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Hochzeit für Abschlepper: Besonders bei Großveranstaltungen wie dem Radrennen am 1. Mai schlägt ihre Stunde.

Falschparker

In Frankfurt wird wieder mehr abgeschleppt

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Noch immer werden Falschparker in Frankfurt nur sporadisch abgeschleppt: Im Herbst hatten mehrere Frankfurter Abschleppfirmen eine europaweite Ausschreibung beanstandet, die Stadt griff auf auswärtige Anbieter zurück. Ab dieser Woche sollen nun wieder mehr Abschlepper im Einsatz sein.

In Frankfurt ist er bekannt wie ein bunter Hund: der wohl schillerndste Abschleppunternehmer Deutschlands, Guido Dentz. Gemeinsam mit seiner Frau Angela führt der Mann mit der blonden Mähne und den vielen Goldketten um den Hals das Familienunternehmen in Eckenheim bereits in dritter Generation. Das ZDF hat ihn vor drei Jahren in der zweiteiligen Reportage „Die Abschlepper“ begleitet, und auch RTL2 saß schon mit ihm auf dem Bock. Damals hieß es noch in der Ankündigung zum ersten Teil der ZDF-Reportage „Guido räumt ab“: „Wenn das Ordnungsamt anruft, müssen sich Guido und seine Leute beeilen.“

Derzeit ruft das Ordnungsamt Guido Dentz nicht an. Denn Dentz gehört zu den Frankfurter Abschleppern, die im Herbst eine europaweite Ausschreibung der Frankfurter Abschlepp-Aufträge beanstandet und gestoppt hatten. Das hat ihnen der städtische Vergabepartner krummgenommen. Dentz gehörte zu einer Arbeitsgemeinschaft Frankfurter Abschleppunternehmer. Diese AG zu zerschlagen habe sich die Stadt vorgenommen – um die Preise zu drücken, argwöhnt Dentz.

Die Frankfurter Abschlepp-Arbeitsgemeinschaft (AAG) bestand aus sieben unterschiedlich großen Unternehmen, vom Osten bis in den Westen der Stadt. „Wir haben gemeinsam unseren Auftrag sauber erfüllt“, sagt Dentz. Was der eine nicht habe leisten können, habe er an den anderen weitergegeben. Nicht jeder könne alles, sagt Dentz und nennt ein Beispiel: Um aus Tiefgaragen abzuschleppen, braucht es etwa ein Spezialfahrzeug, das nicht jeder hat. Und: Den Abschleppdienst bei Großveranstaltungen, wo binnen kürzester Zeit bis zu 100 Autos an den Haken genommen werden müssten, könne kein Unternehmer allein leisten. „In solchen Fällen, etwa wie bei den EZB-Demonstrationen oder auch beim Radrennen zum 1. Mai, müssen zu viele Fahrzeuge gleichzeitig im Einsatz sein.“

Wegen des Streits zwischen der Stadt und den Abschleppern der AAG sind derzeit nur zwei auswärtige Unternehmer in Frankfurt im Einsatz, aus Hanau, mit entsprechenden Anfahrtszeiten von bis zu einer Stunde. Den Frankfurtern sei früher von der Stadtpolizei ein Auftrag storniert worden, wenn sie nicht binnen 30 Minuten aufgekreuzt seien. Außerdem sei die Kapazität der beiden Unternehmen zu gering: „Bei Großereignissen reicht das nicht“, sagt Dentz.

Ist das Radrennen am 1. Mai in Gefahr? „Wenn der Zustand dauerhaft so wäre, wäre es suboptimal“, räumt Markus Kalb ein. Er ist Stellvertretender Leiter der städtischen Verkehrspolizei. Doch der Zustand werde sich bald ändern: „In den nächsten Tagen läuft das Interessen-Bekundungsverfahren ab. Damit wird sich die Zahl der zur Verfügung stehenden Abschleppdienste erhöhen.“

Das Interessen-Bekundungsverfahren sieht Guido Dentz als einen Versuch, die Unternehmer gegeneinander auszuspielen: Jeder muss ein getrenntes Angebot abgeben. Allerdings, wie Dentz sagt, „für einen Auftrag, den er gar nicht allein bewältigen kann“.

Die ursprüngliche Ausschreibung sei von der AAG in 40 Punkten gerügt worden, auf die es noch immer keine Antworten gebe; im erwähnten Verfahren seien alle Firmen nur einzeln zur Abgabe eines Gebots berechtigt: „Das Ziel war es, uns als AAG zu sprengen.“

Dabei sei der Gesamtauftrag nur als Arbeitsgemeinschaft zu erfüllen. „Wenn man sich mal zusammensetzt, ist das nicht gleich eine illegale Absprache.“

Dentz nennt Zahlen: In ganz Frankfurt gebe es pro Jahr in der Regel 12 000 Abschleppungen, also etwa 1000 pro Monat, rechnerisch 33 pro Tag. Allerdings: Sonntags lasse die Stadt nicht abschleppen und samstags nur in Ausnahmefällen. Auch nachts zwischen 21 und 6 Uhr gebe es keine städtischen Aufträge. Also konzentriere sich alles „auf wenige Stunden“ – für ein oder zwei Unternehmen nicht leistbar.

„Sieben Firmen haben das gemeinsam nur mit größter Mühe geschafft“, sagt Dentz, und verweist auf 85 Abschleppungen in zwei Stunden beim Frankfurt-Marathon. Deshalb seien im Februar beim Fastnachtsumzug 40 Autos von Falschparkern „einfach stehen geblieben“.

Dentz weiß, dass sein Gewerbe nicht beliebt ist. Nicht selten bekommen er und seine Mitarbeiter den Frust der Falschparker ab, wenn sie ihre abgeschleppten Fahrzeuge für 250 Euro oder mehr auslösen müssen. Was die meisten nicht wissen: Der Abschleppunternehmer erhält für seine Arbeit nur einen Teil der Gebühren, und davon muss er auch seine Beschäftigten entlohnen. Die Stadt gibt vor, auf welchen „Umsetzplatz“ ein abgeschlepptes Auto gebracht werden müsse, an die Eissporthalle, ans Brentanobad oder wohin auch immer. Im Interessen-Bekundungsverfahren sei kein Auftragsvolumen angegeben und kein Einsatzgebiet: „Ich weiß nicht, ob ich nach Preungesheim oder nach Nied muss.“ Trotzdem hat Dentz nun, wie verlangt, sein Interesse bekundet: „Wer sich nicht bewirbt, ist aus dem Rennen.“ Ordnungshüter Markus Kalb ist zuversichtlich, dass bald wieder alles im Lot ist: Die Verkehrspolizei bekomme nach Ende des Verfahrens bis nächste Woche eine Liste der Unternehmen, das sind dann mehr als nur die zwei aus Hanau.“ Allerspätestens ab der 16. Kalenderwoche werde wieder wie früher abgeschleppt.

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