Organisiert zum 15 Mal das Festival für Kinderliedermacher: Georg Feils (65), den alle nur Ferri nennen. Rund 260 Lieder hat er in seiner Karriere schon komponiert.
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Organisiert zum 15 Mal das Festival für Kinderliedermacher: Georg Feils (65), den alle nur Ferri nennen. Rund 260 Lieder hat er in seiner Karriere schon komponiert.

Kinderliedermacher

Georg Feils singt, textet und organisiert ein Traditionsfestival

Als Ferri steht Georg Feils seit 33 Jahren mit Kinderliedern auf der Bühne. In Frankfurt hat er das Kinderliedermacher-Festival ins Leben gerufen. Im 15. Jahr findet es vom 23.–29. April im Holzhausenschlösschen statt. Friedrich Reinhardt hat mit Feils darüber gesprochen, worum es bei Kindermusik geht, warum sie manchmal so nervt und ob sie den Künstler einsam macht.

Herr Feils, Sie machen seit 33 Jahren Kindermusik. Was unterscheidet da ein gutes von einem schlechten Lied?

FEILS: Volltreffer: Das ist die zeitlose Frage. Manche Kolleginnen und Kollegen kommen schließlich aus der Klassik, andere vom Jazz. Soli Puschban, ist dieses Jahr beim Festival dabei. Von ihr ist [singt kräftig]: „Ich hab die Schnauze voll von rosa, von lieb und brav und still. Ich hab die Schnauze voll von rosa. Ich mach jetzt was ich will. “ Das ist Punkrock.

Aber es muss doch Kriterien geben, über die Sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen diskutieren?

FEILS: Grundsätzlich gilt: Das Lied muss etwas mit der Lebenswelt der Kinder zu tun haben. Auch geht es um die Originalität der Melodie und des Textes. Wie gut ist er auf das Metrum gebaut und wie sauber sind die Reime. Ist das Lied witzig, was ist der Inhalt. Auch sollte es einen Aufforderungscharakter haben.

Was meinen Sie damit?

FEILS: Lieder animieren Kinder, sich zu bewegen und mitzusingen. Untersuchungen von Neurologen und Psychologen zeigen, dass Singen Kinder intellektuell und sprachlich fördert, aber auch gut für die Entwicklung der Fein- und Grobmotorik ist. Und es schafft Verbundenheit.

Bei Kinderliedern werden oft Textpassagen wiederholt. Zudem hören Kinder ihre Lieblingslieder häufig auf Dauerschleife. Dann sind Eltern schnell genervt. Muss das so sein?

FEILS: Nein, überhaupt nicht. Gute Kinderlieder gefallen Kindern und Erwachsenen und die gibt es. Donikkels „Fliegerlied“ wurde beim vergangenen Pokalfinale gespielt. Die Wiederholungen sind deshalb wichtig, weil Kinder so den Text schnell lernen und mitsingen können. Das mag vielleicht nicht jeder.

Wie viele Lieder haben Sie in ihrer Karriere geschrieben?

FEILS: Das werden so 260 Stücke sein. Die habe ich natürlich nicht alle im Kopf. Ich habe so 20 einstündige Programme, die ich abrufen kann.

Das ist erstaunlich viel.

FEILS: Kann sein. Manchmal braucht es nur ein lustiges Wort, das Anstoß gibt, ein Lied zu schreiben. Zum Beispiel „Runkelrübe“. Es gibt aber auch Auftragsarbeiten. Mit Beate Lambert habe ich eine CD zur Verkehrserziehung gemacht oder für die Frankfurter Bürgerstiftung eine CD zur Frankfurter Stadtgeschichte.

Erwachsene wollen auch mal traurige Musik hören, wenn es gerade mal nicht so gut läuft. Kindern geht es doch sicher ähnlich. Gibt es traurige Kinderlieder?

FEILS: Absolut. Es gibt Kinderlieder, die sich mit dem Tod beschäftigen oder der Trennung der Eltern. Unmada, der dieses Jahr auch zum Festival kommt, hat viel in diese Richtung gearbeitet. Ich habe auch melancholische Lieder. Mein Stilmittel ist aber eher der Humor.

Sie sagen, die Lieder sollten sich an der Lebenswelt der Kinder orientieren. Ist es nicht unbefriedigend, Kunst zu schaffen, die nicht die eigene Sicht auf die Dinge ausdrückt?

FEILS: In der Pädagogik gibt es den Begriff des „inneren Kindes“. Das haben auch Erwachsene und wenn sie dazu guten Kontakt halten, bereichert das ihre Persönlichkeit. In meinen Lieder drückt sich auch mein innere Kind aus.

„Inneres Kind“, was soll das sein?

FEILS: Ich denke, es ist eine Lebenseinstellung; dass man offen ist, sich überraschen lässt, lernbegierig bleibt und neue Sachen ausprobieren will. Diese Einstellung bezeichnet der Begriff für mich.

Ist das aus ihrer Sicht eine Charakterfrage oder kann man daran arbeiten?

FEILS: Das ist eine Haltung, die man pflegen kann. Dafür muss man seine Aufmerksamkeit darauf richten und mit Freunden darüber reden, wie man auf andere wirkt. Dann merkt man, wo man hart geworden ist und verbockt.

Aber trotz des inneren Kindes; Sie stehen auf der Bühne, singen Ihre Lieder und bleiben dennoch ungehört, weil manche Themen, die Sie persönlich umtreiben nicht angesprochen werden. Macht das nicht einsam?

FEILS: Einsam ist das falsche Wort. Es stimmt, dass dieser Umstand eine Besonderheit der Arbeit mit Kindern ist. Auch wenn man Kinderlieder schreibt, muss man Facetten seiner Selbst außen vor lassen. Aber beim Texten und Komponieren ist es, wie wenn man für Erwachsene schreibt. Von Einsamkeit kann aber schon deshalb nicht die Rede sein, weil Musik etwas Gemeinschaftliches ist.

Haben Sie deshalb vor einigen Jahren das Konzept des Kinderliedermacher-Festivals geändert?

FEILS: Genau. Bis vor drei Jahren kamen etwa 15 Liedermacher und gaben eine Woche lang Konzerte. Am Ende sind alle zusammen aufgetreten. Weil das aber am meisten Spaß gemacht hat, lade ich seit 2016 jeweils drei Kollegen ein und wir spielen alle Konzerte zu einem Festival-Thema gemeinsam. Beim ersten Mal war das Thema „Ich bin anders“. Da ging es um Inklusion. Danach war es „Tür auf“, wegen der Flüchtlingsdiskussion. In diesem Jahr ist dass-D Thema „Starke Lieder – Starke Kinder“.

Warum dieses Thema?

FEILS: Kinder sind in den vergangenen Jahren schüchterner geworden und haben weniger Selbstvertrauen. Das hat vielleicht mit der Überforderung zu tun, die die Umwelt ihnen bietet. Musik kann dem etwas entgegensetzen, mit Liedern die sagen: „Du bist wer und du hast das Recht dich zu äußern.“ Für das Festival habe ich etwa ein Lied geschrieben: [singt] „Das bin ich und ich bin groß und wo ich bin, da ist was los. Das bin ich. Bin nicht mehr klein und wenn ich Nein sage, heißt das Nein. Groß sein oder Klein, kann doch nicht die Frage sein. Klein sein oder groß. Das ist doch Banane bloß .“

Wie haben sich die Kinder im Laufe der Zeit sonst verändert?

FEILS: Die Aufmerksamkeitsspanne ist kürzer geworden. Bei den Konzerten halten die Kinder nicht mehr so lange durch wie früher. Manche sind unausgeschlafen und hängen stundenlang vor irgendwelchen Bildschirmen. Meine Programme sind etwa eine Stunde lang. Da kommen einige schon an ihre Grenzen. Dann wird es laut und unruhig. Vielleicht auch weil Musik häufig im Hintergrund läuft, sehen manche Kinder es als Aufforderung sich zu unterhalten. Konzerte sind eine Kulturtechnik, die Kinder erst lernen müssen. Dazu tragen wir mit dem Festival bei.

Nach 33 Jahren, was sind da Ihre Pläne für die Zukunft?

Ich möchte das Festival-Format so etablieren, dass es jedem Freude macht, in Deutschland eine Vorreiterrolle ausfüllt. und wir das noch ein paar Jahre machen können. Das gemeinsame Spielen ist einfach ein beglückendes Erlebnis.

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