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Getreide: Die Ernte bricht aufgrund der Trockenheit ein

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Die Getreide-Ernte sei in diesem Jahr zwei bis drei Wochen früher als sonst, sagt Diplom-Ingenieur Bernd Weber vom Hessischen Bauernverband mit Sitz in Friedrichsdorf. Ursache hierfür sei eindeutig die bisherige lange Trockenheit.

Bauernverbandsprecher Bernd Weber nennt für den Hochtaunus- und den Wetteraukreis etwa 20 bis 30 Prozent Ernte-Minderung. Aber auch das sei nicht gesichert, sagt er. Denn es gebe zum Beispiel Ortschaften, in denen ein Teil der landwirtschaftlichen Fläche äußerst trocken seien und wenige Meter davon entfernt niedergehender Regen kaum Ernte-Einbußen erkennen ließen. Solche Beispiele gebe es mehrfach, so unter anderem in Grävenwiesbach, berichtet Weber.

Im Vordertaunus beklagt man allgemein die vorhandene Trockenheit. Heinz Reinhardt, Inhaber des Reinhardtshof in Burgholzhausen, verweist ebenfalls auf unterschiedliche Erträge innerhalb der anliegenden Gemeinden. Auch er sieht bei vielen Landwirten eine Ernteminderung von bis zu 30 Prozent.

Markus Wien ist Ortslandwirt von Burgholzhausen, was eine offizielle Institution ist, die sowohl Vermittlung als auch Information zwischen den ortsansässigen Landwirten und dem hessischen Bauernverband vornimmt. Der 37-Jährige bewertet die Situation ähnlich wie Heinz Reinhardt. „Im vergangenen Jahr hatten wir große Hagelschäden. Dieses Jahr ist es die Trockenheit, die uns zu schaffen macht“, sagt der Besitzer von 80 Milchkühen sowie 80 Kälbern und Rindern. Wien hat in der ersten Juli-Woche lediglich die Wintergerste abgeerntet und dabei die Ernte-Minderung zur Kenntnis nehmen müssen.

Der Seulberger Landwirt Gerhard Raab war am vergangenen Samstag auf seinem sechs Hektar großen Erbsenfeld im Bereich der neuen Sportanlage mit seinem Mähdrescher tätig. Bereits einige Tage zuvor hatte er die Wintergerste eingefahren. Wenn alles glatt verlaufe, könne er am kommenden Wochenende die Getreide-Ernte abschließen, sagt Gerhard Raab. Auch er führt die zurückliegende Trockenheit für den geringeren Ertrag an. Raab hatte ebenfalls im Vorjahr Ernteverluste durch Hagelschlag hinnehmen müssen. Zum jetzigen Ertrag mochte er sich noch nicht äußern.

Es mag zwar paradox erscheinen, trotz der extremen Trockenheit wünscht man sich bei den Landwirten zurzeit keinen Regen. Sie möchten zunächst ihre Getreide-Äcker abernten. Denn die Angst, dass heftiger Regen oder wiederum Hagelschlag wie vor wenigen Tagen in Wehrheim die ohnehin schlechte Ernte noch schlechter werden lassen könnte, ist gegenwärtig. Bei Starkregen würden die Getreidekörner sowie Raps und Erbsen zu Boden fallen und damit nicht mehr zu ernten zu sein, sagen die Landwirte in der Hoffnung, dass dies nicht passiert.

Doch es gibt auch positivere Wahrnehmungen. So ist zum Beispiel an vielen Orten die Maisernte recht zufriedenstellend. Der Mais, der wie die Erbsen in der hiesigen Region fast ausschließlich als Viehfutter (Silage) mit viel Eiweißgehalt Verwendung findet, steht im Seulberger Feld gut. Die Pflanzen sind zum Teil mehr als zweieinhalb Meter hoch. Das liegt daran, dass der Mais mit weniger Feuchtigkeit auskommt und er die Wärme mag.

Für die Wildtiere dient er zusätzlich als Schutzgebiet vor ihren Feinden, vor allem dann, wenn aus den vorherigen Getreidefeldern in einigen Tagen Stoppel-Äcker geworden sind. Der Mais steht mehrere Wochen länger auf dem Feld. Sollten jedoch Wildschweine die hohen Maisfelder aufsuchen, sind sie nicht willkommen. „Die können viel Schaden anrichten“, sagt Gerhard Raab.

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