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Bis Ende 2013 war im Hausener Weg noch das Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte untergebracht.

Modell-Projekt

170 Flüchtlinge und 120 Studenten teilen sich ehemaliges Max-Planck-Institut

Im ehemaligen Max-Planck-Institut direkt an der Niddabrücke entsteht eine neue Übergangsunterkunft für Flüchtlinge. Zudem werden dort Studenten einziehen. Die Pläne wurden am Dienstag in der Sitzung des Ortsbeirates 7 vorgestellt.

Mit einem verfremdeten Flugblatt haben Unbekannte versucht, Stimmung gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft am Hausener Weg zu machen. Ursprünglich hatte die Stabsstelle Flüchtlingsmanagement des Sozialdezernats die unmittelbaren Nachbarn der neuen Unterkunft zur Infoveranstaltung im Rahmen der Sitzung des Ortsbeirates 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) am Dienstagabend einladen wollen. Einige Tage später landete in den Briefkästen aber auch das verfremdete Flugblatt: In roten Großbuchstaben prangt da quer über der Einladung „Nein zur Flüchtlingsunterkunft!!!“. Und auf der angehängten Straßenkarte sind die Einrichtungen für Kinder und Jugendliche eingezeichnet, die sich in der Nähe der geplanten Unterkunft befinden.

„Wir verstehen, dass es in solchen Fällen immer Ängste und Besorgnisse gibt“, sagte Manuela Skotnik vom Sozialdezernat am Dienstag. „Aber dass ein Flugblatt genommen und geändert wird, ist eine Dimension, die neu in Frankfurt ist.“

Doch besorgt oder gar ängstlich zeigten sich die meisten der rund 200 Anwohner, die zur Sitzung gekommen waren, nicht. Ganz im Gegenteil: Viele sprachen sich für die Pläne der Stadt aus und zeigten sich erfreut darüber, dass es endlich eine Unterkunft gibt, in der die Flüchtlinge ihre Privatsphäre haben können – und nicht wie in Notunterkünften üblich in alten Fabrikhallen untergebracht sind.

Einige führten lediglich die jetzt schon schwierige Parkplatzsituation in Hausen und die Angst vor einer möglichen Lärmbelästigung durch die Übergangsunterkunft am Hausener Weg 120 an. „Immerhin sollen dort 290 Menschen untergebracht werden, und das wird naturgemäß auch laut“, sagte ein Anwohner.

Laut Skotnik wird sich die Parkplatzsituation rund um den Hausener Weg aber nicht verschärfen. „Dass Flüchtlinge ein Auto haben, ist eine absolute Ausnahme.“ Zudem sei eine Tiefgarage unter der neuen Unterkunft mit 48 Stellplätzen geplant. Und um Lärm zu vermeiden, werden rund 1400 Quadratmeter Außenfläche hinter dem Haus, also der Nidda zugewandt, geschaffen.

Neben knapp 170 Flüchtlingen bietet die Unterkunft auch Platz für rund 120 Studenten. „Das ist in Frankfurt ein neuartiges Konzept“, sagte Katrin Wenzel von der Stabsstelle Flüchtlingsmanagement. Dieses habe sich bei einem Pilotprojekt in München seit einiger Zeit bewährt. „Das Zusammenleben von Flüchtlingen und Studenten fördert die Integration“, so Wenzel weiter.

Zu einem großen Teil sollen in dem Gebäude sogenannte Mikro-Appartements entstehen. Diese sind rund 20 Quadratmeter groß und verfügen über eine eigene Kochmöglichkeit und ein kleines Bad. Die Miete wird etwa 430 Euro pro Appartement kosten. Etwa zwei Drittel der untergebrachten Flüchtlinge sollen Familien oder Alleinerziehende sein, ein Drittel alleinstehende Männer und Frauen. Die Stadt plant, dass etwa 40 bis 50 Kinder bis 17 Jahren einziehen. „Wir wollen hier Menschen unterbringen, die schon länger in einer Notunterkunft leben“, so Skotnik.

Die Wohnräume für Studenten und Flüchtlinge sollen etagenweise voneinander getrennt sein. Neben Sozialpädagogen und anderem Betreuungspersonal wird auch ein

Sicherheitsdienst

rund um die Uhr vor Ort sein. Voraussichtlich im Herbst 2019 soll die Unterkunft bezugsfertig sein.

Obwohl die Zahl der Frankfurt zugewiesenen Flüchtlinge rückläufig ist, sind neue Unterkünfte dringend notwendig. „18 Projekte mit Platz für 2670 Personen mussten wegen Befristung oder aus anderen Gründen geschlossen werden“, so Skotnik. Aktuell würden 4900 Asylbewerber von der Stadt Frankfurt untergebracht.

Investor für die Übergangsunterkunft am Hausener Weg ist die Düsseldorfer Wohnraum-, Bau- und Planungsgesellschaft „Solidare“. Wie hoch die Kosten für das Projekt sind, wollte Volker Heller von Solidare bei der Sitzung des Ortsbeirates nicht sagen.

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