Ganze rückgängig machen sei nicht wünschenswert.

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