100 Mitarbeiter

Fidelio Healthcare übernimmt Produktion von Mundipharma

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Limburg bleibt dank Fidelio Healthcare ein Pharma-Standort. Das noch junge Beratungsunternehmen aus Oberbayern setzt zusätzlich auf die Herstellung von Medikamenten, übernimmt die Produktionshalle von Mundipharma und wird auf der Dietkircher Höhe zum Start rund 100 Mitarbeiter beschäftigen.

Diese Medikamente kennt jeder: Tabletten gegen Kopfschmerzen und gegen Erkältung, Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate, schmerzstillende Salben – frei verkäuflich in Apotheken, Drogeriemärkten und Reformhäusern. Künftig werden einige dieser Produkte auch in Limburg hergestellt – dort, wo Mundipharma einst seinen Sitz hatte, auf der Dietkircher Höhe.

Limburg bleibt also ein Pharma-Standort, deutlich kleiner als bislang, auch mit weniger Mitarbeitern, aber mit Wachstumspotenzial. Davon sind zumindest Heiner Hoppmann und Dr. Andreas König, zwei der Gesellschafter von Fidelio Healthcare, überzeugt.

Dank der vertraglichen Vereinbarung mit Mundipharma, das seinen Limburger Standort aufgegeben hat, sei genügend Kapital in den ersten drei Jahren vorhanden, um in die Produktion investieren zu können – immerhin neun Millionen Euro. Dazu kommt das eigene Kapital der acht Gesellschafter. Das, was sie in Limburg aufbauen wollen, kommt nach Hoppmanns und Königs Angaben ohne Finanzinvestoren und ohne Kredite aus. Wenn alles gut läuft, soll sich die Zahl der Mitarbeiter in Limburg in den nächsten drei bis sieben Jahren auf bis zu 200 Beschäftigte erhöhen.

Wo heute noch der Schriftzug Mundipharma prangt, wird demnächst Fidelio Healthcare stehen. Das vor drei Jahren gegründete Unternehmen mit Sitz im oberbayerischen Seefeld hat nicht nur die Produktionshalle von Mundipharma in Limburg übernommen, sondern auch rund 100 Mitarbeiter. Sie sollen in den ersten drei Jahren vor allem die Medikamente herstellen, die der Vorgänger einst entwickelt hat, aber nicht mehr selbst in Deutschland produzieren will.

Wie viele Mundipharma-Präparate im hohen dreistelligen Bereich auch vom vierten Jahr an in Limburg produziert werden sollen, steht laut Hoppmann und König noch nicht fest. Aber Fidelio Healthcare habe bereits neben der vertraglichen Vereinbarung mit Mundipharma einen ersten Großkunden gewonnen, für den im vierten Quartal Kopfschmerztabletten hergestellt werden sollen. Mittelfristig strebt die Firma die Zusammenarbeit mit zehn Großkunden an, um möglichst stabil aufgestellt zu sein.

Der überwiegende Teil der Produktion soll dabei auf frei verkäuflichen Medikamenten mit einem technologischen Schwerpunkt auf Weichgelatinekapseln liegen. Aus einem einfachen Grund: weil sich in diesem Segment noch genug Geld verdienen lässt. Das soll nach Aussage von Hoppmann und König ohnehin erst vom sechsten Geschäftsjahr an der Fall sein.

Ein weiterer wichtiger Faktor für den erhofften wirtschaftlichen Erfolg am Standort Limburg ist die Produktivität: Maximal sei von Montag bis Freitag ein Drei-Schichten-Betrieb möglich und immer wieder auch nötig, um möglichst günstig produzieren zu können, betonen die Gesellschafter.

Einen deutlich kleineren Stellenwert soll hingegen die Herstellung sogenannter Generika einnehmen. Das sind Nachahmerpräparate eines Arzneimittels, dessen Patentschutz ausgelaufen ist. Diese Medikamente haben etwa die gleiche Wirkung wie das Original, sind aber deutlich günstiger. Was Krankenkassen und Patienten freut, ist aus unternehmerischer Sicht eher ein Risiko – eben weil sich damit kaum etwas verdienen lässt.

Fidelio Healthcare war bislang ein reines Beratungsunternehmen für Firmen im Bereich Pharmazie und Healthcare (damit sind allgemein Medizinprodukte gemeint), will sich mit der Produktion aber breiter aufstellen. Acht der Gesellschafter, alle mit Erfahrung aus der Branche, darunter sechs gelernte Apotheker, ein Arzt und ein Biotechniker, sind davon überzeugt, in der schwierigen Branche Erfolg zu haben. Und das ausdrücklich in Limburg. „Das ist hier ein attraktiver Standort“, sagt Hoppmann. „Limburg liegt in der Mitte Deutschlands, ganz nah am Frankfurter Flughafen, mit Autobahnanbindung – und hier ist es noch bezahlbar.“ Das sei gerade für potenzielle Mitarbeiter wichtig.

Zwar würden viele Medikamente inzwischen in Osteuropa und Asien hergestellt, aber die weltweite Zunahme von Medikamenten-Fälschungen habe die Pharma-Industrie vorsichtiger werden lassen. „Die Arzneimittelhersteller werden verstärkt auf eine Mischkalkulation setzen“, sagt König, „und auch wieder in Westeuropa und Deutschland produzieren lassen, weil sie die Verlässlichkeit zu schätzen wissen. Das Qualitätslabel ,Made in Germany‘ spielt eine große Rolle.“

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