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Jedes Wochenende strömt das Partyvolk in die Kleine Rittergasse und die Nebenstraßen. Ein Teil der Feier findet auf der Straße statt.

Politiker diskutieren

Geht in Alt-Sachsenhausen mehr als Party und Promille?

Schmutz Lärm, Gewalt. Seit Jahren fragen sich Frankfurter Politiker, wie sich die Zustände in Alt-Sachsenhausen verbessern ließen – ohne Ergebnisse. Die FDP hat das Thema nun in einer Podiumsdiskussion noch einmal abgesteckt.

Florian Reineking (FDP) startet die Podiumsdiskussion mit einer Frage ans Publikum. „Wer von Ihnen ist regelmäßig in Alt-Sachsenhausen unterwegs“, fragt das Mitglied des Ortsbeirats 5 (Oberrad, Sachsenhausen, Niederrad). Rund 40 Personen sitzen am Montag im Theater Alte Brücke, einer meldet sich. Der Mann wohnt in dem Viertel. Reineking hat dieses Ergebnis erwartet und deutet es so: Viele machen einen Bogen um das Party-Viertel.

Wie kann das Viertel, das unter Verschmutzung, Lärm und der Gewalt unter den Partygästen leidet, auch für Frankfurter attraktiv werden, die sich nicht gerade betrinken wollen? Das war die Frage des FDP-Diskussionsabends. Auf dem Podium saßen die Architektin Marie-Therese Deutsch, Thomas Winterscheid, der Inhaber des Tanzclubs „Ponyhof“, Elke Tafel-Stein, die planungspolitische Sprecherin der FDP im Römer und eben Reineking.

Dieser hielt fest: „Frankfurt braucht ein Amüsierviertel.“ Es solle aber nicht diese Ballermann-Kultur sein. Gemütliche Apfelweintradition wünscht er sich. „Für Sauftourismus ist Alt-Sachs zu schade.“

Aus drei Säulen bestehe Reinekings Plan, der auf dem Podium diskutiert wurde. Erstens: Er will mehr Kreativwirtschaft im Viertel. Er denkt an Ateliers. „Viele Künstler der Städelschule verlassen die Stadt, weil sie hier keine Räume finden“, sagte er. Das sei verlorenes Potenzial und wenn es gelinge, sie in Alt-Sachs anzusiedeln, sei das eine Chance. „Da hat der Magistrat vor allem bei der Konzeption für den Paradieshof versagt“, meinte Tafel-Stein. Der „European School of Design“ in dem Gebäude ein Heim zu geben, sei eine gute Idee. Dass zuvor die Finanzierung nicht geklärt worden sei, sei aber ein Fehler gewesen (wir berichteten). „Die Hochschule unterschätzte, was für ein ,Groschengrab‘ das Gebäude ist“, sagte Deutsch. „Das Haus müsste man abreißen. Weder Substanz noch Form sind erhaltenswürdig.“

Reinekings zweiten Säule ist der Schutz des historischen Erbes. Mit Deutsch beklagte er, dass in Alt-Sachsenhausen viele historische Gebäude seit Jahren verfallen. Doch viele Hauseigentümer seien wenig interessiert, sagte die Architektin. Das dürfe für die Politik aber keine Ausrede sein. „Die Stadt hat einige Grundstücke, mit denen sie in das Viertel wirken kann. Sie braucht einen Masterplan für Alt-Sachs.“, sagte Deutsch.

 

Die dritte Säule nennt Reineking: „Apfelweinkultur“. Diese möchte er etwa mit einem Apfelweinfestival fördern, so dass sie die Ballermann-Party ersetze. Ein Anwohner forderte, Junggesellenabschiede dort zu verbieten und auch eine Sperrstunde um 2 Uhr. „Dann könnte ich mein Geschäft zumachen“, sagte Clubbesitzer Winterscheid. Die Politik müsse anerkennen, dass die Gastronomie nun einmal im Viertel lebt. „Auch dürfen die Barbesitzer nicht immer als Sündenböcke dargestellt werden.“ Ein Glasverbot auf der Straße, wie es der Anwohner auch forderte, würde er aber unterstützen.

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