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Kurze Ärmel sind bei der extremen Hitze gestattet. Ansonsten werden nicht viel Abstriche bei der schwarzen Arbeitskleidung der Schornsteinfeger gemacht.

Extreme Hitze

So gehen Beschäftigte mit ihrem heißen Beruf um

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  • Nadja Quirein
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Die Temperaturen steigen weiter. Heute sind Werte um 35 Grad angekündigt. Wer Urlaub hat, sucht Abkühlung im Schatten oder verbringt die Zeit am See beziehungsweise im Freibad. Aber was machen diejenigen, die im Beruf der Hitze ausgesetzt sind? Wir haben uns gestern im Kreis umgeschaut und umgehört:

Norbert Kutscheid, Maler:

Viele Baufirmen reagieren auf die Hitze und fangen früher an. So wie auf der Baustelle der Firma Belzer in Eschhofen, wo die Maler in der Bahnhofstraße ein Wohnhaus zu streichen. „Wir arbeiten immer vor oder hinter der Sonne“, sagt Norbert Kutscheid. Für ihn ist die Hitze angenehmer als die Kühle in den Herbstmonaten. Er freut sich gemeinsam mit seinen Mitarbeitern immer auf die Versorgung durch die Bauherren mit kühlen Getränken. „Und oft ist auch mal ein Eis dabei“, erzählt er. Das Wetter macht ihm nicht viel aus. Selbst bei anhaltender Sonneneinstrahlung benutzt Kutscheid keine Sonnencreme. Lediglich eine Mütze setzt er sich auf, wenn es wie jetzt extrem wird.

Thomas Fröhlich, Gemeindearbeiter:

Ob es schneit oder, wie im Moment, „sieben Sonnen am Himmel“ stehen. „Wir arbeiten zu 90 Prozent draußen“ berichtet Elbtals Gemeindearbeiter Thomas Fröhlich, der derzeit mit Willi Kegler am Friedhof in Heuchelheim arbeiten muss. „Wir fangen eine halbe Stunde früher an und hören dafür früher auf“, sagt er. Das dies ratsam ist, sieht man an der Heuchelheimer Baustelle, an der kein kühles Lüftchen weht. Trotzdem müssen Schweißarbeiten für einen neuen Zaun durchgeführt werden. Und der neue Platz für den Müllcontainer muss auch noch bald fertig werden soll. Da geht dann im Laufe des Tages eine halbe Kiste Selterwasser drauf.

Kerstin Linke, Imbissbuden-Betreiberin :

Das ganze Jahr über ist sie bei Wind und Wetter im Dienst. Auch bei über 30 Grad frittiert sie auf dem Diezer Kasernenplatz: Pommes und grillt Würstchen. Die Nachfrage sei bei 30 Grad nicht anders als sonst, sagt die 56-Jährige aus Freiendiez. Durch die elektrischen Geräte werde es aber schon mal um die 40 Grad warm im Wagen, sagt Kerstin Linke. „Man gewöhnt sich dran.“ Ihr macht die Hitze nichts aus. Die Aufgaben im Imbisswagen seien die gleichen wie im Winter, aber das Angebot ändere sich ein wenig. „Eintöpfe gibt es derzeit nicht“, sagt sie. Sie selbst achtet darauf, viel zu trinken: „Am besten stilles, nicht zu kaltes Wasser.“ Und in der Mittagspause gönnt sie sich neben einem Espresso eine Kugel Blockschokoladeneis zum Abkühlen. Wenn es die Zeit zulässt, verlässt sie zwischendurch auch mal das Fahrzeug, um davor mit den Kunden einen Plausch zu halten. Sollte es wirklich mal so heiß werden, dass es für sie unerträglich wird, dann würde sie es machen wie die Spanier: Siesta. Heißt: Sie verlängert die Mittagspause und macht erst später den Laden wieder auf.

Peter Weitershausen, Stadtgärtner:

„Schön ist das nicht, man schwitzt den ganzen Tag“, sagt Peters Weitershausen über die hohen Temperaturen verbunden mit körperlicher Arbeit. Aber es sei auch nicht dramatisch, als Gärtner kenne man das ja. Er ist bei der Stadt Limburg beschäftigt. Dass man sich im Laufe der Jahre daran gewöhnt, kann der 50-Jährige nicht bestätigen. Doch er hat Tricks, wie sich die Hitze besser aushalten lässt. In den Sicherheitsschuhen beispielsweise trägt er nur dünne Socken, und die dicke Schnittschutzhose auch nur dann, wenn es die Arbeit nötig macht. Die Sicherheitsschuhe allerdings sind ein Muss, darauf kann er auch im Sommer nicht verzichten. Eincremen mit Sonnenschutz steht ebenfalls täglich auf dem Programm. Die Mittagspause verbringt er bei diesen Temperaturen ruhiger als sonst, und auch das Mittagessen fällt weniger üppig aus: „Mehr Obst und Rohkost statt Butterbrot.“ Die Flasche Wasser ist in diesen Tagen sein ständiger Begleiter. Wenn es möglich ist, teile er sich die Arbeitsorte und Tätigkeiten so ein, dass er in der Hitze nicht der prallen Sonne ausgesetzt ist, sondern zunächst die schattigen Aufgaben erledigt. Baumpflege in der Innenstadt sei aktuell beispielsweise schwierig, so Weitershausen, Aufgaben im Wald hingegen gut machbar.

Rainer Albus, Schornsteinfeger:

Ob’s schneit, stürmt oder hochsommerliche Temperaturen herrschen: Rainer Albus ist als Schornsteinfeger bei jedem Wetter im Einsatz. Und bei jedem Wetter heißt es dann auch: Berufskleidung tragen, die beim Schornsteinfeger bekanntlich schwarz ist und somit alles andere als sommerlich. Schutzhandschuhe gehören ebenso zur Montur wie Sicherheitsschuhe und feste Hosen. Es gäbe aber auch die sommerliche Variante, sagt der 53-jährige Diezer. Diese sei dann etwas dünner und je nach Einsatzort auch mal etwas lockerer. Auf dem Dach allerdings sind weder kurze Hosen noch offene Schuhe angesagt, sondern aus Sicherheitsgründen stets die volle Montur. Den charakteristischen Zylinder allerdings muss kein Schornsteinfeger bei dem Wetter tragen. Dieser gehöre nur bei besonderen Anlässen zum Outfit. Damit es ihm und den Mitarbeitern nicht zu heiß wird, beginnt der Dienst morgens schon eine Stunde früher. „Man muss körperlich fit sein“, sagt Rainer Albus. Denn dieser Beruf ist auch körperlich anstrengend. Die Grundausstattung auf dem Dach beispielsweise wiegt mindestens fünf Kilo. Im Sommer kommen neben dem Kehrbesen mit der Gewichtskugel auch Wasserflaschen mit aufs Dach. Damit die Haut geschützt ist, trägt er vor der Arbeit eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor auf. Hitzefrei gibt es auf dem Dach nicht. „Der Körper gewöhnt sich daran“, sagt Albus. Die Hitze mache ihm nicht viel aus.

Marie Christin Duscha, Wäscherei:

„In den Sommermonaten fangen wir schon mal um fünf Uhr früh an“, sagt die Chefin der Großwäscherei DuVaTex in Elbtal, Marie Christin Duscha. Sie muss etwas tun, da vor allem im Bereich der Bügel- und Mangelstationen eine enorme Hitze um 40 Grad herrscht. Ein Manko ist die alte Bauweise der Firmenhalle, die einen Einbau einer Klimaanlage aus wirtschaftlichen Gründen unmöglich macht. Daher stehen an den einzelnen Stationen große Ventilatoren, die den Beschäftigten die Arbeit etwas erträglicher machen sollen.

Meik Enk, Großküche:

„Wir haben heute Morgen schon eine Temperatur von 30 Grad“. Für den Inhaber des Restaurants „Enk“ in Oberzeuzheim, Meik Enk, sind diese Temperaturen in der Küche nichts Besonderes. Wenn es aber dann auch noch schwül und unerträglich wird, dann gesteht er seinen Mitarbeitern in Sachen Dienstkleidung Erleichterungen zu. „Dann wird auch auf die Schürzenpflicht verzichtet, und es darf auch eine kurze Hose getragen werden“. Im Lokal stehen Wasserkisten bereit, und ab und zu kommt Seniorchef Alfred Enk mit einem Eis vorbei.

Thomas Haicke, Schornsteinfeger:

„Sicherheit geht vor“. Für die Schornsteinfeger hat dies bei dieser extremen Hitze zur Folge, dass sie schon alleine durch ihre Berufskleidung sehr leiden. „Die ist schwarz, eine lange Hose und auch die Sicherheitsschuhe sind Pflicht“, sagt Thomas Haicke. Bereits sehr früh sind unter dem Dach Temperaturen von 35 bis 40 Grad anzutreffen, die dann auf dem Dach schnell höher liegen. Daher reagiert der Schornsteinbetrieb Benner auf die Hitze mit Arbeitszeitanpassung. „Wir fangen früher an und arbeiten nicht so lange“, sagt Haicke. Im Winter herrscht dafür oft eisige Kälte. Doch daran mag er im Moment nicht denken. . .

(qui , kdh)

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