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Marktleiterin Verena Schlossarek nennt die Textilabteilung das Herzstück des Familien-Markts. Hier macht er den meisten Umsatz.

Gebrauchte Ware

Familienmarkt im Hessen-Center: "Hier sind Kunden keine Bittsteller"

Im Ökumenischen Familienmarkt können Menschen, die an der Armutsgrenze leben, günstig gebrauchte Waren kaufen. Nach dem Umzug nach Enkheim waren die Spenden eingebrochen. Die seien wieder gestiegen, sagt Leiterin Verena Schlossarek. Das ist wichtig, denn die Kunden hätten hohe Ansprüche. Und das sei auch gut so.

Wer umzieht muss sich in den neuen vier Wänden erst einleben. So ging es auch dem Ökumenischen Familienmarkt in Enkheim. Finanziell schlecht gestellte Menschen mit einem Frankfurt-Pass, können hier günstig gebrauchte Kleider, Möbel oder alltägliche Haushaltsgegenstände kaufen. Nachdem das Sozialkaufhaus vor etwa einem Jahr seinen Standort von Bornheim nach Bergen-Enkheim verlagert hatte, waren die Spenden erst einmal eingebrochen. Deutlich weniger Menschen kamen, um ihre gebrauchten Sachen abzugeben. Auf die ist das Secondhand-Kaufhaus allerdings angewiesen.

Dass die Spender nicht eben mal vorbeifahren, erschwerten nicht zuletzt die vielen Staus am Riederwald. „Das Spendenaufkommen hat sich aber mittlerweile wieder stabilisiert“, sagt Verena Schlossarek. Sie ist die Leiterin Familienmarktes. „Die Leute wissen jetzt, wie sie zu uns kommen und die Staus umgehen, indem sie über Seckbach fahren.“

Wenn Schlossarek ihre Runde durch den hellen und geräumigen Familienmarkt macht, hat man den Eindruck, dass der neue Standort gleich in doppelter Hinsicht zu dem Sozialkaufhaus passt. Nicht nur, weil es auf den rund 1200 Quadratmetern deutlich mehr Platz gibt. Die ehemalige Werkshalle betont auch, wie viel Arbeit Schlossarek und ihre Kollegen in die Ware stecken. „Es ist nicht so, dass die Spenden hierher gebracht werden und wir sie nur ins Regal legen.“ Während sie das sagt, öffnet sie die Doppeltür, die von dem Verkaufsraum hinten ins Lager führt.

Hier sortieren Schlossareks Kollegen die Sachen, die hinten am Tor abgegeben werden. Zehn Festangestellte und mehr als 50 vom Amt geförderte Mitarbeiter arbeiten für das Sozialkaufhaus, das von der Caritas und dem Diakonischen Werk getragen wird. Sie beraten Kunden oder holen etwa Möbel ab, die jemand spenden möchte. Zuvor prüfen Mitarbeiter allerdings, ob Schränke und Tische in brauchbarem Zustand und gefragt sind. „Ein gewaltiger Eichenholzschrankwand würde kaum einer kaufen“, sagt Schlossarek. Erstens sei es nicht Mode. Zweitens hätten Schlossareks Kunden meist gar keinen Platz für ein so großes Möbelstück. Wird eine Spende aus solchen Gründen abgelehnt, reagierten die Geber manchmal empört, sagt Schlossarek. „Unsere Kunden haben eben auch ihre Ansprüche.“

Das zeige sich auch am Herzstück des Ökumenischen Familienmarktes: der Textilabteilung. „Hier machen wir den meisten Umsatz.“ Es seien aber auch die arbeitsaufwendigsten Waren. Man müsse etwa schauen, dass die gefragten Textilien in allen Größen vorrätig seien – was nicht ganz leicht ist, vor allem weil Kleider meist am Ende der Jahreszeit gespendet werden, in der man sie braucht.

„Etwa die Hälfte der abgegebenen Kleider, Hosen oder anderen Textilien müssen wir aussortieren“, sagt Schlossarek. „Die werden dann auf anderen Wegen weiterverwertet.“ Nicht verkaufen ließen sich etwa Sachen, die müffeln, schmutzig sind oder wenn Knöpfe fehlen oder Nähte aufgehen. Die Kunden des Familienmarkts wissen genau, wo man auch sonst noch günstig einkaufen kann. „Wenn wir nicht günstiger bessere Qualität bieten als Billig-Discounter, werden wir die Ware nicht los“, sagt Schlossarek.

Wie die Marktleiterin so über die Ansprüche ihrer Kunden spricht, merkt man, dass sie die Entwicklung ganz gut findet. „Unsere Kunden kommen nicht als Bittsteller. Sie wollen Auswahl und gute Qualität.“ Das sei auch gut so, denn es sei eine Frage der Würde, sich seine Sachen selbst auszuwählen. „Wir leben nunmal in einer Konsumgesellschaft, an der aber nicht alle teilhaben können“, sagt Schlossarek. Darum seien die gestiegenen Ansprüche ein Erfolg, weil man eben lieber Konsument als Bittsteller ist.

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