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Constantin von Bienenstamm (links) und Andreas Schlotterbek haben das Nosh in Sachsenhausen eröffnet.

Gastro-Kolumne

Gerichte aus aller Welt

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Die Schweizer Straße ist ein gastronomisch dicht besiedeltes Pflaster. Wer sich gegen so viel Konkurrenz behaupten will, muss dem Publikum schon etwas bieten.

Die Schweizer Straße ist ein gastronomisch dicht besiedeltes Pflaster. Wer sich gegen so viel Konkurrenz behaupten will, muss dem Publikum schon etwas bieten. Das vor wenigen Tagen in Hausnummer 76 eröffnete „Nosh“ macht einen erfolgversprechenden Eindruck. Der Name geht auf die jiddische Sprache zurück und lässt sich mit Leckerei übersetzen. Als Betreiber fungieren Constantin von Bienenstamm und Andreas Schlotterbek – zwei erfahrene Unternehmer, die sich beruflich erstmals zusammengetan haben. Bevor sie gemeinsame Sache machten, hat der eine mit den Coa-Restaurants eine beachtliche Karriere hingelegt. Während der andere zu den Geschäftsführern von „La Maison du Pain“ gehörte.

Das „Nosh“ betreiben die Kompagnons in der früheren „Trattoria Casa Mia“. Bis die Räume ihrem Geschmack entsprachen, sind knapp zwei Monate vergangen. Im fertigten Ambiente stecken viele Ideen, die sie auf ihren Reisen sammelten. „Wir hatten aber auch Glück mit dem, was wir vorfanden“, erzählt von Bienenstamm. „Das Mauerwerk zum Beispiel, das ohnehin zu unseren Plänen zählte, entdeckten wir unter dem alten Putz.“ Außerdem gibt es freigelegte Metallsäulen und ein Sammelsurium gebrauchter Stehlampen. „Die haben wir auf einem Auktionsportal zusammengesucht und verkehrt herum an die Decke geschraubt“, so Schlotterbek. Trotzdem betrachten die Gastronomen ihren Stil nicht als Vintage: „Wir wollten keinem bestimmten Trend folgen“, resümiert von Bienenstamm, „sondern einen gemütlichen Raum schaffen.“ Das ist ihnen auch durch die mit weichem Leder bezogenen Stühle und Bänke gelungen.

Bequem sitzen lässt es sich obendrein an der niedrigen Bar. Von dort aus können die Gäste einen Blick in die offene Küche werfen. Das Team um Marco Klein bereitet Lieblingsgerichte aus aller Welt zu. Von der Speisekarte soll sich den Inhabern zufolge jeder im Stadtteil weitestgehend angesprochen fühlen. Die Zutaten beziehen sie wenn möglich von lokalen Lieferanten oder Produzenten. „Die Burrata kommt von L’Abbate in Offenbach, das Brot von ,La Maison du Pain‘ auf der gegenüberliegenden Straßenseite“, erklärt Schlotterbek. Es ist frisch, schmeckt dezent säuerlich und macht sich gut zum würzigen Kräuterdip.

Das Mittagsangebot besteht derzeit nur aus fünf Gerichten. Und der Simmentaler Brioche Burger (13 Euro) war rasch vergriffen. Statt Rindfleisch-Bulette kommen also Tagliatelle (12 Euro) und Kabeljau (14 Euro) auf den Tisch. Die Vorspeisen sind im Preis inklusive und geben keinen Grund zum Meckern: Den Wildkräutersalat, der wie frisch gepflückt auf dem Teller liegt, verfeinert ein kräftiges Dressing. Die Paprikasuppe ist ebenso cremig wie aromatisch. Weiter geht’s mit roten und grünen Bandnudeln samt gebratenen Riesengarnelen – alles mit Biss. Den perfekt auf der Haut gegarten Fisch begleitet ein Parmesan-Risotto, das noch einen Hauch schlotziger hätte sein dürfen. Leider umfasst das Lunch-Menü kein Dessert, quengelnde Gäste bekommen trotzdem eins: intensiv schokoladiges Grießflammerie, das durch leicht gesüßtes Granité aus Drachenfrucht ergänzt wird (6 Euro).

Der Durst lässt sich mit hausgemachten Limonaden (0,4 l für 4,50 Euro) oder verschiedenen Biersorten beispielsweise von Braufactum (0,3 l zu 3,90 Euro) löschen. Und was ist mit Wein? „Wir haben eine ausgewogene Kollektion, die wir selbst zusammenstellen“, sagt von Bienenstamm. „Dabei lassen wir uns von Norbert Spielmann beraten, der das Weingut Alte Grafschaft in Kreuzwertheim betreibt.“ Ein Großteil der Erzeugnisse aus Deutschland, Italien, Spanien und der Neuen Welt werden auch glasweise ausgeschenkt. Daneben steht Hochprozentiges auf der Getränkekarte: „Wir haben ein paar ordentliche Drinks im Bereich Whiskey, Wodka und Rum“, so Schlotterbek. „Beim Gin sind wir mit zwölf Sorten breiter aufgestellt.“

Das Angebot von Küche und Keller wird auch im „Private Room“ und auf der Terrasse serviert. Das Ecklokal hat einen Außenbereich, den die Gastronomen mit Heizstrahlern bestücken und selbst dann bespielen können, wenn die Temperatur wieder sinkt.

Nosh

Sachsenhausen, Schweizer Straße 76, Tel. (0 69) 61 50 75, Mo–Mi 11.30–23.30, Do–Sa 11.30–0.30, So 12.30–23.30 Uhr, Sitzplätze: 55 innen/80 außen, Küche: Lieblingsgerichte aus aller Welt

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