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Daniela Ryf aus der Schweiz jubelt im Ziel der Ironman Europameisterschaft auf dem Frankfurter Römerberg. Foto: dpa

Triathlon

Fünf Gewinner und drei Verlierer des Ironman Frankfurt

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Nicht alle Gewinner standen auf dem Treppchen, und nicht alle Verlierer trugen Lycra. Eine Mini-Analyse des Ironman 2018 in Frankfurt.

Daniela Ryf hat den    dominiert. Mit über 26 Minuten Vorsprung vor der zweitplatzierten Sarah True machte die 31-jährige Schweizerin klar, dass an ihr zurzeit kein Vorbeikommen ist – wortwörtlich. Wir sind gespannt, welche Rekorde Ryf als Nächstes bricht!

Top-Triathletin Anne Haug hat in Frankfurt ihr Debüt auf der Langdistanz gegeben – und ein atemberaubendes Rennen abgeliefert. Haug kam früh aus dem Wasser, hatte aber nach 20 Metern (!) auf der Radstrecke einen Platten. Dass sie sich davon nicht beirren ließ, sondern ihr Rad flickte und sich danach bis auf Platz 4 zurückkämpfte, rechnen wir ihr hoch an. Anne Haugs Ironman-Debüt war ein harter, langer Kampf – wir freuen uns darauf, sie bei einem pannenfreien Rennen zu sehen!

Frankfurt ist Ironman-Stadt – und das zurecht: Ob am Langener Waldsee, entlang der 185 Kilometer langen Radstrecke oder am Mainufer: Zehntausende jubeln den Triathleten zu, feuern Profis und Age-Grouper an. Am Beeindruckendsten ist die Stimmung beim Zieleinlauf auf dem Römerberg – und zwar von 14.30 Uhr, als Jan Frodeno über den roten Teppich läuft, bis zum Zielschluss um 22 Uhr. Nicht nur die Fans geben entlang der Strecke alles: Auch die zahlreichen Helfer verschiedener Vereine aus der Region sorgen am ganzen Wochenende dafür, dass die IM-Europameisterschaft reibungslos gelingen kann. Chapeau, Frankfurt: So geht Ironman!

Frodo ist zurück – und wie! In rund acht Stunden bewältigt Deutschlands Triathlon-Superstar die Langdistanz von Frankfurt und gibt damit ein fulminantes Comeback auf der Ironman-Distanz. Für Frodeno dürfte es eines der spannendsten Rennen seiner Laufbahn gewesen sein: Auf seiner letzten Langdistanz, im Sommer 2017 auf Hawaii, hatten ihn starke Rückenschmerzen geplagt; damals holte Patrik Lange den Weltmeistertitel. Am Sonntag ist der zweifache Weltmeister zurückgekehrt und hat mal eben die Weltklasse des Sports in die Tasche gesteckt.

Ja, die Profis waren wieder verdammt schnell. Ja, sie haben wieder ein paar Rekorde aufgestellt. Aber, jetzt mal ehrlich: Wer die Strapazen auf sich nimmt, monate- und jahrelang für eine Triathlon-Langdistanz zu trainieren, wer 3.800 Meter schwimmt, 185 Kilometer Rad fährt und 42,195 Kilometer läuft, der ist ein Gewinner - Punkt. Wie lange er dafür braucht, ist zweitrangig. Ironman-Athleten leisten Unglaubliches. Und erinnern uns alle daran, dass wir zu mehr fähig sind, als wir uns im Alltag zutrauen.

Es war nicht sein Tag. Der amtierende Ironman-Weltmeister Patrick Lange schwamm und radelte zwar Weltklasse-Zeiten, musste sich dann aber im Rennen den laufstarken Konkurrenten Jan Frodeno und Patrik Nilsson geschlagen geben. Was schade ist, denn Lange – selbst ein hervorragender Läufer – hat in Wettkämpfen immer wieder für späte Überraschungen gesorgt. Nur am Sonntag nicht. Hoch anzurechnen ist dem Darmstädter allerdings, dass er zu keinem Zeitpunkt einbrach – als er mit schmerzverzerrtem Gesicht über den roten Teppich lief, brandete tosender Applaus auf. So sieht ein Kämpfer aus.

Zweimal schon stand Andi Böcherer in Frankfurt auf dem Treppchen – jeweils als Zweiter –; dieses Jahr schied er vorzeitig aus dem Rennen aus. Nachdem beim Schwimmen seine Brille Probleme gemacht hatte, verhinderte beim Radfahren ein Defekt am Rennanzug eine Aufholjagd. Bei Kilometer 28 gab der Freiburger auf. Bedauerlich, denn Böcherer ist gut in Form. Aber Triathlon ist eben auch eine Materialschlacht.

Die Ironman-Europameisterschaft mitten in der größten Stadt des Rhein-Main-Gebietes hat natürlich einen Preis. Der lautet: Straßensperrungen, ÖPNV-Ausfälle, dichtes Gedränge auf dem Römerberg, am Mainufer und auf den Brücken entlang der Laufstrecke. Für Touristen, die der Stadt wegen nach Frankfurt gekommen sind, ist das nicht gerade optimal. Sie hatten am Sonntag das Nachsehen.

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