Stadtplanung

Geplanter Hotelbau an der Bockenheimer Landstraße empört viele Anwohner

Über Geschmack lässt sich schlecht streiten. Dennoch war der Ärger bei manchen Anwohnern groß, als die Pläne für das neue Hotel an der Bockenheimer Landstraße vorgestellt wurden. Es gab aber nicht nur ästhetische Bedenken.

So scharf ist der Ton im Ortsbeirat 2 (Westend, Kuhwald, Bockenheim) selten. Eigentlich geht es hier immer recht gesittet zu. Während Vertreter des Immobilienunternehmens RMCB GmbH ihre Pläne für ein neues sechsstöckiges Hotel mit 226 Zimmern – „The Flag“ soll es heißen – vorstellen, hat man aber den Eindruck, es wäre etwas kühler im Raum geworden.

Dabei hatten die Firmenvertreter von Anfang an einen schweren Stand. Die sehr aktive Aktionsgemeinschaft Westend (AGW) kennt im Stadtteil nämlich jeden Baum. Ihr ist nicht entgangen, dass die Firma auf dem Grundstück an der Bockenheimer Landstraße in den vergangenen Monaten immer wieder Bäume gefällt hatte. „Ich zähle zehn Stück“, sagt Hilde Hess von der AGW. „Das stimmt, vier im Innenhof und sechs im Außengelände“, sagt Oliver Elsässer. Er kümmert sich in den Hotels der Firma um Planung und Arbeitsabläufe.

Wenn es um Bäume geht, versteht die AGW keinen Spaß. Wer schließlich aufmerksam durch das Westend läuft, bemerkt, dass die Straßen mit weniger Grün spürbar wärmer sind als jene mit vielen Bäumen. „Wir leben eben in Zeiten des Klimawandels und die Stadt wird immer wärmer“, sagt Hess. Dass für jeden gefällten Baum ein neuer gepflanzt wird, beruhigt wenige. Schließlich brauchen die neuen Bäume Jahre, bis sie die Größe der alten erreicht haben.

Empörung kommt aber erst so richtig auf, als Elsässer eine Animation an die Leinwand wirft, die einen Ausschnitt des geplanten Gebäudes zeigt. Grau ist zu sehen, gerade Linien und ein gekipptes Fenster. Die anwesenden Anwohner reagieren kurz mit Schweigen, gefolgt von Murmeln, das zu bösem Lachen wird. Eine Anwohnerin meldet sich und sagt: „Entschuldigen Sie, dass sieht aus wie ein maroder Gefängnisbau aus den 50er Jahren, und so etwas wollen sie uns ins Viertel stellen?“ Dafür bekommt sie viel Applaus. Eine andere Anwohnerin fühlt sich ermutigt, „schämen sie sich“ zu rufen. Elsässer weiß nicht, was er sagen soll. Eine Ausschreibung habe es nicht gegeben. Die ist für einen privaten Bauherrn auch nicht verpflichtend.

Er selbst habe den Entwurf des Architekten Piet Eckert des Züricher Büros „E2A“ nicht ausgesucht, sagt Elsässer. Ihm gefielen allerdings die klaren Formen und Strukturen des Entwurfs. „Über Geschmack lässt sich eben schlecht streiten“, sagt er und auch, dass er glaube, das Gebäude werde sich gut in die Umgebung einfügen. „Es ist mal etwas anderes als die vielen Glas- und Metallfassaden, die derzeit überall gebaut werden.“

Vielleicht war einfach die Animation schlecht ausgewählt, kann sich Elsässer vorstellen. Sie könne nicht so recht abbilden, wie das Haus später einmal wirken werde. „Es wird hier mit einem schönen Naturstein gebaut“, sagt er. „Der hat einen eigenen Charme, wenn man ihn aus der Nähe sieht.“ Ob das die Anwohner überzeugen wird, zeigt sich wohl erst, wenn das Hotel im Jahr 2020 fertiggestellt ist.

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