300 Quadratmeter Metallbleche lässt die Stadt zwischen den Metallstreben der Galluswarte-Bahnbrücke anbringen, um Tauben zu vertreiben.
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300 Quadratmeter Metallbleche lässt die Stadt zwischen den Metallstreben der Galluswarte-Bahnbrücke anbringen, um Tauben zu vertreiben.

Galluswarte: Stadt sagt Taubenplage den Kampf an

80 000 Euro investiert die Stadt Frankfurt in eine neue Methode, um das Taubenproblem an der Galluswarte zu lösen. Ist das Pilotprojekt erfolgreich, soll es ausgeweitet werden. Der Verein Stadttaubenprojekt findet die neue Lösung gut. Sagt aber auch: Das Grundsatzproblem wird das nicht lösen.

Unter der Bahnbrücke an der Galluswarte durchzulaufen, ist riskant: Passt man nicht auf, hat man schnell mal Taubenkot auf Kleidung oder Kopf. Dank hören die Mitarbeiter der Firma Weiß, die seit 24. März die Unterseite der Bahnbrücke mit Blechtafeln auskleiden, dennoch selten. „Die Leute tun, als ob wir die Tauben töten“, sagt ein Mitarbeiter.

„Das stimmt aber nicht“, sagt Andreas Herzog vom Amt für Straßenbau und Erschließung, der das Pilotprojekt an der Galluswarte leitet. Sogar in der Ausschreibung habe explizit gestanden, dass keine Taube zu Schaden kommen darf. „Wir wollen die Tiere nicht quälen.“ Aber verdrängen, das schon. 300 Quadratmeter Blech werden bis Mitte nächster Woche unter der Brücke angebracht, die Ränder werden mit Stahlnetzen oder Plexiglas so verschlossen, dass keine Taube mehr zwischen Blech und Brücke schlüpfen kann.

Es ist das erste Mal, dass im Stadtgebiet Bleche zum Einsatz kommen, um Tauben zu vertreiben. Denn sie sind deutlich teurer als herkömmliche Methoden: 80 000 Euro kostet das Projekt die Stadt. Dafür spart sie sich Reinigungskosten: Zweimal wöchentlich wurde der Platz unter der Bahnbrücke bisher nass gereinigt, „das ist sonst nicht üblich“, sagt Herzog. Zudem seien Bleche den anderen Vergrämungsmethoden weit voraus: In den häufig verwendeten Nylon-Netzen verfingen sich die Tauben und verhungern. Nutze man Anti-Tauben-Paste, blieben kleinere Vögel daran kleben. Und Metalldornen, sagt Michaela Kraft, die Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung, brächten einfach überhaupt nichts. Also Bleche. „Die sind hochwertig, da muss man nie mehr was dran machen“, sagt Projektleiter Herzog. Die Kosten muss die Stadt alleine tragen. „Die Deutsche Bahn argumentiert, dass die Tauben ihr Geschäft ja auf die Straßen der Stadt machen und das kein Problem der Bahn sei“, sagt Amtsleiterin Kraft. Man habe das juristisch prüfen lassen. Leider habe die Bahn recht. Dafür muss die Stadt sicherstellen, dass die Bahn die Brücke regelmäßig warten kann: Die Bleche sind hochklappbar.

Zwischen 100 und 200 Tauben lebten bisher unter der Bahnbrücke, schätzt Axel Kröner vom Verein Stadttaubenprojekt.

Bevor die Bauarbeiten begannen, hat er die Jungtiere eingesammelt, die unter der Brücke geschlüpft sind. Denn bevor die Bleche angebracht werden konnten, mussten die Metallstreben mit Spezial-Putzmittel und Desinfektionsmittel abgekärchert werden – in voller Schutzmontur, weil Taubenkot Keime enthalten kann. „Wir haben samstags und sonntags gearbeitet, damit die Bürger so wenig wie möglich belastet werden“, sagt Herzog.

Die Jungvögel brachte Kröner zum Tauben-Gnadenhof des Vereins nach Oberrad und setzte sie Taubenpaaren ins Nest, die sonst Gipseier ausgebrütet hätten. „Die freuen sich wie Bolle, dass sie mal Nachwuchs haben“, sagt er. Die Küken sterben zu lassen, hält er für falsch: „Das sind keine Wildtiere, sondern ausgerissene Haustauben. Wir haben ihnen antrainiert, dahin zurückzukehren, wo sie geboren wurden. Wir haben ihnen antrainiert, sich das ganze Jahr über fortzupflanzen. Und das fällt uns jetzt auf die Füße“, sagt er.

Und da fängt die Sache an, kompliziert zu werden. Denn viele Menschen, die glauben, dass das Taubenproblem menschengemacht ist, fühlen sich moralisch für die Gesundheit der Tiere verantwortlich – und weil Pommes rot-weiß für Tauben ziemlich ungesund sind, füttern sie sie mit Körnern. Da wird Amtsleiterin Kraft aber sauer. „Es gibt ein Fütterungsverbot für Tauben und keiner hält sich dran. Dabei ist es wichtig, dass wir die Tauben aus der Stadt vertreiben.“

Dass die Bleche die Tauben dazu bewegen werden, glaubt Axel Kröner vom Stadttaubenprojekt allerdings nicht. „Die wandern jetzt nur rüber zu den Straßenbahnschienen und machen da weiter“, sagt er. Denn um dort ebenfalls Bleche anbringen zu können, müsste ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden – und das wäre im Moment noch viel zu teuer, sagt Kraft.

Sie will erst einmal abwarten, wie sich das Projekt entwickelt. Ist die Methode erfolgreich, könnte sie relativ einfach auch an der Bahnbrücke in der Frankenallee angewandt werden, einem weiteren Tauben-Brennpunkt der Stadt. Auch die Brücken über die Voltastraße in Bockenheim und die Königsteiner Straße in Höchst stehen auf der Liste. Wenn die Arbeiten Mitte nächster Woche beendet sind, passiert aber erst einmal nichts: Eine erste Überprüfung ist erst in einigen Monaten geplant.

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