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Sie machen das Beste aus der Situation: Heidi Emrich und Ufuk Gürel sind derzeit die einzigen Händler auf dem Ginnheimer Wochenmarkt.

Kein Besuchermagnet

Ginnheimer Wochenmarkt steht vor dem Aus

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16 Jahre haben Ortsbeirat und Bürger für den Ginnheimer Wochenmarkt gekämpft, nur ein Jahr nach seiner Eröffnung steht er schon kurz vor dem Aus. Von den einst zehn Ständen gibt es nur noch vier, während der Sommerferien sogar nur zwei.

Im Sekundentakt brettern die Autos über die Rosa-Luxemburg-Straße, in diese Geräuschkulisse mischt sich das Rattern der mit Einwegflaschen beladenen Rollcontainer, die die Supermarkt-Mitarbeiter vom Getränkemarkt zum Lastwagen schieben. Wie jeden Donnerstag.

„Nur die Harten kommen in den Garten“, brüllt Heidi Emrich und packt 150 Gramm Lyoner-Wurst in die Tüte. „Darf’s noch was sein“, ruft sie ihrem Kunden zu. Der sagt freundlich „Danke, nein“, packt seinen Einkauf in den Korb und radelt davon. Dann lässt der Lärm nach und Heidi Emrich, die seit 22 Jahren bei der Landmetzgerei Kaufmann arbeitet, kann durchatmen. „Ein Markt-Schwätzchen halten kann man hier nicht. Und glauben Sie mir: Das ist in Ginnheim immer so ungemütlich“, sagt sie.

Seit einem Jahr, besser gesagt seit April 2017 gibt es nun den Wochenmarkt in Ginnheim, direkt auf dem Rewe-Parkplatz an der Ginnheimer Landstraße. Groß wurde die Eröffnung mit zehn Ständen damals gefeiert, begeistert war der Ortsbeirat, der 16 Jahre lang dafür gekämpft hatte. Von dieser Euphorie ist nur wenig übrig geblieben. Lediglich vier Stände – ein Nudel-, ein Wurst-, ein Brot- und ein Käsestand – gibt es noch.

In den Sommerferien sind es sogar nur zwei. „Der Brotstand macht Urlaub und für den Käse ist es zu heiß“, sagt Ufuk Gürel, der für das Hofgut Hanstein in Maintal Nudeln, Eier und Likör verkauft. Zwischen 30 und 40 Kunden zählt er donnerstags in Ginnheim, schon längst steht er nicht mehr bis 18 Uhr mit seinem weißen Wagen auf dem Parkplatz. „Wir müssen bis 16 Uhr bleiben, bis 18 Uhr dürfen wir“, begrüßt der 27-Jährige die Lockerung der Marktzeiten durch die Hafen- und Marktbetriebe.

An Emrichs Stand ist mehr los, vor allem in der Mittagszeit – Bratwurst und Linsensuppe verkaufen sich gut. „Wo ist denn der Brotstand hin?“, fragt Carsten Selmke. Aus Bockenheim ist er gekommen und das „tolle Sauerteigbrot“ zu kaufen. Umso trauriger ist er, dass er nun bis nach den Ferien warten muss. „Ich komme nur deswegen aus Bockenheim, denn sonst gibt es hier ja nicht mehr wirklich viel“, sagt er. Das stimmt. Erst vor kurzem hat der Gemüsestand aufgehört, der Weinstand gab schon vor mehreren Monaten auf.

„Es ist eine Schande“, sagt Heidi Emrich, während sie mit Ufuk Gürel am Stehtisch zwischen den beiden Ständen eine kleine Pause einlegt. Viele Händler hätten zu wenig Geduld und gäben zu früh auf. Ein Markt brauche seine Zeit, bis er laufe. Sie sieht die Schuld aber auch bei den Kunden. „Ich kann nicht nach einem Markt rufen und ihn dann nicht nutzen“, sagt sie. Wie lange sie noch in Ginnheim steht, weiß sie nicht. „Bis mein Chef mich abberuft oder die Stadt uns den Strom abstellt“, sagt sie.

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