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Die Ehrensenatorinnen Renate von Metzler (links) und Karin Giersch.

Bildungsinstitut

Freunde feiern sich – und die Uni

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Tausend Gäste bevölkerten gestern das Casino der Goethe-Universität. Die Freunde und Förderer des Bildungsinstitutes feierten den 100. Geburtstag der Einrichtung.

Tausend Gäste bevölkerten gestern das Casino der Goethe-Universität. Die Freunde und Förderer des Bildungsinstitutes feierten den 100. Geburtstag der Einrichtung. Grund genug, es mal so richtig krachen zu lassen. Mit Reden des Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU), der Uni-Präsidentin Birgitta Wolff sowie des Chefs der Freunde und Förderer Wilhelm Bender , ehemaliger Fraport-Chef. Außerdem sprach Bürgermeister Uwe Becker (CDU).

Die Rede zum Fest hielt Bestsellerautor und Fernsehmann Christopher Clark aus Cambridge. Er habe wie kein anderer die politischen Umbrüche vor und nach dem Ersten Weltkrieg untersucht, also der Gründungszeit von Goethe-Universität und Freundesvereinigung. Dieselben Mäzene und Stifter sorgten 1918 mit der Vereinigung von Freunden und Förderern dafür, dass die junge Universität nach den verheerenden Folgen des Ersten Weltkriegs weitermachen und sich behaupten konnte.

Seither fördern die Freunde Zukunft, indem sie die Universität jährlich mit umgerechnet einer Million Euro unterstützen. Vieles von dem, was heute den weltoffenen Geist der Universität ausmacht, ist mit Mitteln der Freunde finanziert worden, etwa die Gründung des ersten Lehrstuhls für Soziologie in Deutschland, auf den Franz Oppenheimer berufen wurde, oder die 1959 eingerichtete Poetik-Vorlesung, die seinerzeit von Ingeborg Bachmann eröffnet wurde.

Die Freunde wären Berufung und Tradition nicht gerecht geworden, hätten sie nicht die Universität in ihrem Jubiläumsjahr in besonderer Weise beschenkt: Neben der Millionensumme, die sie ohnehin jährlich ausschütten, floss ein weiterer siebenstelliger Zusatzbetrag. „Wir wollen damit zeigen, wie ernst es uns mit der Förderung von Zukunft ist“, sagte Bender. „Gerade in Zeiten von Fake News und Populismus brauchen wir kritisch denkende Menschen, die unsere Zukunft im Dienst des Fortschritts und der Humanität gestalten. Probleme der Gegenwart werden auch an Hochschulen gelöst – davon waren auch unsere Gründer zutiefst überzeugt gewesen.“

Die beiden Ehrensenatorinnen Renate von Metzler und Karin Giersch haben zusammen mit Stefan Quandt bei einem Benefizkonzert zum 100. Jubiläum rund 200 000 Euro gesammelt. Mit diesem Geldgeschenk soll ein Labor eingerichtet werden, das die komplexen immunologischen Veränderungen bei Krebs untersucht.

„Wir haben keine Kinder, deshalb unterstützen wir die Universität. Es gibt doch nichts Schöneres, als junge Menschen glücklich zu machen“, findet Karin Giersch.

Über den siebenstelligen Zusatzbetrag können zudem viele zusätzliche Projektanträge bewilligt werden. „Die Freunde sind für die Goethe Universität eine unverzichtbare Brücke in die Frankfurter Stadtgesellschaft und die Rhein-Main-Region. Sie sind unsere Botschafter, Stifter und Ratgeber. Mit ihrem unermüdlichen Engagement haben sie einen wichtigen Anteil am Erfolg der Goethe-Universität in Wissenschaft und Gesellschaft“, sagte Uni-Präsidentin Wolff.

Auch Hessens Ministerpräsident Bouffier gratulierte – mit einer Ehrenplakette aus Höchster Porzellan. Das Jubiläum sei Anlass, um an die Menschen zu erinnern, die nach den Wirren des Ersten Weltkriegs die Vereinigung von Freunden und Förderern gründeten. „Dieser beispielhafte Einsatz für den Wissenschaftsstandort Frankfurt trug entscheidend zur Wiederbelebung der Goethe-Universität nach dem Weltenbrand der Jahre 1914 bis 1918 bei“, so der Ministerpräsident. „Mit viel Leidenschaft gingen diese Frankfurter Bürger zu Werke – und das zeichnet die Mitglieder der Freundesvereinigung auch heute noch aus.“

Zu den Gästen des Abends zählte auch Promi-Figaro Jürgen Tröndle . „Ich habe die Haare und das Leben studiert“, scherzte er. Er lebt wieder in Frankfurt, „und zwar in die Nähe der Uni. Da möchte ich nachholen, was ich damals verpasst habe und Philosophie und Kunstgeschichte studieren“, sagte er.

Und weil man nie genug Freunde haben kann, setzen sich Bender und die stellvertretende Vorsitzende der Freundesvereinigung Julia Heraeus-Rinnert mit Nachdruck für die Gewinnung neuer Mitglieder ein. Mit 1600 Freunden gehört die Vereinigung bereits zu den größten ihrer Art.

(es)

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