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Johanna-Leonore Dahlhoff, Maged und Mustafa Kakow und Rascha Mir-Ali (von links) von der Musikinitiative ?Bridges?, die in den kommenden Monaten vom Projekt ?Ankommer? gefördert wird.

Startups

Flüchtlinge verdienen Geld als Musiker

Das Projekt „Ankommer“ geht ins dritte Jahr. Es fördert Startups, die sich für die Integration Geflüchteter einsetzen. Aus Frankfurt ist die Initiative „Bridges“ dabei, die deutsche und ausländische Profi-Musiker zusammenbringt – und damit voll im Trend liegt.

Erst ging es nur darum, gemeinsam zu musizieren. Ein interkultureller musikalischer Dialog über Genre-Grenzen hinweg. „Aber es war mir auch schon immer wichtig, dass Musiker fair bezahlt werden, egal woher sie kommen“, sagt Johanna-Leonore Dahlhoff, die vor zwei Jahren die Musikinitiative „Bridges – Musik verbindet“ gegründet hat. Bald verlangten die Musiker für Konzerte eine Gage.

Seitdem haben die mittlerweile 100 „Bridges“-Musiker rund 170 Auftritte gespielt. Auftritte in der Flüchtlingsunterkunft, aber auch vor der Bundesregierung waren laut Dahlhoff dabei. Rund 60 000 Zuhörer wurden so erreicht. „Die Gesellschaft profitiert von der musikalischen Qualität und nimmt sie als positive Integration wahr.“ Und den Geflüchteten bieten sich auf dem Arbeitsmarkt Chancen, die sie sonst kaum bekommen hätten: Einer hat die Aufnahmeprüfung für die Popakademie in Mannheim bestanden, drei weitere sind gerade dabei, sich selbstständig zu machen – was laut Dahlhoff schon für deutsche Musiker recht schwierig sei.

„Bridges“ ist eines von zehn Projekten, die in diesem Jahr vom Ankommer-Stipendium profitieren: Dahlhoff und ihre Mitspieler bekommen nun Coachings und Beratungen im Gegenwert von 12 500 Euro, um aus ihrer Initiative ein Unternehmen zu machen.

Ausgelobt werden die Stipendien von der Stiftung der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der gemeinnützigen Social Impact GmbH. „Es geht darum, Projekte mit Modellcharakter zu fördern“, sagt Stiftungs-Geschäftsführer Bernd Siegfried. Und „Bridges“ habe als einer der ersten Bewerber eine wichtige Erkenntnis der bisherigen Integrationsarbeit aufgegriffen, sagt Social-Impact-Geschäftsführer Norbert Kunz: Kultur als Integrationsmotor funktioniert.

Zuletzt seien noch drei weitere Integrations-Trends deutlich geworden. Zum einen, dass Gastronomie weiterhin die effizienteste Möglichkeit ist, um Geflüchtete in Arbeit zu bringen. Zehn der bundesweit 39 Projekte, die seit der Gründung gefördert wurden, behandeln diese Branche. „Und bei den Bewerbungen waren es noch deutlich mehr“, sagt Kunz.

Zudem habe sich gezeigt, dass es schwieriger ist, Frauen in den Arbeitsmarkt einzugliedern als Männer. Ein Stuttgarter Projekt etwa habe erhoben, wie stark Foto und Name Bewerbungen beeinflussen: Eine Frau mit deutschem Namen wurde in 80 Prozent der Fälle eingeladen, eine Frau mit türkischem Namen in 30 Prozent der Fälle, eine Frau mit türkischem Namen und Kopftuch in keinem. Ziel des Projekts ist nun, Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt zu fördern.

Schließlich würden auch Konflikte nicht mehr einfach totgeschwiegen. Eine Berliner Initiative etwa versuche, Geflüchtete für ihren Gesundheitszustand und mögliche Traumata zu sensibilisieren. Zudem bildet sie Geflüchtete zu Mediatoren aus, so dass Konflikte innerhalb der Unterkünfte ohne Dritte gelöst werden können.

Das Ankommer-Projekt verlaufe recht erfolgreich, sagt Kunz: Von 29 Teams der vergangenen beiden Jahre hätten 20 gegründet, drei seien gerade dabei, nur sechs seien gescheitert. „In der Gründerszene ist das eine gute Quote.“ So seien 321 Arbeitsplätze, 89 Ausbildungsplätze und 400 Qualifizierungsplätze für angehende Computerfachmänner geschaffen worden, deren Abschluss zwar in Deutschland nicht anerkannt werde, dafür aber von den großen IT-Firmen.

„Bridges“-Konzert

Sonntag, 29. April um 18 Uhr im hr-Sendesaal, Bertramstraße 8, Restkarten gibt es für 14 Euro, ermäßigt 7 Euro. Bertramstraße 8

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