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Klaus Huber, Christa Scheld, Volker Hartmann und Friedemann Scheld vom Verein Bürger für Wohnen ohne Fluglärm und Absturzgefahr.

Verein „Wofa –

Fluglärmgegner: Zum Aufgeben ist es zu laut

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Als erste in Frankfurt thematisierten sie Belastungen durch den wachsenden Flughafen. Dabei geht es nicht nur um den Lärm, sondern auch um den Schadstoffausstoß der auf dem Rhein-Main-Flughafen startenden und landenden Flugzeuge.

Nein, leicht sei es nicht mehr, vom Fluglärm betroffene Menschen nach 20 Jahren des Kampfes für das Thema zu gewinnen, darin sind sich Volker Hartmann und Friedemann Scheld einig. „Die Bereitschaft der Menschen sich zu engagieren nimmt ab, je länger die Aktionen laufen“, sagt Hartmann. „Die große Mehrheit, nicht nur in Oberrad, sagt längst: Wir können ja doch nichts ändern. Sie haben aufgegeben“, ergänzt Scheld. Zu übermächtig sei für sie die Lobby des Flughafens und seiner Befürworter.

Immerhin sei es ja besser geworden, fänden viele: Die schweren Militärtransporter der Amerikaner seien vom Himmel verschwunden, es gebe ein Nachtflugverbot, es sei ja leiser als früher. „Aber der Groll ist immer noch da, er sitzt tief. Und viele überlegen nach wie vor, wegen des Lärms wegzuziehen“, sagt Hartmann.

Doch sie kämpfen weiter, auch 20 Jahre nach der Gründung von „Wofa“, dem ältesten Frankfurter Verein, der sich mit „den Belastungen durch den Flughafen Frankfurt/Main auseinandersetzt, wie sie in einer Einladung für ihre Infoveranstaltung am kommenden Samstag, 13. Oktober, schreiben. Denn dann informieren sie am Infokiosk des Vereins „Bürger für Wohnen ohne Fluglärm und Absturzbedrohung (Wofa)“ an der südöstlichen Ecke des Buchrainplatzes über neue Entwicklungen, auch aus Anlass der bevorstehenden Landtagswahl.

Tief sitzt bei ihnen noch der Zorn auf die frühere Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). Die habe all jenen, die gegen den Flughafenausbau protestierten, geraten, sie hätten ja „das demokratische Recht, wegzuziehen“, wenn es ihnen zu laut sei, erzählen Hartmann und Scheld fast wortgleich.

Doch sie wollen sich weder vertreiben lassen noch aufgeben. „Wenn ich nichts tue, werde ich noch unzufriedener“, sagt Scheld. Der Kampf gegen Fluglärm, Feinstaub und Kohlendioxid und -monoxid sei „auch ein Ventil, um meinen Ärger abzubauen.“

Genau das, der Lärm und die vom Flugverkehr verursachten Schadstoffe, sind die Themen, die sie im beginnenden Landtagswahlkampf den Menschen nahe bringen wollen. „Zwar gibt es inzwischen das Nachtflugverbot zwischen 23 Uhr und 6 Uhr morgens. Aber gerade in der letzten Zeit gibt es viele Verspätungen, vor allem von den neu am Rhein-Main-Flughafen ansässigen Billigfluggesellschaften.“ Das der Flughafenbetreiber Fraport Ryanair und andere Billigflieger hierher holte, stößt bei Scheld sauer auf. Auch weil sie eigentlich dafür kämpfen, das Nachtflugverbot auf die Zeit von 22 bis 6 Uhr auszudehnen, also auf acht Stunden.

Ein Erfolg sei immerhin, dass die Stabstelle für Fluglärmschutz nun im Frankfurter Süden zwei feinstaub-Messstationen aufgestellt habe. Denn der sei gefährlich, die Kleinstpartikel kämen mühelos durch die menschlichen Zellwände, lagerten sich im Körper ab und machten langsam und unmerklich krank. „Beim Lärm merkt man direkt, wie er krank macht, beim Feinstaub nicht.“ Dass der Flugverkehr ein großer Verursacher des Feinstaubs sei, wolle der Flughafenbetreiber noch immer nicht wahr haben. „Dabei gibt es dazu inzwischen präzise Messungen.“

Angefangen habe „Wofa“ als lose Initiative, noch bevor Fraport 1995 seine Ausbaupläne verkündete, erzählt Hartmann. „Unseren ersten Stand hatten wir beim Gemeindefest der Melanchthongemeinde.“ Anfangs nannten sie sich „Frankfurter Fluglärm Initiative“. Den Verein Wofa gründeten sie dann am 9. Mai 1998, um ihrem Engagement einen festen Rahmen zu geben.

„Damals drohte ja noch eine neue Start- und Landebahn mitten im Schwanheimer Wald. Und wir informierten die Menschen im Frankfurter Süden, was das für sie bedeutet hätte.“ Bald entstand auch das Bündnis der Bürgerinitiativen (BBI), von denen es heute im Rhein-Main-Gebiet 80 gibt, alleine sechs davon in Frankfurt. „Einige aus jener Zeit seien immer noch aktiv, andere zogen weg, jüngere neu hinzugezogene Oberräder kamen hinzu“, sagt Hartmann.

Am kommenden Sonntag also öffnen sie wieder einmal ihren „Fluglärm-Kiosk“, von 10 bis 13 Uhr. Zur gleichen Zeit hat übrigens auch die „Stabstelle für Fluglärmschutz“ einen Infostand auf dem Platz, um mit Bürgern über den Fluglärm zu diskutieren.

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