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Mittagsgebet in der Merkez-Moschee des türkischen Ditib-Verbands am gestrigen Tag der offenen Moschee. Foto: Michael Faust

Tag der offenen Moschee

Zu Gast im Hause Allahs

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Seit 1997 findet bundesweit der Tag der offenen Moschee statt, immer am 3. Oktober. In Frankfurt beteiligten sich daran in diesem Jahr 17 Gemeinden – mal mit mehr, mal mit weniger Besuchern.

Die Art der Fragen verändert sich mit dem Weltgeschehen, weiß Ismail Dag, seit zweieinhalb Jahren Imam der Merkez-Moschee in der Münchener Straße, eines der größten Gotteshäuser des türkischen Religionsverbandes Ditib. Egal ob am Tag der offenen Moschee, den der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland seit 1997 am 3. Oktober begeht, oder bei Führungen: Die nicht-muslimischen Besucher interessiert nicht nur, wie oft im Islam gebetet wird oder wie eine Moschee von innen aussieht. „Es geht auch um Fragen des Zusammenlebens – und es gibt auch kritische Fragen. Etwa nach dem Anschlägen vom 11. September in den USA, beim Karikaturenstreit oder jetzt, da das Verhältnis zwischen der deutschen und türkischen Regierung nicht das beste ist.“

Den Besuchern erklärt Dag, egal ob heute in Frankfurt oder früher in seinen fünf Jahren in Wien, dass der Islam selbst im Krieg Anschläge auf Kinder und Frauen strikt ablehnt. Dass der Prophet Mohamed Krieg nur zur Verteidigung führte und dass die Gräueltaten des „Islamischen Staates“ nichts mit der Religion zu tun haben, nach der sie sich benennen. „Ein solches Verhalten akzeptieren wir nicht. Der Islam steht vielmehr für Liebe, Frieden und Mitmenschlichkeit.“

Fragen nach dem Dachverband Ditib, der nicht erst seit dem Disput um die Eröffnung seiner großen Moschee in Köln durch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kritisiert wird, wehrt Gemeindevorstand Kerim Turcin ab. Auch dazu, dass Hessen die Zusammenarbeit mit Ditib beim Islamunterricht überdenkt, weil der Verein zu sehr aus Ankara kontrolliert werde, äußere sich die Gemeinde nicht: Aus der Politik halte sie sich heraus. Dazu möge man offizielle Verbandsvertreter ansprechen. „Ditib“ ist die Abkürzung des Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V., kontrolliert wird der Verein vom staatlichen Präsidium für religiöse Angelegenheiten (Diyanet) der Türkei.

Nur wenige Besucher sind nach dem Mittagsgebet auch beim Verein Islamischer Informations- und Serviceleistungen (IIS) in der Hohenstaufenstraße im Gallus. Das sei schade, findet Vorstandsmitglied Andreas Herrmann. Denn seit ihrer Gründung 1995 bemühe sich die Gemeinde um einen guten interreligiösen Dialog, ein bis zwei Mal im Monat biete sie Führungen für interessierte Gruppen an. Gegründet wurde der Verein von jungen Muslimen, die den Islam nicht in der Sprache ihrer Eltern, die sie oft kaum verstanden, leben wollten, sondern auf Deutsch. „Daher wurde die Predigt von Anfang an auf Deutsch gehalten.“ Eine Besonderheit, die 1995 für viel Streit mit anderen islamischen Gemeinden sorgte – bis hin zum Vorwurf der Blasphemie.

Mehr Besucher als erwartet hatte hingegen die Abu Bakr-Moschee in der Praunheimer Landstraße: Statt der erwarteten 100 seien 250 Menschen gekommen, viele davon aus dem Umland, sagt Vorstand Mohamed Seddadi. Aber auch hier sei die Zahl der Besucher am 3. Oktober rückläufig, „früher waren es mehr als 1000.“ Ein Grund dafür sei, dass die Gemeinde viele Besichtigungstermine für Gruppen anbiete. Mehr Gäste als im Vorjahr hatte die Nuur-Moschee der Ahmadiyya Muslim Jamaat in der Babenhäuser Landstraße mit 120 Besuchern. „Das lag sicher auch am Thema unseres Vortrags zum Thema ,Islam und die Spaltung unserer Gesellschaft‘, bei dem alle Plätze besetzt waren“, sagt Imam Imtiaz Ahmad Shaheen.

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