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Ein Rotfuchs

Hochtaunus

Fuchs beißt Frau auf der eigenen Terrasse

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Ingrid Wiechens hatte vor einer Woche eine folgenschwere Begegnung. Das hat die Diskussion über Füchse in Wohngebieten jetzt wieder neu entfacht.

Vor genau einer Woche sitzt Ingrid Wiechens am Nachmittag gemütlich auf ihrer Terrasse im Vockenhäuser Wohngebiet. Sie hat die Augen geschlossen, ein wenig gedöst. Plötzlich schreckt sie auf: „Was läuft da unter mir durch?“, so ihr erster Gedanke. Dem folgt der Schreck: Ein Fuchs spaziert an ihren Füßen herum. Schlimmer noch: Meister „Reinecke“ beißt ihr in den Knöchel des linken Fußes und macht sich dann aus dem Staub.

Als Ingrid Wiechens bei unserer Zeitung vorbeischaut und diesen Fall schildert, ist sie noch immer aufgewühlt. „Ich denke ständig an diesen Fuchs“, sagt sie. Auch die Nächte könnten besser sein. Gesundheitlich ist es nicht einfach. Sie fuhr zwar gleich nach dem Vorfall in die Notaufnahme des Krankenhauses in Bad Soden, musste dann zur Weiterbehandlung in die Uniklinik in Frankfurt. Dort wurde die Wunde nochmals versorgt, ihr zudem zur Tollwut-Impfung geraten. Insgesamt fünf Wochen lang muss sie jeweils einmal zum Arzt. „Die Impfungen sind nicht ohne“, weiß sie. Aber es habe ihr niemand versichern können, dass „ihr“ Fuchs keine Tollwut hat – deshalb sei die Vorsichtsmaßnahme besser.

Ingrid Wiechens will die Sache nicht lautlos ausklingen lassen. Sie hat an die Stadt und den Main-Taunus-Kreis geschrieben, fordert Maßnahmen gegen Füchse – „um eine zukünftige Gefahr für die im Wohngebiet lebenden Menschen auszuschließen“. Sie betont: „Es kann doch nicht sein, dass ich mich auf meiner Terrasse nicht mehr frei bewegen kann. Muss erst etwas passieren, bis man etwas unternimmt?“

Ihr Zorn richtet sich vor allem gegen andere Anwohner. Wie sie erfahren hat, sollen die Füchse dort angefüttert worden sein – sogar mit Hähnchenkeulen. „Die Leute haben die Tiere nicht mehr zu füttern“, fordert sie und weiß, dass sich die „Rotkittel“ seit einigen Monaten in Vockenhausen breitmachen. Das Tier, das sie biss, sei kein Einzelfall. Sie habe auf dem Sportplatz zwei Kinder beobachtet, denen ein Fuchs näher kam. Sie konnten das Tier aber zum Glück vertreiben.

Eine ganze Reihe von Beschwerden sieht die für das Ordnungsamt zuständige Erste Stadträtin Sabine Bergold indes nicht. Es habe vor einigen Jahren einen vergleichbaren Fall gegeben. Damals seien Lebendfallen eingesetzt und ein Fuchs erwischt worden. Das soll nun wieder passieren, kündigt Sabine Bergold an. Fernab vom Revier habe der zuständige Jagdpächter diese Befugnis allerdings nicht, deshalb werde die Untere Jagdbehörde um Unterstützung durch professionelle Jäger gebeten. Schließlich könne keinem Mitarbeiter der Stadt zugemutet und erlaubt werden, Fallen zu legen und zu kontrollieren.

Sabine Bergold stellt damit auch klar: „Erschossen wird bei uns kein Fuchs.“ Auch das hatte Ingrid Wiechens in ihrem Schreiben angesprochen. Die Stadt kündigt zudem einen entsprechenden Hinweis an die Bürger an. Denn Sabine Bergold weiß ebenso wie Ingrid Wiechens: „Das Problem ist, dass Menschen Füchse anfüttern.“ Da dürfe nicht sein, davor warne die Stadt.

Auch der Main-Taunus-Kreis äußert sich ausführlich dazu. „Der Fall, bei dem in Vockenhausen eine Bewohnerin auf ihrer Terrasse von einem Fuchs gebissen wurde, ist uns bekannt. Der Biss von einem Fuchs ohne Grund ist ein ungewöhnlicher Einzelfall“, sagt Sprecher Johannes Latsch und teilt weiterhin mit: „Ohnehin gibt es in Eppstein seit Jahren Probleme mit Füchsen.“ Als Kulturfolger seien die Tiere aber in allen Kommunen des Kreises vertreten. „In der jüngeren Zeit gab es Probleme mit Füchsen noch in Hattersheim und Kelkheim.“

Grundsätzlich informiert der Kreis zum Thema: „Der Umgang mit Wildtieren und auch bei einer Gefährdung durch Wildtiere ist in zahlreichen Gesetzen geregelt – und was man darf und was nicht, hängt vom Einzelfall ab und ist sehr komplex.“ Die Lage in der dicht besiedelten Metropolregion zieht auch Füchse an. „Es ist, mit anderen Worten, die Kehrseite unserer Naturnähe. Da bleiben Konflikte zwischen Tier und Mensch nicht aus“, sagt Latsch und rät: „Grundsätzlich sollte man von Wildtieren Abstand halten, sie nicht anfassen und nicht füttern.“

Kreis, Städte und Gemeinden werden aktiv, wenn Gefahr für die öffentliche Sicherheit droht – zum Beispiel bei Tierseuchen. „Sie haben aber nicht die Aufgabe, generell den Wildtierbestand in Siedlungsgebieten zu regeln“, informiert der Sprecher. Füchse dürfen in Siedlungsgebieten nicht gejagt werden. „Allenfalls kann die Kommune einen Jäger beauftragen, der Fallen aufstellt oder eine Ausnahmegenehmigung zum Schießen erhält“, sagt Latsch. So soll es in Eppstein passieren. In Jagdbezirken wiederum gelten andere Regeln.

Wer sein Grundstück schützen möchte, ist dafür selbst verantwortlich und kann das tun, zum Beispiel durch Zäune. Bei einer konkreten Gefahr durch ein Tier sollten Bürger die Polizei informieren. Ein Betroffener selbst darf laut Gesetz kein Tier gefährden, verletzen oder töten. In den Sozialen Netzwerken in Eppstein sind die Füchse ein intensiv diskutiertes Thema. Dort prallen die Welten der Naturschützer mit denen der besorgten Familien aufeinander.

Und immer wieder wird eine Fütterung der Tiere kritisch gesehen. Vielleicht ist das der Schlüssel zu etwas mehr Fuchs-Frieden in Vockenhausen . . .

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