Freisprechung bei der Kreishandwerkerschaft – 70 Gesellenbriefe verteilt

  • VonAlexander Schneider
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Handwerk hat „goldenen Boden“. Immer noch? Immer noch! Bei der Kreishandwerkerschaft und auf Innungsebene ist man davon fest überzeugt, wie auch eine ganze Kurhausbühne voll mit freigesprochenen Gesellen zeigte . . .

Treffen sich drei Maurer, sagt der eine: „Ich packe Steine aufeinander.“ Der zweite: „Ich verdiene Geld für meine Familie.“ Und der dritte: „Ich baue eine Kathedrale.“ – Pfarrerin Anika Rehorn erzählte diese Geschichte am Mittwoch bei der Freisprechungsfeier des Handwerks im Hochtaunus als Parabel und ermutigte alle 70 Junggesellen, egal in welchen Berufen, „Kathedralen“ zu bauen. Nicht nur der erstmals bei einer Freisprechungsfeier erteilte kirchliche Segen machte die Veranstaltung im Landgraf-Friedrich-Saal so stimmungsvoll. Auch die Oberurseler Nachwuchssängerin Marleen Hornung hat dazu mit Liedern zur Gitarre beigetragen, nicht zuletzt mit ihrer Interpretation von Andreas Bouranis „Ein hoch auf uns“ ganz zum Schluss.

70 Gesellenbriefe in zehn Gewerken hatte es bei dieser 29. Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft zu verteilen gegeben. Die Ordnungsnummer zeigt: Im nächsten Jahr wird gefeiert.

Kreishandwerksmeister Walter Gernhard rief den Junggesellen zu, sie könnten stolz darauf sein, die Prüfung geschafft zu haben, aber auch die richtige Berufswahl getroffen zu haben. Arbeitsplätze von Handwerkern seien aufgrund der fundierten Ausbildung besonders sicher. Weltweit genieße das Duale System nur den allerbesten Ruf und deutsche Handwerker seien überall gefragt. Die Entscheidung, eine Lehre zu beginnen, sei nie eine Einbahnstraße. Durch Weiterbildung wie Fachhochschulstudium und Meisterkurs sei eine Handwerksausbildung eine gute, gesellschaftlich zudem absolut nötige Alternative zum Hochschulstudium. Jedoch müssten Handwerker immer bereit sein, dazuzulernen, gerade im Handwerk sei nichts so beständig wie der Wandel, so Gernhard.

Wichtiger Zweig

Auch Rainer Mangler-van Klev, Vizepräsident der Handwerkskammer Frankfurt Rhein-Main, betonte die enorme Bedeutung des Handwerks als prosperierender Wirtschaftszweig. Dem akuten Fachkräftemangel in nahezu allen Gewerken könne nur durch junge Menschen, die bereit sind, ein Handwerk zu erlernen, und Betriebe, die bereit seien, sie auszubilden, abgeholfen werden. Tatkraft, Ehrgeiz, Leidenschaft seien die Grundvoraussetzungen, damit werde das Fundament für die Zukunft gelegt, sagte der Festredner und zeigte sich angesichts 70 erfolgreich abgelegter Gesellenprüfungen im Hochtaunus beeindruckt: „Hut ab vor dieser Leistung!“

Auch Mangler-van Klev hält die Duale Ausbildung für einen Exportschlager des deutschen Handwerks, allerdings müsse da noch im grenzüberschreitenden Austausch einiges an Überzeugungsarbeit geleistet werden. Wie zuvor der Kreishandwerksmeister, riet auch der Vize-Kammerpräsident jungen Leuten, aber auch deren Eltern, bei der Wahl des Bildungswegs den Blick zu öffnen. Ein Abitur und Hochschulstudium seien zwar für viele der richtige Weg, aber auch nicht der alleinige Königsweg.

Mangler-van Klev bat die frischgebackenen Junggesellen, in ihrem Freundeskreis für eine Ausbildung im Handwerk zu werben. Arbeitszeiten und Arbeitslöhne seien zwar teilweise ein Problem, an dem wer-de aber verbandsseitig gearbeitet. Die Vielseitigkeit und die Befriedigung über handfest Geleistetes machten aber auch manchen vermeintlichen Nachteil wett, was von sehr vielen auch erkannt werde. Dafür spreche auch, dass es in Deutschland etwa 130 verschiedene Gewerke gebe und fünf Millionen Menschen, die darin arbeiten und dem Handwerk ein Gesicht geben.

Bad Homburgs OB Alexander Hetjes sagte, er sei stolz auf die Vielfalt des Handwerks in der Stadt. Bei seinen Betriebsbesuchen werde ihm aber immer wieder der Fachkräfemangel als Problem genannt.

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